Toto - Falling In Between - Cover
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Toto Falling In Between


  • Label: Frontiers/Soulfood
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Diese LP schaffst es eindrucksvoll zu vermitteln, dass hier absolute Profis am Werk sind.

Die amerikanischen Rockdinos von Toto haben einiges aufzuholen. Nicht nur dass sie mit dem Titel ihres 12. Studioalbums „Falling in between“ den Kritikern endlich erklären wollen, dass ihre Musik von ihnen jahrelang missverstanden wurde, die all die Jahre hindurch zwischen gängigen Trends angesiedelt war und nicht ihnen folgte, sondern auch die alten und neuen Fans sollen zusammengetrommelt werden um wieder an alte Erfolge anzuknüpfen, die in letzter Zeit eher rar waren. Schließlich liegt der letzte veredelte Longplayer 20 Jahre zurück (Gold mit „Fahrenheit“ 1986 und 1984 mit „Isolation“) und um wieder in die Nähe von Platin (das selbstbetitelte Debütalbum „Toto“ von 1978 wurde dieser Ehre zuteil) oder gar Doppel-Platin (1982 mit „Toto IV“, das unter anderem auch mit sieben Grammys ausgezeichnet wurde) zu kommen liegt den letzten Verkaufszahlen nach ein ganz schön langer Weg. Umso besser dass Gründungsmitglied und Sänger Bobby Kimball seine Drogensucht überwunden hat und 1999 zur Besetzung um Steve Lukather (Gitarre), David Paich (Keyboard), Mike Porcaro (Bass) und Simon Phillips (Schlagzeug) zurückgefunden hat, denn mit seiner markanten Stimme werden noch bis heute die Überhits „Africa“, „Rosanna“ oder „Hold the line“ identifiziert. Ein sechstes Mitglied namens Greg Philinganes gibt es seit letzten Jahr allerdings noch zusätzlich im Bunde, der als zweiter Keyboarder und Backgroundsänger fungiert.

Somit steht der Rückeroberung der weltweiten Charts nichts mehr im Weg, zu mal „Falling in between“ mit den Weichspüleroutputs der letzten Dekade nicht mehr viel am Hut hat und sich konsequent auf die Stärken beruft, von denen die Spielfreude der einzelnen Mitglieder als eine dieser am Stärksten in den Vordergrund tritt, sodass es eine Freude ist dem Schlagabtausch der Instrumente beizuwohnen. Das wird im beachtlich harten Opener „Falling in between“ nicht nur durch die Gitarrenriffs oder dem flotten Schlagzeugspiel hörbar, sondern auch durch die aggressiv und knackig vorgetragenen Lyrics von Kimball. Dies wird in „Dying on my feet“ fortgeführt und bekommt in „Bottom of your soul“ zusätzlich einen wunderbaren Refrain in altbewährter, mehrstimmiger Toto-Manier hinzu. Der solide Pop-Rocker „King of the world“ leitet dann über zu einem weiteren Kracher in Form von „Hooked“, dessen Hookline (wie sollte es bei diesem Titel auch anders benannt werden?) wahrhaftig einen unwiderstehlichen Widerhaken in sich trägt, der ohne Vorankündigung in der U-Bahn, im Auto oder sonst wo losbrechen kann. Mit „Simple life“ verharren die Sechs kurzzeitig in einer Midtempo-Ballade, bevor danach der verspielte Aufruf „Taint your world“ erklingt. Eher durchschnittlich gebärdet sich „Let it go“ und an „Spiritual man“ könnte sich der eine oder andere Hörer die Finger, Pardon, die Ohren verbrennen, denn hier mischen die werten Herren Gospelelemente mit dazugehörigem christlichem Bekenntnis – ein musikalisches Wagnis, dem möglicherweise nur wenige altbackenen Fans folgen können. Letztendlich schließt „Falling in between“ mit „No end in sight“, das anfänglich verhalten beginnt, sich aber zusehends steigert und einen stimmungsvollen Abschluss bietet.

Ein Album von Toto zur Gänze objektiv zu bewerten ist relativ schwer, deswegen kann eine unvoreingenommene Wertung über die vorliegenden zehn Tracks nur bis zu einem gewissen Grad erfolgen. Die einen (zum größten Teil die Kritiker) werden mit ihnen noch immer nichts anfangen können und auch „Falling in between“ als langweiliges Mainstream-Gedudel abstempeln ohne sich ausreichend damit auseinandergesetzt zu haben und die anderen (zum größten Teil die zahlreichen Anhänger) werden nicht nur wegen der großartigen Leistung aller in Huldigung und Schwärmerei ausbrechen, sondern auch um sich der gegenteiligen Meinung zur Wehr zu setzen. Dass beide Parteien in vielerlei Hinsicht Recht haben, werden diese der anderen gegenüber wohl nie zugeben. Eins muss zu Totos 12. Studiowerk allerdings noch gesagt werden: „Falling in between“ mag anspruchslos, ohne Höhepunkte oder einfach nur langweilig sein, aber diese LP schaffst es eindrucksvoll zu vermitteln, dass hier absolute Profis am Werk sind, die bald 30 Jahre gemeinsam Musik machen und es verstehen Melodien und Songs zum Besten zu geben, die einen so schnell nicht mehr los lassen.

Anspieltipps:

  • Hooked
  • No End In Sight
  • Taint Your World
  • Bottom Of Your Soul
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