Tiga - Sexor - Cover
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Tiga Sexor


  • Label: Pias/Rough Trade
  • Laufzeit: 54 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Mr Sontag alias Tiga zählt zu den großen Dance/House-DJ´s und hauchte Anfang der Neunziger seiner Heimatstadt Montreal ein gehöriges Maß an Clubleben ein, als es in Kanada kaum Anlaufstellen für durchgetanzte Ravenächte gab. Er gilt als Dandy der Electro-Szene und interpretierte in Kooperation mit Zitherius (Jori Hulkkonen) den Corey Hart-Song „Sunglasses At Night“, der sich vielfach verkaufte und weltweit zum Clubmonster mutierte. Als Kind der Achtziger hatte er die Ehre, Depeche Mode zu remixen, wobei die Liste der hochkarätigen Remixarbeiten für Moby, Alpinestars, Cabaret Voltaire, Felix Da Housecat, LCD Soundsystem und andere scheinbar kein Ende zu nehmen scheint. Trotz seiner Berufung, wie Tiga selbst den Job als DJ nennt, der Gründung des Labels Turbo und vielen 12“-Singles fand der Kanadier genügend Zeit, seinem ersten Artist-Album „Sexor“ den Glanz zu schenken, der vorerst die ruhelose Karriere formschön abrundet und endlich auch in die Wohnzimmer einzieht. Dennoch bleiben die DJ-Pulte von Tokio bis New York Tigas Nonplusultra.

Nach einem schillernden Glanz herauf beschwörenden Intro setzt das nur langsam aus der Hüfte kommende „(Far From) Home“ noch keine großen Akzente. Achtzigerflair trifft auf bodenständige Sounds, die melodiös eingesetzt sind, doch nicht die Ohrwurmtendenz haben, wie wir es von Canadia´s Finest kennen. Im Oktober 2005 bereits als Single auf die Menschheit losgelassen, punktet das folgende „You Gonna Want Me“ vollmundig und energetisch. Der Ausstoß von unkontrollierbaren Endorphinen wird vom pumpenden Bass begünstigt und lässt die Sequencer zielgerichtet ins Ohr wandern. Als Gastsänger tut Jake Shears von den Scissor Sisters einiges dafür, dass es stets glamourös bleibt und der Charme dieses Tracks nachhaltig euphorisiert. „High School“ schafft dieses Kunststück erneut und lässt Tiga Sontags Stimme gradlinig die Melodie unterstützen, an der er quasi mit seinen Lippen klebt und somit die Beine durchgehend zucken lässt. Mit „Louder Than A Bomb“ (co-produziert von den Soulwax-Brüdern und Jesper Dahlbäck) sowie „Pleasure From The Bass“ schielt Tiga ohne Wenn und Aber in Richtung Clubs, was den Einsatz im Wohnzimmer zwar nicht unbedingt erschwert, doch die Toleranz der Nachbarn auf die Probe stellen kann. Denn so dringlicher Vocal-House mit Pop-Affinität lässt einem keine Wahl. Rauf auf das Parkett und die Hände nach oben!

Gewagt tastet sich der Herr aus Montreal an Nine Inch Nails´ „Down In It“ heran, welches in der Coverversion entspannt und gar freundlich erscheint, wenn da nicht der unnachahmliche Text eines Trent Reznors im Weg stehen würde. Die Sounds sind zwar mystisch und dunkler gehalten als es bei Tiga ansonsten der Fall ist, doch dieses ausdrucksstarke Original ist für ein Cover dieser Art nicht wirklich zu empfehlen. Ebenso in Kooperation mit Soulwax und dem Schweden Jesper Dahlbäck ist die zweite Coverversion dieses Albums entstanden - „Burning Down The House“ von den Talking Heads. Die Dynamik des Originals ist wunderbar eingefangen und mit "I´m An Ordinary Guy" hat Tiga die Textzeile im Gepäck, die nun beileibe nicht auf seine Originalität und nie enden wollende Umtriebigkeit bezogen sein kann. Sein erstes Artist-Album ist weit vorn dabei, wenn man sich an modernen Sounds elektronischer Popmusik laben möchte und so der persönlichen Lethargie anspornende, harmoniegeladene Songs entgegen setzt.

Anspieltipps:

  • Brothers
  • High School
  • You Gonna Want Me
  • Louder Than A Bomb
  • Pleasure From The Bass
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