Rotifer - Before The Water Wars - Cover
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Rotifer Before The Water Wars


  • Label: Survival Of Defeatist
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Große Namen können in Verbindung zum Release des neuesten Werkes von FM4-Langzeitinventar Robert Rotifer vernommen werden und diesmal sogar nicht nur rein musikalischer Natur. Das Superlativ-Denken, das sich in den letzten Jahren in den Presseinfos seuchenartig ausgebreitet hat, nimmt nun größere Ausmaße an. Es genügt nicht mehr den Künstler über den grünen Klee zu loben, sondern (sollte sich die Gelegenheit bieten) es werden nun auch geographische Komponenten mit einbezogen. Den Umzug, den der aus Österreich ausgewanderte vollzogen hat, bietet sich ja schließlich auch auf dem Silbertablett an. Rotifer ist nämlich weg von der überteuerten Zweitheimat London in das düstere Canterbury gezogen und dann dürfen Namen wie Geoffrey Chaucer, Robert Wyatt und Kevin Ayers natürlich nicht fehlen.

Anders als z.B. bei Chaucer handelt „Before The Water Wars“ allerdings nicht von höfischer Liebe, Verrat und Habsucht, sondern hat vielmehr ein politischeres Thema: Ressourcenknappheit. In Zeiten von verstärktem Einsatz des Shareholder-Values und immer profitorientierteren, kurzsichtigen Handlungen von Unternehmen, genügt es nicht, diese Angelegenheiten stillschweigend hinzunehmen, denn es muss etwas gegen die „Vermengung von Energiekrisen, globaler Erwärmung und Machtpolitik“ getan werden.

„Before The Water Wars“ als politisches Konzept anzusehen würde dem 36-jährigen Wiener gefallen. Nicht umsonst hat er sich auf seinem dritten Album einer gänzlich anderen Herangehensweise bedient: „Zum ersten Mal bin ich ein Album angegangen fast wie ein Journalist. Statt mit einem inspiriertem Satz oder einem Bild anzufangen und sich dann assoziativ weiter treiben zu lassen, habe ich mir für jeden Song ein Thema vorgenommen, bevor ich zu schreiben anfing. In letzter Zeit habe ich wieder viel Randy Newman gehört. Seine Ökonomie der Pointe – so was habe ich angestrebt.“ Dass dieses Streben schon auf äußerst prominentes Feedback gestoßen ist, zeugt von der handwerklichen Kunst Rotifers, der es versteht trotz altbekannter Akkorde durch seine Texte den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Nick McCarthy (Franz Ferdinand) kommentiert „Before The Water Wars“ unter anderem als „Rotifers Abrechnung mit London, mit der ganzen walvergiftenden Scheiße, die aus dieser Stadt kommt. Und doch ist sie so wunderbar wenn man sich nicht ersaufen lässt. Und Robert The Rott weiß dies nur zu genau. Die Musik hört sich für mich an wie "Belle and Sebastian" in Ziggy-Outfits. Eine wunderbare Sixties-Country-Melodie im Vordergrund und im Hintergrund fünf schwule englische Cowboys, die zur Jagd blasen.“

An der Eingliederung von ländlicheren Klängen ist wohl auch der Umzug schuld und die düstere Grundstimmung der meisten Stücke inklusive dem gedrosselten Tempo sind wohl auch Anzeichen dafür. Gerade einmal „Schengenländer Die!“, „No guns, no numbers“ und das instrumentale „Shambles Grove revisited“ bieten einen leicht erhöhten Adrenalinspiegel und sind so auf das Album verteilt, damit es nicht gänzlich zum Stillstand kommt. Viel musikalisches Neuland wird auf Rotifers drittem Werk nicht betreten. Das verhindert die monotone Grundrhythmik der meisten Songs und die stellenweise gewöhnungsbedürftige Stimme des Wieners, der z.B. in „How green I was“ alles daran setzt den Ton zu treffen und letzten Endes nicht mehr zustande bringt als den Song zugrunde zu richten (vielleicht lag das auch nur an der kurzen Einspielzeit innerhalb von 24 Stunden?), da das geschulte Ohr gegen solche stimmlichen Eskapaden einfach nicht gewappnet ist. Dennoch kann eine Verbesserung zu den Vorgängern „A Different Cup Of Fish“ (2001) und „Shambles Grove“ (2004) vernommen werden. Lassen einen solche Patzer kalt und befindet man sich nicht unbedingt auf der Suche nach frischen, unverbrauchten Melodien, dann sollten Fans von Bright Eyes und Ryan Adams „Before The Water Wars“ mal ein Ohr leihen.

Anspieltipps:

  • I´ll Be In Your Song
  • The Call Of The Swine
  • Shambles Grove Revisited
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