Sparks - Hello Young Lovers - Cover
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Sparks Hello Young Lovers


  • Label: Essential/Rough Trade
  • Laufzeit: 52 Minuten
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Dass die Sparks gewagt an vorgegebene Muster herangehen, ist keine Überraschung und verdient Respekt.

Mittlerweile sind die Brüder Ron sowie Russell Mael bei ihrem zwanzigsten Album angekommen und werden noch immer nicht müde, der Welt ihre ganz eigene und extrovertierte Art von Popmusik zu offenbaren. Der Electro-Pop, der den Sparks z. B. mit „When Do I Get To Sing My Way“ großes Airplay verschaffte, ist seit geraumer Zeit in die Geschichtsbücher gewandert. Seitdem die Brüder im Jahr 2002 mit „Lil´ Beethoven“ neun Miniopern vertont haben, ist die Schlucht zwischen vergötternden Anhängern und verstörten Musikenthusiasten noch größer geworden. Die Sparks sehen sich als Kunstprojekt, in dem vermeintliche Grenzen keinen Platz haben und auch der Song an sich stark in den Hintergrund rückt. Als einzige Inspiration diente Ron und Russell Mael der Ansporn, genau in die entgegen gesetzte Richtung der aktuellen Popformate zu drängen und Regeln, die sie mit dem Vorgänger noch gebrochen hatten, komplett zu negieren.

So startet die Reise in eine andere Welt mit dem anzüglichen Titel „Dick Around“ und überdrehten, orchestralen Momenten voller Entrücktheit. Wenn die Streicher etwas zur Ruhe kommen, zieht man alle Register von theatralischem Entertainment und bietet Pomp ohne Kompromisse. Um dem Ganzen noch den letzten Anstrich zu geben, wird es gar auf mystische, bedrückende Weise unheimlich und gestandene Gitarrenriffs formen die operettenähnliche Süße zu einem testosterongetränkten Nostalgierock in bester Spandex-Mentalität. Dieses Statement wird mit dem Titel „Rock, Rock, Rock“ auf noch plakativere Weise herausgefordert. Gesprochene Passagen spenden eine beschwörerische Dramatik, welche mit Orchestersounds und hektischen Geigen aufgeblasen in Szene gesetzt wird. Eine hochtrabende Inszenierung steht bei allen Songs klar im Vordergrund und verdrängt so die angenehmeren, atmosphärischen Stimmungen. Wenn man von einem Himmel voller Geigen spricht, meint der Hörer in diesem Fall definitiv die Hölle. Dieser Soundtrack zum künstlerischen Overkill zeigt sein diabolisches Grinsen besonders dort, wo opulenteste Fanfaren in breitbeinige Rockriffs übergehen und Ungläubigkeit in Form von Kopfschütteln den Hörer übermannt.

Dass die Sparks gewagt an vorgegebene Muster herangehen, ist keine Überraschung und verdient Respekt. Auf „Hello Young Lovers“ gehen sie erneut ein vielfaches an Schritten voran und zeigen sich so angriffslustig wie nervtötend. Es ist die Lust am Experimentieren, die den deutlichen Ausschlag gibt und noch lange nachhallt. Mit einem gehörigen Maß an Humor wird die Freude über ein solch theatralisches, derart explosives Werk groß sein. Für den gemeinen Musikfanatiker bleibt die Frage, ob man die Mael-Brüder auf dem Gebiet des Songwritings und der Ästhetik mittlerweile überhaupt noch für ansatzweise ernstzunehmend halten kann. Zu sehr greifen die Sparks nach Extremen, verfallen in Selbstverliebtheit und überhäufen uns mit ausgiebigem Bombast.

Anspieltipps:

  • Waterproof
  • Dick Around
  • Rock, Rock, Rock
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