Eels - With Strings: Live At Town Hall - Cover
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Eels With Strings: Live At Town Hall


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 63 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es handelt sich hier um einen sehr gelungenen Live-Mitschnitt, aus einem wirklich guten Konzert.

„I'm not going to make a polka album just because I can. It's not in me, not this year, anyway, and I'm not doing different things to try to dazzle the audience with my wide horizons. There's just some stuff in me that needs to come out", so Mark Oliver Everett, zu der Idee, ein Live-Konzert mit Begleitung klassischer Instrumente aufzunehmen, so wie es schon einige Bands vor Eels getan haben, denke man an das legendäre „S&M“-Konzert von Metallica. Aufgenommen wurde das Ganze im Juni 2005 in der New Yorker Town Hall.

Eingeleitet wird das Konzert durch „Blinking lights (for me)“ und „Bride of theme from blinking lights“ – sehr kurze, aber schöne und intensive Tracks, gefolgt von „Bus stop boxer“, einem melancholischen Song, in dem die Geigen zum ersten Mal zum Einsatz kommen. „Dirty girl“ beginnt mit einer akustischen Gitarre, zwischendurch spielt der Gitarrist langsame Soli ein, die vom Effekt her ein bisschen nach Country Musik klingen, was dem Song einzigartige Züge verleiht und trotz des traurigen Textes musikalisch gesehen einen Hoffnungsschimmer vermittelt. In diesem Stil ist auch „Poor side of town“ geschrieben. „Trouble with dreams“ ist ein weiterer mitreißender Song, zwischendurch geht es von der Geschwindigkeit es bisschen flotter weiter, als wir das von den ersten Nummer gewohnt sind. Am Anfang des Schlagzeugsolos und am Ende des Stücks hört man wie die Menge langsam in Fahrt kommt. Kein Wunder bei dieser Setlist!

Es geht tieftraurig weiter mit „The only thing I care about“, das mit nur knapp zwei Minuten wieder ziemlich kurz ist, aber durch die deutlich hörbaren Atempausen in dieser knapp bemessenen Zeit trotzdem eine starke Spannung aufbaut, so auch sein Nachfolger „My belovded monster“ oder „I'm going to stop pretending I didn't break your heart“ (beide doppelt so lang als die anderen beiden Songs). „Pretty ballerina“ ist von den Harmonien sehr ungewöhnlich, ein sehr stimmiger Song in dem man die Tänzerin mit geschlossenen Augen richtiggehend zu der Musik tanzen sehen kann. „It's a motherfucker“ klingt zwar durch den Titel ziemlich brutal, aber im Gegenteil, es ist klavierlastig, beschaulich und wiederum sehr melancholisch, sowie auch im späteren Verlauf des Konzerts „If you see Natalie“ und „Spunky“.

In „Flyswatter“ hören wir zuerst ein Xylophon und danach, wie in allen Stücken, sehr intensiv die Geigen. Es klingt richtig unheimlich, rätselhaft und übt eine unglaubliche Anziehung auf den Hörer aus. Die Nummer ändert mit extrem psychedelischen Gegenklängen, während man zwischendurch immer ein Akkordeon spielen hört und geht schließlich nahtlos in den Klassiker „Novocaine for the soul“ über. Diese Nummer klingt auf dem Stuidoalbum um einiges besser, als in dieser Live-Version. „Railroadman“ beginnt mit einem Gitarrensound à la Simon und Garfunkel, hat aber im weiteren Verlauf nicht mehr viel mit deren Musik gemein, es ist ein weiterer sehr hörenswerter Song in ihrem eigenen Stil.

„I don't care for walkin' downtown/Crazy auto-car gonna mow me down /Well, I like birds“ erklärt uns Sänger und Songwriter Everett schließlich in „I like birds, in dem er scheinbar seine Liebe zur Natur erklärt - weg von den vor Leuten überschwappenden Großstätten und dem Stress in die Flora und Fauna. Schließlich kommen wir zu einem in der Kunst nur allzu beliebten, depressionsgeladenen Thema in „Suicide life“,. Dieses darf auf einem von Schwermut erfüllten Album natürlich nicht fehlen, auch wenn sich sicherlich nicht jedermann damit beschäftigen möchte, weil es nur allzu sehr die Stimmung trübt. Daher geht es anschließend auch wieder etwas beschwingter mit „Losing streak“ auf dem Piano weiter, um die Menge wieder aus ihrer Lethargie aufzuwecken. „Hey man (now you're really living)“ ist einer der schwächeren Songs. Der Versuch, einen fröhlicheren Song einzubauen, ist in die Hose gegangen, was daran liegt, dass er im Vergleich zu den anderen einfach zu banal wirkt.

Es handelt sich hier um einen sehr gelungenen Live-Mitschnitt, aus einem wirklich guten Konzert. Zu bekritteln gibt es nicht viel, nur, dass Eels die aufregenden Lieder eher in der ersten Hälfte des Auftritts gespielt haben, anstatt am Schluss, was sich in umgekehrter Form bei einem Gig einfach besser bewährt hat, weil es das Publikum einfach mit einem zufriedeneren Gefühl nach Hause gehen lässt. Was auf jeden Fall fehlt ist die Hitsingle „Saturday Morning“. Es sind weitgehend weniger verzerrte Rock-Riffs zu bemerken, als auf den Studioalben. Die Songs wurden akustisch verarbeitet. Damit haben Eels etwas Neues aus ihren Liedern entwickelt. So etwas kann gut gehen, aber auch verdammt schief gehen, wenn es einfach nicht zu den Songs passt. In diesem Fall ist es gut ausgegangen. Man geht als Hörer einfach mit der Musik mit, man schwebt in ihren Sphären von Melancholie, wenn man sich darauf einlassen möchte oder überhaupt zu den Leuten gehört, die traurige Musik der Unterhaltungsindustrie vorziehen. Man kann die Musik in wenigen Worten passend beschreiben: wunderschön und berührend!

Anspieltipps:

  • Bus Stop Boxer
  • Dirty Girl
  • Trouble with Dreams
  • Pretty Ballerina
  • Flyswatter
  • I like Birds
  • If you see Natalie
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