Rapsoul - Unbeschreiblich - Cover
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Rapsoul Unbeschreiblich


  • Label: Gun/SonyBMG
  • Laufzeit: 56 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Frankfurter Burschen von Rapsoul starten momentan beachtlich durch, ließen die erste Single „Verzweifelt“ auf Platz 25 der Media Control Charts einsteigen und konnten sich 2005 als Support der Backstreet Boys vor insgesamt 100.000 Menschen behaupten. Noch vor dem Erscheinen des Debütalbums „Unbeschreiblich“ wurden sie von den Lesern der Jugendzeitschrift für den Bravo-Otto nominiert. Damit dürfte auch sogleich die Zielgruppe ausgemacht sein, denn so manch billiger Text kann nicht ernsthaft Leute ab 20 Jahren aufwärts bewegen, zu klischeetriefend und vermeintlich „cool“ gibt sich das Trio, bestehend aus Sänger CJ Taylor und den beiden Rappern Steve sowie Jan, in ihren Tracks zwischen Mama, Polizeieinsatz und der grauen Seite eines „Superstar“-Lebens.

Produziert von den Nachtwandlern (u.a. Moses Pelham, Sabrina Setlur, J-Luv) aus Offenbach gibt es musikalisch nicht viel auszusetzen, aber auch wenig trägt zu Begeisterung bei. Die Songs sind griffig zwischen Clubeinsatz und melancholischen Tagträumereien anzufinden, lassen zwischendurch nette Akustikgitarren erklingen und werden durch gut positionierte Breaks spannungsvoll hochgehalten. Auch CJ Taylor macht Boden gut, wenn seine warme Stimme zwischen den Sprechgesang-Einsätzen hervorblitzt und sich zart in den Ohren platziert.

Doch bereits das Intro mit einem Telefonat zwischen zwei Freunden und großstädtischer Jugendgang-Ausdrucksweise lässt den geneigten Musiksachverständigen erblassen. Schlimmer kann es schon nicht mehr kommen, denkt man sich und lässt den eigentlichen Opener „Verzweifelt“ vor dem inneren Auge reifen. Nette Zeilen vom inneren Kampf und nicht alltäglichen Schwierigkeiten können zumindest im Ansatz Authentizität vermitteln und sind musikalisch clever arrangiert. Clever ist das Stichwort, welches immer wieder im Kosmos von Rapsoul fällt. Leichtgängige Ohrwürmer, mit wenig Tiefgang kreiert und doch unbezwingbar catchy sind das Rezept, um die Massen zu beglücken, die von der harten Attitüde eines Bushido, Fler, etc. abgeschreckt den HipHop-Pfad verlassen haben.

Pauschal wird das Tourleben als vorprogrammierte Beziehungskrise gesehen („Dramatourgie“), werden platte Liebesbeweise formuliert („Du bist mein Sonnenschein, ich lass Dich nie allein, mit Dir will ich zusammen sein – so lass uns glücklich sein, wir beide ganz allein“ aus „Sonnenschein“) und Frauen ganz im Stil von amerikanischen Rap-Videos zum Sexobjekt degradiert („Links Rechts“). In solchen Momenten ist das Kopfschütteln kein seltener Begleiter, der die zeitweise ansprechenden Elemente in Form einer partiell berührenden Instrumentierung und dem souligen, wohltemperierten Gesang eines CJ Taylor nahezu in den Hintergrund drängt. Eine Bauchlandung, die auch durch die genannten Hoffnungsschimmer nicht zu verhindern ist.

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