Atreyu - A Deathgrip On Yesterday - Cover
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Atreyu A Deathgrip On Yesterday


  • Label: Victory Records
  • Laufzeit: 33 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Atreyu könnte man am besten mit einem Wort umschreiben: Klischee. Sie verbinden knallhartes Riffing mit den poppigsten Refrains, sie beschreien den Schmerz und singen über die Liebe. Sie tragen Stirnbänder und Iron-Maiden-Shirts und sie zeigen starke Neigungen zu Metal-Einlagen im Style der Achtziger wie die menschliche Pyramide á la Scorpions, die sogar die Cheerleader der Frankfurt Galaxy vor Neid erblassen lassen. Das Schlimme an der ganzen Sache? Was die Jungs da abziehen, macht verdammt viel Spaß! Deshalb hat das klischeebehaftete Image Atreyu zu einem Kultstatus unter Liebhabern der Metalcore-Szene verholfen. Und mit „Her Portrait in Black“ durfte die Band sogar schon ein wenig Höhenluft schnuppern und den musikalischen Beitrag zum Blockbuster „Underworld Evolution“ stellen.

Atreyu ist eine sehr ehrgeizige Band, der ein exquisiter Fankreis nicht genug ist. Daher macht sich das Quintett mit „A Deathgrip On Yesterday“ nun auf den Weg, die breite Rockhörerschaft zu erobern. Das Zeug dazu bringt die Gruppe auf jeden Fall mit. Denn das Songwriting weißt größte Hitverdächtigkeit auf: So treffen schneidige Riffs auf Groove-Salven im Dauerfeuer und Alex Varkatzas aggressiv-düsteren Shouts werden mit dem überaus eingängigen Gesang von Drummer Brandon Saller gepaart. Damit zeigen Atreyu einmal mehr, warum sie als Flagschiff der jungen Rockgeneration gehandelt werden und den einen oder anderen schon von Trend oder Hype haben munkeln lassen.

Die Band verfeuert auf ihrem neuen Album wirklich alles, was Metal-, Emo- und Hardcore-Stilmittel zu bieten haben. Ein Track wie „Shameful“ überzeugt durch seine mitreißende Gitarrenarbeit und die tolle Melodik, „Untitled finale“ wandelt auf den Spuren älterer Smashhits wie dem großartigen „The crimson“ und das für Atreyu-Verhältnisse fast schon balladeske „The theft“ bekehrt durch überraschende Zerbrechlichkeit und untypischen Tiefgang. Doch genau hier liegt der Hund begraben, denn mehr als diese drei Stücke hat „A Deathgrip On Yesterday“ einfach nicht zu bieten. Alle anderen Tracks sind kaum der Rede wert. Und damit wären wir auch schon beim nächsten Problem: Nicht nur, dass sich die restlichen Stücke einer totgelaufenen Masche bedienen, mit neun Songs und knapp einer halben Stunde Spielzeit ist das Album auch noch ein extrem kurzes Vergnügen und besiegelt den musikalischen Kopfschuss. Das ist nicht nur schade, sondern einfach eine Frechheit.

Die Musiker nutzen ihr Potenzial in keiner Weise. „A Deathgrip On Yesterday“ ist die vertonte Mittelmäßigkeit und ein lauwarmes Vergnügen. Die Songs sind einfach viel zu leicht zu berechnen, überraschende Momente sucht man vergebens und rein objektiv betrachtet, könnte das Strickmuster von irgendeiner beliebigen Metalcore-Kapelle stammen. Da hätte man einfach mehr erwartet. Songs die mitreißen, Riffs, welche die Faust gen Himmel strecken lassen, Refrains, die man im Club aus voller Kehle mitgrölen möchte und auf jeden Fall etwas länger als 30 Minütchen Unterhaltung bieten. Sucht man so etwas, greift man am besten zu einer älteren Atreyu-Platte.

Anspieltipps:

  • The Theft
  • Shameful
  • Untitled Finale
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