Soundtrack - Dieter: Der Film - Cover
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Soundtrack Dieter: Der Film


  • Label: Hansa/SonyBMG
  • Laufzeit: 68 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Mensch, Dieter, du machst aber auch Sachen! Und trotzdem haben wir dir fast alle Eskapaden vergeben. Etwa deinen „Naddel-Verona-Estefania“-Zirkus, den Modern-Talking/Blue-System-Quatsch oder dein Engagement als Buchautor. Aber beinahe hätte es dich doch erwischt. Dabei lief es so gut.

Da war das kurze, aber grandiose Comeback mit Modern Talking, die amüsante Bestseller-Biographie „Nichts als die Wahrheit“ (2002), deine unzählbaren Werbeverträge und der Job bei RTL, wo du als Juror mit Sachverstand und coolen Sprüchen bei „Deutschland sucht den Superstar“ glänzen konntest. Du produziertest die von dir so geliebten Megahits für die versammelten Finalteilnehmer von DSDS, den späteren Sieger Alexander Klaws und den singenden Frosch mit viel zu großen Ohren, namens Daniel Küblböck, der sich nur aufgrund seines Trash-Faktors bis zum Ende der Show halten konnte. Aber leider konntest du den Hals nicht vollbekommen und verfasstest ein zweites (Enthüllungs-)Buch...

„Hinter den Kulissen“ (2003) holte den gebürtigen Oldenburger auf den Boden der Tatsachen zurück. Völlig hemmungslos drosch er auf seine Kollegen ein und holte die große Enthüllungskeule raus. Der König von Tötensen verspielte in Windeseile sein positives Image und stürzte in der Gunst der Menschen und seiner Werbepartner fürchterlich ab. Deutschland antwortete mit Liebesentzug und selbst seinen treuen Fans waren die Attacken gegen Thomas Anders, Hartmut Engler (Pur) und Frank Farian (um nur ein paar zu nennen) megapeinlich (sic!). In dieser Phase zog sich Dieter Bohlen aus der Öffentlichkeit zurück. Dennoch wurde mit einem 6,5 Millionen Euro Budget an „Dieter: Der Film“ gearbeitet – einem Zeichentrickfilm, der basierend auf dem Buch „Nichts als die Wahrheit“ im Herbst 2004 in die Kinos kommen und in bester Bohlen-Tradition megamäßig viel Kohle einfahren sollte.

Leider ist es nie dazu gekommen. Auch als DVD wurde der Streifen nicht vermarktet. Erst im März 2006 zeigt sich RTL gnädig und strahlt den Film im Fernsehen aus. Und geschäftstüchtig, wie man nun mal im Hause Bohlen ist, kommt parallel zur TV-Ausstrahlung eine Soundtrack-CD auf den Markt. Mit sechs Modern-Talking-Klassikern („You’re my heart, you’re my soul“, „You can win if you want“, Cherie cherie lady“, „Brother Louie“, „Atlantis is calling (S.O.S. für love)“ und „Geronimo’s Cadillac“ sowie einem unveröffentlichten Modern Talking Titel („Shooting star“), wird der Modern-Talking-Fan gut bedient.

Auch die übrigen elf Songs (darunter das als Titelsong ausgewählte „Gasoline“) stammen selbstverständlich aus der Feder von Uns-Diedää und bieten absolut nichts Neues. Bohlen klingt wie Bohlen – daran wird sich auch nie etwas ändern. Und so ist es auch kein Wunder, dass dieser Soundtrack natürlich die typische Bohlen-08/15-Lyrik, seine unverwechselbare (manchen sagen auch schauderhafte) Stimme und die ausgelutschten, tausendfach gehörten Harmonien enthält. Okay, das wäre ja noch normal, aber das verwendete Songmaterial für „Dieter: Der Film“ klingt leider arg nach zweiter Wahl – egal ob flotter Popsong oder Ballade, wobei gerade die Balladen („If I were you“, „Tears may go“, „Love is stronger“, „The way you smile“) erschreckend schwach ausfallen. Und das geht dann leider gar nicht! Der schlaue Dieter wusste schon, weshalb er sechs remixte Modern Talking Bonustracks auf das Album packte: Um nicht mit der niedrigsten Note abgestraft zu werden. Schlauer Schachzug vom selbsternannten Mozart der Neuzeit.

Anspieltipps:

  • Don’t let me down
  • The way you smile
  • Take me to the clouds
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