Taking Back Sunday - Louder Now - Cover
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Taking Back Sunday Louder Now


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Während andere in diesem Alter ihre Karriere erst noch ins Laufen bringen müssen, sind Taking Back Sunday bereits am Ziel aller Träume. Von ihrem Debütalbum „Tell All Your Friends“ (2003) wurden seinerzeit ganze 500.000 Einheiten verkauft. Das Spektakuläre daran? Während bei anderen Künstlern Promotion-Agenturen die Strippen im Hintergrund ziehen, spielte sich die Propagandaarbeit für Taking Back Sunday live und im Vorprogramm von Bands wie At The Drive-In oder dem Alkaline Trio ab. Sie tourten die Staaten rauf und runter, die emotional-energetische Musik der fünf Amerikaner fand immer mehr Anhänger und so kam der Rest von ganz allein. Das erste Demo des Quintetts landete durch einen glücklichen Zufall auf dem Tisch eines „Victory Records“-Mitarbeiter und schon bald zierte man die Titelbilder einschlägiger Musikmagazine und kassierte Lobeshymnen en masse.

Heute spielen Taking Back Sunday nicht mehr im Vorprogramm anderer Bands. Vielmehr kloppen sich junge Acts regelrecht darum, einmal mit ihren Idolen auf der Bühne stehen zu dürfen. Warum? Taking Back Sunday sind nicht nur sehr erfolgreich, sie sind auch einer der wichtigsten Wegbereiter der wohl derzeit größten Rockmusikbewegung. Kurz gesagt: Sie sind die Superstars der Emo-Szene!

Zwei Jahre sind seit ihrem Zweitwerk „Where You Want To Be“ vergangen. Aber die Band macht genau da weiter, wo sie aufgehört hat. „Louder Now“ knüpft perfekt an seinen Vorgänger an: Die Band verschmilzt einmal mehr eingängige Schrammelriffs, mit unbeschreiblichem Groove und hymnenartigen Hooks, zu einer Melange, wie sie nur die Band um Sänger Adam Lazzara zusammenbrauen kann. Jeder Song ist ein kleiner Hit, jede Melodie bleibt umgehend haften und jeder Rhythmus geht sofort in Mark und Bein über. Aber, liebe Leute, das kennen wir doch alles schon. Jeder Twentysomething mit einem Faible für Rockmusik hat mindestens 15 Alben im Regal stehen, die genauso klingen. Vor ein paar Jahren war dieser Mix aus zuckersüßen Melodien, hartem Riffing und poppigem Gesang mit Hit-Affinität vielleicht noch neu und wegweisend, mittlerweile handelt es sich dabei nur noch um ein Inflationsprodukt, das junge Bands heutzutage an jeder Ecke anbieten.

Im Aufschwung Taking Back Sunday ist „Louder Now“ die Konjunkturkrise, der musikalische Börsencrash, die Degradierung durch sich selbst. Vergleicht man „Louder Now“ mit seinen Vorgängern, zieht der Neuling eindeutig den schwarzen Peter. Der mitreißende, mehrstimmige Gesang der älteren Werke ist einem polystimmlichen Dahinschmachten gewichen, die Gitarrenarbeit klingt flach und temperamentlos, die Smash-Hits vergangener Tage machen Platz für den tonalen Einheitsbrei; und dort, wo ein Song wie die Singleauskopplung „Make damn sure“ den Höhepunkt eines Albums markiert, war es früher eben die ganze Platte.

„Louder Now“ klingt einfach zu simpel, zu glatt, und zu stromlinienförmig. Ganz einfach zu kommerziell. Die Radio- und Fernsehsender wird es freuen. Diese können die Band nun endlich mit gutem Gewissen in ihr Format aufnehmen und einen neuen Platz im Trendzug besetzen. Alle anderen – und vor allem der anspruchsvollere Hörer – werden von dieser Scheibe wahrscheinlich enttäuscht sein. Auch nicht schön ist, dass auf dem Album ein Song untergebracht wurde, der vor einem Jahr (aber in einer anderen Fassung) bereits auf dem „Fantastic Four“-Soundtrack zu finden war. Klar ist „Error operator“ ein starker Song, aber wer bei Taking Back Sunday auch nur ein bisschen am Ball geblieben ist, kennt das Stück mittlerweile in- und auswendig.

Von vielen wird die Veröffentlichung des neuen „Taking Back Sunday“-Albums zelebriert, als würde ein vierter Herr der Ringe anlaufen: „Der Herr des Emo - Die Rückkehr der Könige“. Nur diesmal fliegt der gute Gollum eben nicht ins heiße Lavabad. Freunden altbewährter Schemata sei dieses Album ans Herz gelegt. Wer die Fähigkeit zur Entwicklung bevorzugt, sei geraten, zu den Vorgängeralben zu greifen.

Anspieltipps:

  • Spin
  • My blue heaven
  • Error: Operator
  • Make Damn Sure
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