Morrissey - Ringleader Of The Tormentors - Cover
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Morrissey Ringleader Of The Tormentors


  • Label: Sanctuary Records
  • Laufzeit: 50 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Morrissey beweist einmal mehr, dass einen Künstler eben doch mehr ausmacht, als eine schlechte Frisur, Totenkopfhemdchen und ausgelutschte Phrasen.

Genau 24 Monate, 730 Tage und 17.520 Stunden mussten wir warten und nun ist er endlich wieder zurück. Der Berufszyniker, der Ausnahmekünstler, der Außenseiter, der Passionsmusiker, der Selbstgerechte, der Vollblutvegetarier, der Bierstubenpoet, der Mann, dem die Schwermut einfach so aus dem Stift gleitet und trotzdem soviel Trost zu spenden hat – Steven Patrick Morrissey oder einfach nur Morrissey.

„Ringleader Of The Tormentors“ heißt sein mittlerweile achtes Studiowerk und es ist wieder einmal ein musikalischer Expressionismus, wie ihn nur dieser Mann in Szene setzen kann. „Nobody knows what human life is“, diese Worte eröffnen ein Platte, wie man sie sich von Morrissey gewünscht hat. Düster, miesepetrig und anprangernd. Ein Weckruf an die schlummernde Gesellschaft, die schüchternen Politaktivisten und die zornigen Naivlinge, welche noch nicht wissen, wohin mit sich selbst. Reckt die Faust gen Himmel, versammelt euch in den Straßen, die passenden Parolen liefert Morrissey mit „Ringleader Of The Tormentors“. Midtempohymnen voller Liebe, Sex und Gewalt. Politik, Nihilismus und Religion, Fragmente eines zwischen sich selbst zerrissenen Charakters. Typisch Morrissey eben.

Doch was erwartet den Hörer musikalisch? „Ringleader Of The Tormentors“ knüpft genau da an, wo der Vorgänger „You Are The Quarry“ endete. Zerbrechliche Melodien im Gewand unermesslicher Melancholie, irgendwo zwischen Britrock und Darkpop. Ein Stück musikalische Kunst, ein Fels in einer langen Karriere, ein Fundament, auf dem noch andere Künstler bauen werden und doch ist diese Platte wie sie nur ein Gentleman wie Morrissey in Szene setzen kann. Übersongs wie „Irsih blood, English heart“ sucht man jedoch vergebens und das ist auch gut so. Es scheint, als hätte sich der Meister mit seinen ergrauten Schläfen abgefunden, „Ringleader Of The Tormentors“ ist ein Tribut an das Älterwerden, an die Reife die man erlangt, nach fast 24 Jahren in diesem Geschäft.

Morrissey beweist einmal mehr, dass einen Künstler eben doch mehr ausmacht, als eine schlechte Frisur, Totenkopfhemdchen und ausgelutschte Phrasen. Es sind Charakter, Intelligenz und Finesse. Doch das wohl Schönste an diesem Werk ist die Tatsache, dass es jedem gefallen und inspirieren könnte. Es ist Musik für Alt und Jung, für die Zyniker und auch Hoffnungssuchenden, ein Album für die Massen. Und mit etwas Fantasie hat man sie schon vor sich, die Bilder des anarchischen Pöbels in den Straßen, Regierungen stürzend, Parlamente niederreißend, eines vor sich hinflüsternd: Der Meister ist zurück!

Anspieltipps:

  • Dear God
  • On The Streets I Ran
  • The Father Who Must Be Killed
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