Amber Smith - Reprint - Cover
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Amber Smith Reprint


  • Label: Kalinkalan/ALIVE
  • Laufzeit: 42 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Es regnet. Schon den ganzen Tag. Die Betonblöcke wirken heute besonders grau. Zu dieser Zeit sollte man nicht mehr draußen umher laufen. Schon gar nicht allein. Das Gefühl von Trostlosigkeit steigt auf. Ein Gefühl, dass wahrscheinlich jeder kennt. Amber Smith scheinen dieses Gefühl regelrecht aufgesogen zu haben. Die vier ungarischen Musiker komponieren Melodien, die den perfekten Soundtrack für eben genannte Tage darstellen.

Nach ihrem Debüt „My Little Servant“ von 2003, melden sie sich nun mit „Reprint“ zurück. Wegweiser für die Grundstimmung des Albums ist direkt der erste Song „Chemistry/Arithmetic“. Zu den einnehmenden Melodieläufen gesellt sich der düstere, mysteriöse Text („He shouldn't have gone, it's too late to regret, he didn't even notice as she quietly passed”). Song zwei verspricht vom Titel her einen Stimmungswechsel, doch „Hello sun“ birgt ebenfalls eine große Portion Melancholie. Mit Liebeskummer leidet man bekanntlich am intensivsten, klar, dass auch dieses Thema von Amber Smith behandelt wird. In „Sea eyes“ verpackt Sänger und Songschreiber Imre Poniklo diesen Schmerz besonders passend („Kill all the poets, and throw all their useless books away, because love really hurts“). Das streicherlastige „Identity“ wirft Fragen auf. Erstens: Warum hat der Song nur zwei Textzeilen? Und zweitens: Was will uns Poniklo mit diesen Zeilen sagen („I see the beauty of your brown eyes, of your yellow eyes“)? Der gleichnamige Titel zum Album lässt am Ende dann nach all dem Kummer so etwas wie Hoffnung aufglimmen („Remember this, and learn to see: Life is a masterpiece“). Doch dieser Schimmer erlöscht schnell wieder, als das nächste Lied erklingt, melancholie-getrunken.

„White“ ist eine Ballade, hier wird ein neue Komponente besungen, die Natur, verbunden mit Liebe und Traurigkeit. Spätestens hier stellt sich zum ersten mal die Frage, was man den Herren denn Gutes tun könnte, um sie von ihrem Leiden zu erlösen. Auch „July“ und „Kaleidoscope“ schöpfen aus so viel Traurigkeit und Verzweiflung, dass man kaum noch glauben kann, wie ein einzelner Mensch so viel Schmerz ertragen und fühlen kann. Man befindet sich dann an der Gabelung zu den Feststellungen, dass a) das eigene Leid ein Lacher dagegen ist und man sich besser fühlt oder dass b) das eigene Leid perfekt in das von Amber Smith passt. Bei Variante b) könnte eine Art Therapie-Stimmung entstehen, denn man fühlt sich verbunden, kann gemeinsam leiden und so eventuell besser über das Problem hinweg kommen. Nach einer „Reprise“ folgt „Holograms“, der letzte Trost, den die Band spendet, bevor die CD zu Ende geht. Und Amber Smith geben tatsächlich noch mal Hoffnung („Take your chance, and breathe some air“).

Wer sich von Musik nicht zu sehr runterziehen lässt und wer nicht Gefahr läuft, in naher Zukunft in seinem Kummer zu ertrinken, der kann und sollte sich einmal in die Welt von Amber Smith hineinhören.

Anspieltipps:

  • Reprint
  • Sea Eyes
  • Kaleidoscope
  • Chemistry/Arithmetic
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