Merz - Loveheart - Cover
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Merz Loveheart


  • Label: Grönland/Rough Trade
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Vor sechs Jahren gab es in Form des selbstbetitelten Longplayers das erste und zugleich letzte Lebenszeichen von Conrad Lambert aka Merz zu bestaunen. Ein individuelles Werk aus englischem Folk, leichter Electronica und ganz viel Gefühl erntete vor allem in seiner britischen Heimat beachtliche Resonanzen seitens der Presse. Auch die damals noch relativ unbekannten Coldplay und allen voran deren Sänger Chris Martin lagen dem Singer/Songwriter zu Füßen. Unter der Flagge von Sony BMG begann der große Triumphzug von Merz, der sich durch Auftritte bei Top Of The Pops sowie Jools Holland bemerkbar machte und Conrad Lambert auf dem Glastonbury Festival auftreten ließ. Doch urplötzlich verschwand das vermeintliche One-Album-Wonder von der Oberfläche der musikalischen Öffentlichkeit. Nach Jahren voller Ungeduld hatte Merz ein Einsehen mit seiner Fangemeinde und unterschrieb bei Herbert Grönemeyers Label Grönland, auf dessen Brettern sich der Engländer mit einer Tour und dem Zweitwerk „Loveheart“ eindrucksvoll zurückmeldet.

Der Auftakt fällt dann auch gleich berührend aus, denn das Piano trägt in „Postcard From A Dark Star“ eine wohlige Stimmung und wird von zarten Breaks in seiner feingliedrigen Art unterstützt. Überhaupt macht das zurückhaltende und doch prätentiöse Songwriting die unglaublich sanftmütige Eleganz dieses Albums aus. Dazu gesellt sich Conrad Lamberts Gesang, welcher über den Songstrukturen steht und beruhigend wie die Stimme eines guten Freundes ertönt. Denkt man an einigen Stellen noch an die Schönheit vergangener Folkperlen und spürt den Hauch der Sechziger/Siebziger, so folgt im nächsten Moment die Beigabe von elektronischen Beatvorgaben, die wesentlich zur zeitlosen Frische und Begeisterung dieser Scheibe beitragen. Auch orientalische Aufheiterungen fehlen nicht, wenn „Verily“ tänzerisch eine gewisse Mystik einläutet und Merz beschwörerisch seine Wörter intoniert.

Eine betörende Schwere steht bei „My Name Is Sad And At Sea“ im Vordergrund und greift mit bestmöglicher Melancholie sowie einer schönen Portion Fernweh, die einen sehnsuchtsvoll gefangen nimmt. Dass es niemals einseitig oder gar ideenlos wird, zeigt gleich darauf „Butterfly“ – ein sommergetränktes Harmoniehöchstmaß mit Mundharmonika und Country-Feeling. Die oben erwähnten Electronica-Ausflüge gibt es in einem der Highlights, „Warm Cigarette Room“, zu begutachten und sind in ihrer rhythmusprägenden Ausrichtung neben schwelgerischen Pianomelodien nahezu perfekt inszeniert, um nicht die erdige Atmosphäre zu durchkreuzen und trotz elektronischer Beigaben die handgemachte Folk-Tradition deutlich werden zu lassen. Und so endet schlussendlich ein Album, welches sich zwischen den Stühlen am wohlsten fühlt und erobernde Arrangements mit einer Prise Understatement eindringlich an die Hörer weitergibt.

Anspieltipps:

  • My Name Is Sad And At Sea
  • Warm Cigarette Room
  • Mentor
  • The Leaving Song
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