Beth Orton - Comfort Of Strangers - Cover
Große Ansicht

Beth Orton Comfort Of Strangers


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
8.5/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Königin des herzbrechenden Gesangs.

2005 war ein gutes Jahr für die Singer/Songwriter der jüngeren Generation. Ryan Adams hat wie angekündigt drei Alben, die wie erwartet überdurchschnittliche Kost enthielten, auf den Markt geworfen („Cold Roses“, „Jacksonville City Nights“, „29“), Bright Eyes überrascht mit seinem Doppelschlag „I´m wide awake it´s morning“ und „Digital ash in a digital urn“, Jack Johnson kann sich durch den Erfolg von „In between dreams“ über Spitzenpositionen in den Charts freuen, Aimee Mann legt das deutlich temporeichere „The forgotten arm“ vor und Katie Melua, deren „Piece by piece“ in England bereits Dreifach-Platin erhielt und James Blunt, der den Megahit „You´re beautiful“ und das dazugehörige „Back to Bedlam“ vorweisen konnte, sind ohnehin die Gewinner der vergangenen 52 Wochen. Allerhöchste Zeit, dass die verbleibenden Damen und Herren Songschreiber auch 2006 zu ihren Gunsten entscheiden können.

Einen beherzten und ruhigen Anfang macht die in Norfolk geborene Beth Orton, die nach „Trailer Park“ (1996), „Central Reservation“ (1999), „Daybreaker“ (2002), dem komplementären Remix-Album „The other side of Daybreak“ (2003) und der Compilation „Pass in time: The definitve collection“ nun „Comfort of strangers“ als ihr viertes Oeuvre vorlegt. Ortons markante Stimme, die ihr den Ruf als „Königin des herzbrechenden Gesangs“ eingebracht hat, wird (außer von Fans ihrer Solo-Alben) vielen von einigen Gastauftritten mit den Chemical Brothers oder William Orbit in Erinnerung sein. Letzteren unterstütze sie auf den Alben zu seinem Nebenprojekt Strange Cargo und Tom Rowlands und Ed Simmons verzückte sie mit den Vocals zu „Alive alone“ („Exit planet Dust“ 1995), „Where do I begin“ („Dig your own hole“ 1997) und „The state we´re in“ („Come with us“ 2002).

Nach Anspielen einiger neuen Stücke fällt sofort auf, dass Orton den Einfluss von Trip Hop oder elektronischem Beiwerk beinahe zur Gänze reduziert hat und mehr auf die Wirkung ihrer Stimme setzt. Dies resultierte aus mehreren fehlgeschlagenen Produktionsversuchen und der Zusammenarbeit mit Jim O´Rourke (Sonic Youth), dem sie zum ersten Mal die Produktion anvertraute. Aufgenommen wurden die 14 Tracks im Sear Sound Studio in New York letzten Jahres innerhalb von 2 Wochen. Der kurze Zeitraum der Aufnahmen war eine der Regeln, die sich Beth für ihr neuestes Werk gesetzt hatte: Sie wollte es in einem Take einspielen und jegliche Nachbearbeitung oder Zusätze verhindern. Somit wurde aus „Comfort of strangers“ ein traditionelles Folk-Pop-Album, das das Talent der 35-Jährigen wunderbar unterstreicht und hervorhebt. An den Instrumenten nehmen abgesehen von Beth selbst (Gitarre, Klavier, Harmonika), Jim O´Rourke (Bass, Klavier, Marimba) und Tim Barnes (Schlagzeug) Platz.

Für eine überzeugende Kostprobe ihres Könnens sollte am besten das treibende „Heart of soul“ oder das wehmütige „Pieces of sky“ angespielt werden, denn vor allem im Schlusstrack bringt Orton es fertig den Hörer mit ihrer Stimme zu fesseln, zu Tränen zu rühren und den Song trotz seines bedächtigen Tempos in Windeseile verstreichen zu lassen. Nicht weniger gelungen ist das restliche Dutzend, das zwischen der Erzählweise einer Aimee Mann zu „Lost in space“-Zeiten („Countenance“, „Worms“), seligem Downtempo („Comfort of strangers“, „Feral“, „Absinthe“, „Safe in your arms“), zappelnden Tracks, in denen sich die Instrumente regelrecht austoben („Shadow of a doubt“, „Shopping trolley“, „Heart of soul“) und bescheidenen balladesken Songs („A place aside“, „Piece of sky“) pendelt. Für ausreichend Abwechslung ist also gesorgt, sodass „Comfort of strangers“ zu keiner Zeit Längen aufweist und problemlos aktiv oder passiv genossen werden kann.

Anspieltipps:

  • Rectify
  • Absinthe
  • Heart Of Soul
  • Pieces Of Sky
  • Heartland Truckstop
Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
6.5/10

Trouble No More: Bootleg Series Vol. 13 (1979-1981)
  • 2017    
Diskutiere über „Beth Orton“
comments powered by Disqus