Sieges Even - The Art Of Navigating By The Stars - Cover
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Sieges Even The Art Of Navigating By The Stars


  • Label: Inside Out/SPV
  • Laufzeit: 64 Minuten
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10/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Während die Jahresbestenlisten 2005 bereits Staub ansetzen und man meint ein weiteres Musikjahr erfolgreich abgeschlossen zu haben, kommt von irgendwo wieder etwas neues Altes her, und man sieht sich gezwungen, alles erneut über den Haufen zu werfen. Dieses Mal heißt der Störenfried „The art of navigating by the stars“ und wurde von niemand geringerem als der deutschen Vorzeige-Prog-Metal-Fraktion Sieges Even geschickt, die ich persönlich schon für tot gehalten habe. Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Und oftmals ist ihr überraschendes Auftauchen einhergehend mit einer Erschütterung, die mit Pauken, Trompeten und Fanfaren verkündet: wir sind wieder da!

Sieges Even mag selbst alteingesessenen Prog-Veteranen kein Begriff sein, was nicht verwundert, da die Band seit 8 Jahren nichts von sich hören lies, und ihre bisherigen Alben zumindest in Deutschland nicht die Würdigung und Aufmerksamkeit erfuhren, die sie verdient hätten. Andernorts weiß man Qualität eben schon immer ein wenig mehr zu schätzen. Mit ihrem neuen Baby (und das darf man in Anbetracht des Covers und der dahinter verborgenen Geschichte ruhig wörtlich nehmen) haben Sieges Even das Genre bereits im letzten Jahr kräftig aufgemischt und auch hierzulande in Fachkreisen für Wirbel gesorgt. Zu verdanken ist das keinem Hype, keiner Werbeoffensive der Plattenfirma und keiner Laune der Musikgeschichte, sondern ganz einfach der Klasse dieses Albums, das sich ohne weiteres mit den Meilensteinen des Genres von Rush über Dream Theater bis Porcupine Tree messen kann.

Obgleich die beiden beteiligten Holzwarth-Brüder Alex und Oliver bei Rhapsody bzw. Blind Guardian unter Vertag stehen, spielen Sieges Even mitnichten epischen Power-Metal, sondern eine Form des progressiven Metals, der seine Wurzeln unverkennbar in der Tradition des Genres verankert hat, dessen Fahne auch heute noch Bands wie Rush, Fates Warning aber auch Dream Theater hoch halten; beschreiten jedoch gleichzeitig modernere Pfade. Progressive Musik ist immer dann am besten, wenn komplexe Vertracktheit und Eingängigkeit eine Symbiose eingehen. Die schroffen Klippen des als besonders prätentiös geltenden Prog-Metals (wobei sich die metallischen Anteile hier in Grenzen halten) müssen erstmal umschifft werden, um schließlich Fahrt aufzunehmen, geradewegs ins Herz des Hörers. Vor Allem letzteres vermag „The art of navigating by the stars“ mit Bravour zu leisten, so sehr schmiegen sich die kristallklaren Melodien an die Ohrmuschel.

Überhaupt sind es die ruhigen Töne, welche die Erhabenheit dieses Albums ausmachen. Zusammen mit den unverschämt einprägsamen Gesangslinien von Arno Menses, dessen unaufdringliche Stimme zum Sound der Band passt wie die Faust aufs Auge, wirkt „The art of navigating by the stars“ zu keiner Zeit altbacken. Im Gegenteil, auf Relikte aus der Prog-Steinzeit wie Keyboards und Synthesizer wurde komplett verzichtet, stattdessen dominiert virtuose Gitarrenarbeit und unglaublich präzises Drumming. Die Rhythmusabteilung schlägt unvorhersehbare Haken, überrascht kontinuierlich mit Tempowechsel, wodurch zu keiner Zeit auch nur ansatzweise Langeweile aufkommt. Und trotzdem wirkt die Instrumentierung gerade im Vergleich mit Schwergewichten wie „Scenes from a memory“ (Dream Theater) fast schon minimalistisch und lässt viel Freiraum zur Entfaltung magischer Melodien. Mit „The art of navigating by the stars“ ist Sieges Even ein moderner Klassiker gelungen, der seinen artifiziellen Anspruch nicht nur propagiert, sondern lebt. Ein zu jeder Sekunde sehnsuchtsvoller Reigen unvergesslicher Momente, die noch lange nachwirken.

Anspieltipps:

  • Lighthouse
  • Unbreakable
  • Blue wide open
  • The lonely views of condors
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