The Television Personalities - My Dark Places - Cover
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The Television Personalities My Dark Places


  • Label: Domino/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 53 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Längst verloren geglaubt, beehren uns The Television Personalities (TVP) mit ihrem Kopf und Vollzeit-Weirdo Daniel Treacy in Sachen Wiederkehr. Seit 1977 mehr oder weniger im Musikbusiness aktiv schafft es der Londoner, äußerst persönliche Werke in grobe Rockskizzen zu integrieren und als persönliche Lieblingsband von Kurt Cobain zu gelten. Doch Selbstzerstörung machte auch vor D. Treacy nicht Halt und so ließ er in den Neunzigern sein Leben in die Hände von Drogeneskapaden gleiten. Von heute auf morgen war er verschwunden und galt zwischenzeitlich sogar als tot. Dank des Internets äußerte Daniel aus einem Gefängnis in Südengland, dass es ihm gut geht und bald wieder mit ihm zu rechnen sei. Vor zwei Jahren formte sich also langsam wieder eine Zukunft von TVP, die nur die wenigsten Fans und Vertrauten für möglich gehalten hatten. Daniel Treacy offenbart sich mit dem ersten Album seit 11 Jahren und gibt einen Einblick in sein Leben nah am Abgrund, welches trotz seiner Zerrissenheit nicht ohne Humor auskommen muss.

Dieser tritt vor allem durch seine albern anmutende Stimme und schräge Texte zu Tage. Musikalisch bewegen sich TVP im noisigen Rock, der gleich im Opener „Special Chair“ äußerst wirr zur Sache geht und kaum richtige Songstrukturen erkennen lässt. Es tröpfelt das Piano im monotonen Gewand, während verzerrte Gitarren durch die Gegend wabern und eher wie aus dem Proberaum einer verkrampften Schülerband die Ohren bearbeiten. Erst im dritten Song, „Sick Again“, erreichen TVP mit melancholischen Tönen den Hörer. Endlich ist auch mal ein Songaufbau zu erkennen, der schlüssig ist und so etwas wie Stimmung vermittelt. Leider hält dieser rote Faden nur kurz und mündet in „Ex-Girlfriend Club“. Treacy erzählt mit britischen Working Class-Unterton und lässt eine fragmentarische Untermalung als Fundament für seine Aufzählung der Ex-Freundinnen erklingen. Bitterkeit paart sich mit Ironie und einer Verzweiflung, welche in ihrer Echtheit bedrückend wirkt und musikalisch viel zu wenig von sich preis gibt. In lichten Momenten dienen elektronische Rhythmusgefüge und dunkle Gitarren als Hoffnungsträger („You Kept Me Waiting Too Long“), der es sich geschmackvoll in den Gehörgängen gemütlich macht. Im Anschluss greift Sixties-Pop den guten Momenten dieser Platte unter die Arme und punktet mit charmanten Ausflügen in die britische Erzählkunst („They´ll Have To Catch Us First“).

Trotz der oben genannten, gelungenen Stücke bleibt es auf „My Dark Places“ zu zerrissen, um von einem funktionierenden Album zu sprechen. Zu viel Genie und zu wenig bodenständiger Musiker könnte man meinen und liegt damit goldrichtig. Daniel Treacy verstrickt sich in hoch gegriffenen Ambitionen, verschiedene Stile zu kombinieren und musikalisch mit wenig Unterstützung auszukommen. Gerade die Instrumentierung bietet wenig Halt und verschwimmt hinter diesem Individuum. Einigermaßen interessant ist dieser Longplayer nur aufgrund einer wahren Persönlichkeit, die in ihrer makabren Art und Fragilität den Hörer erschrocken zurück lässt.

Anspieltipps:

  • Sick Again
  • No More I Hate Yous
  • You Kept Me Waiting Too Long
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