Boysetsfire - The Misery Index: Notes From The Plague Years - Cover
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Boysetsfire The Misery Index: Notes From The Plague Years


  • Label: Burning Heart/SPV
  • Laufzeit: 50 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Sie sind fast schon ein Stück Musikgeschichte, die fünf Jungs von Boysetsfire. Durch ihren auffallenden Mix aus songwriterischer Finesse, einzigartigen Sounds und politischen Statements, hat die Band in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Meilenstein in Sachen „Hardcore mit Köpfchen“ gesetzt und gilt heute als eine der einflussreichsten Gruppen des Genres. Dennoch war es in letzter Zeit recht still um Sänger Nathan Gray und seine Mannen. Betrachtet man die zurückliegenden Ereignisse, verwundert dies jedoch weniger. Erst musste man sich aufgrund künstlerischer Differenzen wie einst von Victory Records nun auch vom Major Wind Up (SonyBMG) trennen und dann auch noch den Abgang von Bassist Rob Avery verkraften. So etwas zehrt natürlich an der Substanz und andere Bands hätten vielleicht das Handtuch geworfen. Nicht so die fünf Musiker aus Newark, Delaware. Mit Burning Heart Records hat man einen neuen starken Partner und mit Robert Ehrenbrand ein würdigen Nachfolger am Bass gefunden.

Um einige schmerzliche Erfahrungen reicher, aber auch intimer und emotionaler als je zuvor, melden sich Boysetsfire mit „The Misery Index: Notes From The Plague Years“ zurück. Schon die ersten Klänge des Openers „Walk astray“ spiegeln Zerbrechlichkeit und sehr viel von genannter Intimität wider. Das wunderschöne Akustikintro, lässt nachdenklich zurücksinken, in sich kehren und in dem Moment, in dem man Mr. Gray's Innerstes fast in sich aufgesogen hat, zerbricht die Band den Moment auch schon wieder mit massiven Gitarrenwänden. „The Misery Index: Notes From The Plague Years“ ist ganz klar ein Wechselspiel der Gegensätze. Auf ungewohnte Songs wie das poppige „Empire“ treffen Hardcoreboliden wie „Final communiqué“. Die extrem harten Klänge vergangener Tage sind dabei eher selten anzutreffen.

Der Neuling wird von prägnanter Eingängigkeit und poppigen Elementen – dem neuen musikalischen Bewusstsein der Band – dominiert. Tracks wie „Requiem“ oder auch „With cold eyes“ knüpfen dort an, wo alte Hits wie „My life in knife trade“ aufhörten, nämlich mit sanfteren, nachdenklicheren Tönen. Genauso verhält es sich auch mit Nathan Grays kraftvoller Stimmarbeit, die sich auf die besinnlich Töne einstellen musste. „Boysetsfire“-Hörer der ersten Stunde werden sich natürlich fragen, ob dieser Stilwandel notwendig war bzw. sich gar negativ auswirkt. Doch dem ist nicht so. Die 13 Songs wirken zu keinem Zeitpunkt gekünstelt oder aufgesetzt. Immer noch bezaubert die Band durch intelligente Arrangements, knackige Gitarrensounds und interessante Neuerungen. Dazu gehören u.a. stilistische Einflüsse wie Trompeten und Posaunen, die aus „So long and thanks for the crutches“ fast schon einen Ska-Song machen. Außerdem findet man akustische Gitarren, elektronische Sounds, Pianoklänge und sogar Streicher – wie etwa in „A far cry“, dem letzten Song des Albums.

Boysetsfire haben hat mit „The Misery Index: Notes From The Plague Years“ das Hardcore-Gewand erfolgreich abgestreift und präsentieren sich mit einer stärkeren Identität. Hartgesottene Fans wird die Scheibe wohl zunächst ein wenig abschrecken, doch keine Angst, es dauert nicht lange, um auch auf den Geschmack dieses Werkes zu kommen.

Anspieltipps:

  • Empire
  • Requiem
  • Walk Astray
  • The Misery Index
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