Zeebee - Priorities - Cover
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Zeebee Priorities


  • Label: Monkey Music/Broken Silence
  • Laufzeit: 53 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„Good evening ladies and gentleman! Heute möchten wir ihnen eine bezaubernde Dame vorstellen, die mit ihrer Musik ihre Herzen im Sturm erobern wird: Zeebee“ – Das wäre eine wunderbare Einleitung für vorliegendes Album. Für diese Rezension eine nicht ganz glückliche Wahl (dazu später), aber für die darauffolgenden dreizehn Songs, die vollgespickt sind mit angenehmer Lagerfeueratmosphäre, knisternder Erotik, kindlichem Charme und verführerischer Eleganz, äußerst passend. Die Dame hinter all diesen Assoziationen ist deutscher Abstammung, fing bereits mit 5 an englische Liedtexte auswendig zu lernen, diese zu rezipieren und selber welche zu schreiben, macht gerade ihren Pilotenschein um einmal als Kunstflugpilotin den Himmel unsicher zu machen und veröffentlicht mit „Priorities“ nach „Chemistry“ (2004) ihr nunmehr zweites Solo-Album. Tatkräftige Unterstützung erhält die 40-jährige von Gerhard Potuznik, seines Zeichens Produzent in Wien, Angelika Köhlermann-Labelchef und eifriger Bastler an seinem eigenen Projekt GD Luxxe, dessen neuestes Werk „Make“ ebenfalls demnächst den gut sortierten Plattenladen entern wird. Alle Texte, mit Ausnahme der zwei Coverversionen „A tisket a tasket“ und „Fever“, stammen aus der Feder von Zeebee, Potuznik war für einen druckvollen Sound zuständig. Vorab kann gesagt werden, dass beide eine gute Leistung abgelegt haben, wenn auch ein paar Schnitzer dem sonst freudigen Hörgenuss hin und wieder Steine in den Weg legen.

Der Auftakt ist schon mal äußerst schwungvoll mit Big-Band und mitreißendem Rhythmus besetzt und als Zeebee einsetzt manifestiert sich ein Bild eines gut besuchten Nachtclubs mit gespannt lauschender Menge vor dem inneren Auge. So einen fulminanten und gewagten Beginn gab es in dieser Weise schon länger nicht mehr auf einer Platte zu hören. Weiter geht es mit einer verspielten Flamenco-Gitarre und bassbetonterem Klang, der in „Priority“ die cocktailschlürfenden Gäste zum Tanzen einlädt, in „Sweetness“ etwas zurückgenommen wird um der filigranen Melodie Platz zum Atmen zu geben und in „A tisket a tasket“ in Form von Dancehall Reggae zurückkehrt um den Tanzwütigen den Schweiß in die Augen zu treiben. Danach schaltet „Sticks“ mehrere Gänge runter, gibt eine sehnsüchtige Melodie preis und verharrt für das lasziv gehauchte „Sunday morning“ in derselben lauschigen Downtempo-Attitüde. Mit der Textzeile „And as I rub my nipples and as I suck your fingers / I might as well just lick them“ sorgt Zeebee für ein wohliges Gefühl und einen Satz heißer Ohren beim Hörer und liefert gleich darauf die Verschnaufpause in „Jeff´s Disco“.

Dieser Track bedeutet auch schon das Ende des bisherigen lustvollen Vergnügens, das durch die beinahe durchgehende Monotonie des Stückes angekündigt wird. „Cards & signs“ zündet aufgrund der schleppenden Umsetzung einfach nicht, „My sunny friend“ und „Free now“ warten nur mit der Idee einer Melodie auf und hätten durchaus etwas mehr Pep vertragen und das Cover „Fever“ ist zwar souverän vorgetragen und weiß zu begeistern, leidet allerdings durch die zig-fachen Interpretationen verschiedenster Künstler (Madonna, Joe Cocker, Elvis Presley, Michael Bublé, Beyoncé Knowles, sogar einen eigenen Sampler gibt es der 17 (!!) unterschiedliche Versionen auf einer CD eint) an fehlender Einzigartigkeit. Etwas mehr Spaß macht „Cartoonboom“, das beinahe in rockige Gefilde abdriftet und in dem der Text („“I am in love with my car / Got a feeling for my automobile“) nur als Mittel zum Zweck dient. Zum Schluss verwandelt sich Zeebee wieder in den weiblichen Sean Paul und lässt in „Attempted suicide“ die Hüften kreisen.

„Wenn ich singe, befinde ich mich dort, wo es dunkel und dicht ist. Meine Stimme arbeitet wie das Werkzeug eines Minenarbeiters. Ich bohre mich durch Masse und berühre scheinbar Undurchdringliches. Ich reibe mich an der Musik, bis es heiß wird, bis alles nachgibt. Und manchmal ist da am Ende Licht.“ „Priorities“ ist wahrhaftig ein Album, das mit dem Begriff Dualität umzugehen weiß. Sei es der Wechsel zwischen schnellen, treibenden und ruhigeren, zärtlichen Songs oder die Einbindung der unterschiedlichsten Stilrichtungen – Formal betrachtet ist Abwechslung gegeben. Das Problem ist die Abnutzung der Ideen durch ständige Repetition, der fehlende Funke, der die Tracks ab der Mitte zu lästigen Lückenfüllern verkommen lässt. Somit hört man immer wieder gerne die sehr starke erste Hälfte und pickt sich danach nur mehr einzelne, vom jeweiligen individuellen Gesichtspunkt betrachtete Songs heraus. Aus diesem Grund eignet sich die verfasste Einleitung auch nur bedingt als Appetizer, da „Priorities“ nun mal kein Meisterwerk ist, aber sich beim Hören der Platte unweigerlich das Bild eines gemütlichen Abends in einer Cocktailbar aufdrängt, auf dem die gleich auftretende Sängerin, die stellenweise verblüffende stimmliche Ähnlichkeiten mit Annett Louisan hat, in dieser Art und Weise dennoch treffend angekündigt werden könnte.

Anspieltipps:

  • Sticks
  • Sweetness
  • Zeebee Case
  • Sunday Morning
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