Yellowcard - Lights And Sounds - Cover
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Yellowcard Lights And Sounds


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit ihrem Debütalbum „Ocean Avenue“ mischten Yellowcard, vor allem in ihrer Heimat USA, gleich ganz oben in den Verkaufsrängen mit. Ausverkaufte Tourneen und ein MTV2 Video Award waren für die Band aus Kalifornien eine nicht in den kühnsten Träume erhoffte Auszeichnung. Der melodische Punk mit sonniger Attitüde zog vor allem jüngere Fans in den Bann, wobei Yellowcard zumindest auf den ersten Blick keine austauschbare Pop-Punk Gemeinschaft sind, sondern nahezu einzigartig in diesem Genre wiederkehrend eine Violine in ihre Musik integrieren. Zielsicher wurden Herzensangelegenheiten in den Lyrics verarbeitet und mit einprägsamen Harmonien dem leicht verdaulichen Punk gefrönt. Ein Rezept, welches nach wie vor aufgeht und gleichzeitig Schwierigkeiten im Bandgefüge hervorbrachte. Der Leadgitarrist Benjamin Harper verließ kürzlich die Band und wurde durch Ryan Mendez (Ex-Staring Back) ersetzt. Auch die Songschreiber Ryan Key (Gesang, Gitarre) sowie Pete Mosely (Bass, Keyboard) brauchten Abstand zum Rummel, erholten sich in New York und konnten glücklicherweise ihre Kräfte bündeln und sie in 14 Songs des aktuellen Werkes „Lights And Sounds“ verarbeiten. Abwechslungsreicher und in Maßen melancholischer ist der Longplayer im Vergleich zum Debüt geworden und präsentiert Yellowcard in einem guten Licht.

Direkt schwebend und orchestral gibt sich das Intro „Three Flights Up“, welches einer Zeremonie gleicht und vom Titelsong „Lights And Sounds“ gnadenlos rockig abgelöst wird. Die Gitarren thronen über wuchtigen Drums und dem gar zauberhaften Gesang eines Ryan Keys. Höchst energisch ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Endorphine ausführlich im Körper ausbreiten und man schnellstens mitgerissen wird. Über den Langzeiteffekt denkt jetzt noch keiner nach, denn der ist im Punkrock bekanntermaßen nicht allzu ausgeprägt. Für den Moment macht es Spaß und zündet ohne Umschweife. Die Hookline in „Sure Thing Falling“ ist wie der gesamte Auftakt dieser CD catchy as hell, während Yellowcard das Tempo ein wenig zurückschrauben und rhythmisch variabler zu Werke gehen. Schöne Breaks und Leadgitarren, die durch Mark sowie Bein gehen, zeigen sich bei besagtem Song in gutgelaunter Verfassung.

Fest zum Bandsound gehört eine Violine, die der Hörer erst im balladesken „City Of Devils“ deutlich vernehmen kann. Dieses zeigt schwelgerisch die ruhigere Seite und übt sich in zuckersüßer Opulenz, die es nicht schafft, den Kitsch komplett außen vor zu lassen. Dass Melodic-Punker jedoch auch großartig leisemalerische Töne in Bestform abliefern können, zeigt „Two Weeks From Twenty“, eine Geschichte über einen US-Soldaten, der zwei Wochen vor seinem zwanzigsten Geburtstag im Irakkrieg um´s Leben kommt. Singer/Songwriter-Tradition und entspannte Lagerfeuer-Ästhetik überraschen positiv und als wenn das noch nicht genug wäre, vollendet eine Trompete mit dem Hauch eines Solos die fragile Eleganz. „Waiting Game“ sowie „Martin Sheen Or JFK“ sind echte Lichtblicke anspruchsvoller, emotionaler Rockmusik und zeigen die Entwicklung von Yellowcard sehr deutlich. Die Songs sind ausgefeilter, folgen einer berauschenden Dramaturgie und halten auch beim wiederholten Hören beeindruckende Elemente bereit. So wird es zur Mitte der Scheibe wesentlich aussagekräftiger, was gerade bei „How I Go“ mit Unterstützung eines 25 Mann starken Orchesters und einer deutlichen Prise Melancholie zu nicht für möglich geglaubten Höheflügen ansetzen lässt.

Die Richtung, in die Yellowcard voranschreiten, weist nach oben. Gerade wenn sie den Pop-Punk Kontext außer Acht lassen und einfach nur Rockmusik bzw. einfühlsame, direkte Balladen ohne den Ballast des millionenfach verkauften Vorgängers selbstsicher in ihrer eigenen Art und Weise formulieren, punkten die Fünf. Leider kommt dieser Schritt nicht auf dem gesamten Werk zur Geltung und man ertappt sich noch zu oft, dass der anfängliche Schwung in Langeweile mündet.

Anspieltipps:

  • Sure Thing Falling
  • Two Weeks From Twenty
  • Waiting Game
  • Martin Sheen Or JFK
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