Louis XIV - The Best Little Secrets Are Kept - Cover
Große Ansicht

Louis XIV The Best Little Secrets Are Kept


  • Label: Atlantic/WEA
  • Laufzeit: 38 Minuten
Artikel teilen:
7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Wir haben es geschafft! Wir haben einen Hype verschlafen! Zugegeben, er hatte auch einen langen Weg über den großen Teich, denn Louis XIV (sprich: Louis fourteenth, nicht quatorze) kommen aus dem sonnigen San Diego in Kalifornien. Hier in Europa haben sich gerade einmal die Resteverwerter des NME dem Thema rund um Brian Karscig (Gitarre), Mark Anders Maigaard (Schlagzeug), James Edward Armbrust (Bassist) und Jason Staehler Hill (Gesang, Gitarre) ausführlichst angenommen und prompt zu den eigenen Awards eingeladen. Das wirft dummerweise ein schlechtes Licht auf die quietschfidelen Jungs, dabei haben sie im Vergleich zu manch anderer gehypter Band der letzten Monate einiges auf dem Kasten und wirken nicht wie ein Notnagel für eine Coverstory. Das fängt schon beim Background der einzelnen Mitglieder an. Jason spielt z.B. seitdem er 12 ist leidenschaftlich Gitarre und Brian entdeckte anfangs das klassische Klavier bevor er ebenfalls das Saiteninstrument wechselte. Im Bereich Inspiration werden Bands genannt, an die bei einem Durchlauf von „The Best Little Secrets Are Kept“ sowieso pausenlos gedacht wird: T. Rex, der frühe David Bowie, AC/DC, Sweet und Led Zeppelin. Besonders die Truppe um Marc Bolan hat es ihnen angetan.

Doch nicht nur musikalisch geben sich die Vier dem Glam Rock hin, auch die Outfits erinnern an die frühen Siebziger als Tranvestiten-Look, Kostümierungen und schillernde Bühnenshows weit wichtiger waren als die Musik selbst. So genau nehmen es Louis XIV dann doch nicht, ein Kajal ist allerdings immer zur Stelle. Trotz eines Altersdurchschnitts von 19,5 nehmen sie nach ihrem selbstbetiteltem und auf dem eigenen Label Pineapple Recording veröffentlichtem Debüt und zwei Kurzplatten, die sie schlicht mit „Pink“ und „Blue“ betiteln, nicht jedes Angebot der Schlange stehenden Labels an (die LP wurde bemerkenswerte 10.000 Mal gekauft), da viele nicht einwilligen Jason den Produzentenstuhl zu überlassen. Letztendlich unterschreiben sie bei Atlantic, die ihnen nach eigenen Aussagen die Freiheiten zusprechen, die sie benötigen. Als erstes wurde die EP „Illegal tender“ eingespielt, die im Januar 2005 die Plattenläden enterte, gefolgt von „The Best Little Secrets Are Kept“ zwei Monate später, dessen Cover für eine Begebenheit sorgt, bei der als Europäer geschmunzelt werden darf. Auf der Suche nach einer passenden Frontansicht für das Booklet stießen die Jungs auf ein Photo des deutschen Helmut Newton, auf dem eine Frau nackt, mit dem Rücken zum Betrachter auf einer Bank sitzt.

Dadurch inspiriert beschlossen sie etwas ähnliches und gleichsam freizügiges für ihre Zwecke zu entwerfen. Atlantic war davon alles andere als begeistert und ermahnte die Jungs „Nudity doesn´t sell well in middle America“, worauf diese entgegneten „Come on, let´s be dangerous again. Remember Roxy Music? That was awesome. Let´s do some trailblazing. Let´s put a naked girl on a cover again. Rock is supposed to push the envelope.” Als Konsens wurde das Abbild eines weiblichen Rückens, der mit der Tracklist des Albums vollgekritzelt ist, vorgeschlagen. Letzter Kritikpunkt war nunmehr der ersichtliche Ansatz des Hinterteils und so einigten sich Louis XIV und Atlantic auf ein Cover mit „ass crack“ und eins ohne. Das mit erhielt einen „Parental advisory“-Verweis und das nur wegen dem „ass crack“, denn in den Texten des Quartetts kommt eigentlich kein einziges anstößiges oder obszönes Wort vor. Somit ist „The Best Little Secrets Are Kept“ das erste Album, das diesen schwarz-weißen Kasten links unten allein aufgrund des Coverbildes hat. Die dazugehörige Platte mit ihren zehn Songs ist allerdings genauso interessant wie diese Kuriosität.

Nach einem kurzen Streicherintro legen die Jungs mit verzerrtem Gesang und kreischenden Gitarren los. „Me me me me is all i ever want to talk about” wird im Refrain des schlicht “Louis XIV” benannten Openers vernommen, was das Selbstbewusstsein der vier Kerle zusätzlich unterstreicht. Das hastige „Finding out true love is blind“, die jede Garage rockenden Songs „Paper doll“ und „God killed the queen“ bilden die Einleitung zum Höhepunkt des Albums namens „A letter to Dominique“. Was textlich an „Living next door to Alice“ („There’s a house on the block that’s empty now that Dominique’s gone) erinnert, hebt sich fingerschnippend durch die kurz angebundenen Gitarren und den bezaubernden Rhythmus hervor. „Pledge to allegiance“ erinnert dann etwas an Nummer zwei, setzt die Lachfalten aber durch etwas, dass als Stöhnen bezeichnet werden kann und dem anzüglichen Text mit Passagen a la „She said oh come on boy aren't you tired of talking about sex / I said little girl what do you really expect“ oder „I love to feel you sweat / We don't have to go to the pool / If you want me to make you wet” in Bewegung. Beim vorletzten Track „All the little pieces“ blitzen kurzzeitig die Beatles auf und „Ball of twine“ versucht sich als gemächlicher Rausschmeißer, der ein paar Anleihen zum Psychedelic Rock in sich birgt.

Louis XIV haben die Zeitmaschine angeschmissen und versetzen uns mit „The Best Little Secrets Are Kept“ 30 Jahre in die Zeit zurück. Wie erfrischend ist das, wenn ein jüngerer Act nicht nach Wave-Pop oder Retro-Rock im Stile von Maximo Park oder Franz Ferdinand klingt, um auf der gerade angesagten Welle mitzuschwimmen? Auf jeden Fall belebender als viele „The“-Bands, die in den letzten 5 Jahren aus dem Boden gesprossen sind, zusammen, denn gegen den Strom schwimmen kann Spaß machen, wie vorliegende CD beweist. Abwechslung wird in einigen Songs zwar vermisst („Illegal tender“, „Hey teacher“, „Paper doll“), doch zum Abtanzen reichen diese Stücke allemal. Außerdem bescheren uns die Vier seit der Einführung des „Parental advisory“ die süßeste Versuchung seit es diesen Warnhinweis gibt.

Anspieltipps:

  • Finding Out True Love Is Blind
  • A Letter To Dominique
  • All The Little Pieces
  • Illegal Tender
Neue Kritiken im Genre „Glam-Rock“
1/10

We Won´t Hurt You (But We Won´t Go Away)
  • 2010    
4/10

Collections
  • 2008    
Diskutiere über „Louis XIV“
comments powered by Disqus