Photonensurfer - Neue Weltordnung - Cover
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Photonensurfer Neue Weltordnung


  • Label: Motor Music/WEA
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Dirk Jahrens, geboren in Ost-Berlin, zog nach seiner Jugend in der DDR mit seinem Kumpel Thorsten Rehmet in das Vereinigte Königreich und sog die englische Musikkultur in sich auf. Getrieben von den neuen Eindrücken fanden die Beiden in London Kontakte zu verschiedenen Bands und gaben sich dem musikalischen Traum hin. Nahezu kam es zu einem Deal mit Mute Records, der jedoch platzte und sie bei einer Indiefirma unterschrieben ließ. Dieser gingen allerdings die finanziellen Mittel aus, doch der Traum blieb. Mittlerweile wieder in Berlin, baute Dirk ein kleines Studio auf und schrieb ein halbes Jahr nichts anderes als Songs, dieses Mal in seiner Muttersprache Deutsch. Zusammen mit Thorsten Rehmet (Gitarre, Co-Songwriter), Dominik Henn (Bass) sowie Tom Wischer (Drums) gründete der Sänger und Songwriter die Photonensurfer. Als Support für Elbow auf deren Deutschlandtour im Dezember 2005 präsentierten sie sich auf den Bühnen und legen nun das Debüt „Neue Weltordnung“ nach, welches von Ronald Prent in den belgischen Galaxy-Studios in Form gebracht wurde.

Im soliden Indierock-Kontext ertönt der Opener „Sterne“. Die Gitarre gibt sich treibend und wird im Refrain von verschrobener Eleganz durch wuchtige Drums sowie den drängelnden, leicht theatralischen Gesang von Dirk Jahrens übertönt. Durchaus nett anzuhören ist auch der Titeltrack, welcher etwas differenzierter mehr Wohlklang erzeugt und dennoch die gleiche Machart an den Tag legt. Es rockt mit poppiger Attitüde und die Texte sind voller Nachdenklichkeit, doch mehr als solide kann man diesen Auftakt nicht nennen. Deutlicher tritt die Schönheit bei dem langsameren Stück „Ich Glaub An Dich“ zu Tage. Hier zeigt die zerbrechliche Songstruktur, wie viel Gefühl die vier Herren offenbaren können, wobei der Text etwas platt den Zusammenhalt zweier Menschen thematisiert und mit Deutlichkeit zeigt, dass die deutschsprachige Lyrik in der Popmusik so manches Fettnäpfchen nahezu unbezwingbar macht. Schöne Gitarrensounds punkten als Ausgleich zum textlichen Drahtseilakt in „Nicht Für Mich“. Gelungene Breaks sammeln Kraft für energiegeladene Passagen, die durchaus als Höhepunkt dieser Scheibe zu werten sind. Die Stimme von Dirk wird mit Hall verfeinert und ist als reines Instrument prächtig, wenn nicht die Umschreibungen von unpräzise gehaltenen Thematiken des Öfteren zum Schmunzeln einladen würden. Musikalisch überzeugt auch „Dagegen“, das beschwingt zu Werke geht und an Breakbeat angelehntes Schlagzeugspiel serviert, so dass ein Zucken im Bein nicht als befremdend wahrgenommen werden sollte. Das melancholische „Zu Dir“ lässt ganz ohne Schmunzeln träumen und in Erinnerungen schweifen. Harmonisch gesellen sich zum ruhigen Bandsound Violinensounds und runden somit eine Ballade ab, die man gern öfter auflegt.

Wenn schon nicht das komplette Album als großartig bezeichnet werden kann, so sind es zumindest einzelne Songs wie das oben genannte „Zu Dir“, die vollends begeistern und das Gesamtwerk knapp vor dem Durchschnitt retten. Zu oft finden sich handelsübliche Rocksongs und naive Texte auf dem Longplayer wieder, der somit für den Musikhörer nicht von allzu großer Relevanz sein dürfte.

Anspieltipps:

  • Nicht Für Mich
  • Dagegen
  • Zu Dir
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