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Diverse SZ Diskothek: 1974


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 73 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus dem Musikjahr 1974 berichtet Ingeborg Schober. Und zwar wie elektronische Klänge von Deutschland ausgehend auf die Reise gingen. Gruppen wie Neu!, Tangerine Dream und Kraftwerk wurden von Kritikern mit allen möglichen Wortschöpfungen und Etiketten versehen. Darunter so unglückselige Bezeichnungen wie Krautrock, Teutonenrock, Götterdämmerrock oder schlicht Deutschrock. Die Frage war damals: Wie beschreibt man Musik überhaupt assoziativ? Und vor allem: Wie beschreibt man jene unerhörten Klänge, die deutsche Musiker auf die Welt losließen? Die Meinungen klafften auseinander. Was ist eigentlich diese elektronische Musik? Hat sie überhaut etwas mit Rock und Pop zu tun?

Deutschlands neue Elektroniker zogen plötzlich internationale Aufmerksamkeit auf sich, denn mit ihrer Musik füllten sie um das Jahr 1974 ein Vakuum. Die deutschen Musiker vermittelten optisch Nüchternheit. Musikalisch boten sie keine vorgefertigten Erzählungen an, sondern Stimmung und Atmosphäre. Sie ließen sich zunächst nicht festlegen. David Bowie war eine gute Blaupause dafür, denn die unterkühlt-ironische Elektromusik war ohnehin asexuell und damit das Gegenteil von allem, wofür Rockmusik stand. Daher auch die Negativattribute wie maschinell, roboterhaft, kalt, steril und seelenlos.

Es kristallisierten sich ganz unterschiedliche Schulen oder Richtungen heraus. Was in Berlin eher schwermütig und teutonisch klang, hatte im Ruhrgebiet im Umfeld von Kraftwerk heiter-verspielte Popstrukturen. Münchner Bands wie Popol Vuh versuchten den Brückenschlag nach Asien oder zur Meditation; Can aus Köln hingegen waren eine geniale Crossover-Band, die Jazz, Rock, Avantgarde und Elektronik mischten und sogar einen Sänger beschäftigten. Was diese Bands jedoch gemeinsam hatten: Allesamt umgingen sie die lästigen Probleme, die das Nachahmen angloamerikanischer Rockmusik nach sich gezogen hätte.

Im Fundstück berichtet Eric Clapton im Interview von Steve Turner von seinem überraschenden Comeback mit der Hitsingle „I shot the sheriff“. Der Song ist selbstverständlich auch auf der beigefügten CD enthalten. Darüber hinaus gibt es Stücke zu hören von Dolly Parton („Jolene“), Udo Lindenberg („Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“), Electric Light Orchestra („Can’t get it out of my head“), Nina Hagen („Du hast den Farbfilm vergessen“) und Tangerine Dream („Sequent C’“).

Anspieltipps:

  • Bachman-Turner Overdrive – You ain’t seen nothing yet
  • Tom Waits – (Looking for) The heart of Saturday night
  • Bobby Bland – Ain’t no love in the heart of the city
  • Gram Parsons – In my hour of darkness
  • Sweet – Fox on the run
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