Jewel - Goodbye Alice In Wonderland - Cover
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Jewel Goodbye Alice In Wonderland


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Es mag spießig klingen, aber Jewel macht auf „Goodbye Alice In Wonderland“ genau das, wofür ihre Fans sie lieben.

Okay, ein Versuch war’s wert. Aber am Ende ist das Experiment „0304” dann doch grandios gescheitert. Auf besagtem 2003er Album wollte sich Fräulein Kilcher neu erfinden, mit elektronischer Tanzmusik die Charts stürmen und den Männern mit erotischen Videoclips die Köpfe verdrehen. In der Tat drehten sich irgendwann die Köpfe, aber nicht wegen einer lasziv durchs Bild tänzelnden Jewel, sondern wegen donnernden Dancebeats, die jegliche Melodieansätze platt zu walzen drohten und kaum etwas vom grazilen Folkpop der Singer/Songwriterin aus Utah übrig lassen mochten.

Nicht ohne Grund bemüht sich Jewel nun auf ihrem neuesten Album „Goodbye Alice In Wonderland“ um eine Old-School-orientierte Produktion und Songs, die deutlich näher an ihren Wurzeln liegen. Zwischen 400 und 500 hat sie davon nach eigenen Angaben auf Halde liegen. Davon kamen drei live erprobte Stücke auf das Album („Passing time“, „1.000 miles away“, „Stephenville, TX“), ebenso das von „0304“ bekannte „Fragile heart“, das völlig überarbeitet eine zweite Chance erhält, sowie neun weitere Songs, an denen u.a. Songschreiber John Shanks (Liz Phair, Hilary Duff, Lindsay Lohan, Ashlee Simpson) mitgearbeitet hat, der in letzter Zeit durch mittelprächtige Kollaborationen, als durch Hits aufgefallen ist. Co-Produziert hat Rob Cavallo (Green Day, The Goo Goo Dolls, Jawbreaker, Fleetwood Mac), der Jewels Sound-Vorstellungen am nächsten kam.

Die 31-Jährige geht nicht zu den reduzierten Akustikklängen ihrer Anfangstage zurück – dazu hat die Produktion von Rob Cavallo einfach zuviel Wucht – knüpft aber mit den 13 Songs an ihr unglaubliches Talent für wunderbare Melodien an, die sich nicht wie Sirup über das Kleinhirn legen, sondern aufgrund kleiner musikalischer Winkelzüge und den geschickt verpackten Geschichten in Jewels Lyrics langsam, aber nachhaltig für Wirkung sorgen. Deshalb drosselt sie ganz bewusst das Tempo, um (noch) mehr Text in den Liedern unterbringen zu können, so zu hören im walzerartigen „Good day“. Ein absolutes Paradebeispiel dafür ist auch der Titeltrack, der sich völlig untypisch für eine Singleauskopplung auf sechs Minuten ausdehnt und mit einem grandiosen Refrain daherkommt, der erst auf den zweiten Blick richtig hängen bleibt.

Es mag spießig klingen, aber Jewel macht auf „Goodbye Alice In Wonderland“ genau das, wofür ihre Fans sie lieben. Vorbei sind die Dance-Experimente und allzu freizügiges Auftreten, auch wenn „0304“-Kumpan Lester Mendez (Shakira, Santana, Dido) erneut mitwirkte („Drive to you“). Jewel anno 2006 klingt richtig rockig („Only one too“), mitreißend fröhlich („Words get in the way“) und schlicht erwachsener („Last dance rodeo“), was ihr ganz fabelhaft steht. Im Booklet verrät Jewel, dass das vorliegende Album mit seinen persönlichen Songs und Texten die logische Fortsetzung von „Pieces Of You“ (1995) ist. Das stimmt. Mit vertonten Lebensgeschichten wie z.B. „Stephenville, TX“ liefert die Songschreiberin ganz großes Kino ab und kehrt damit in den sicheren Hafen ihrer eigentlichen, herausragenden Talente zurück. Danke dafür!

Anspieltipps:

  • Good day
  • Stephenville, TX
  • Again and again
  • Words get in the way
  • Goodbye Alice in wonderland
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