Fehlfarben - Sechsundzwanzigeinhalb - Cover
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Sechsundzwanzigeinhalb


  • Label: V2/Rough Trade
  • Laufzeit: 58 Minuten
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7/10 Unsere Wertung
5/10 Leserwertung Stimme ab!

1979 war das Geburtsjahr der Fehlfarben, denn Peter Hein, Thomas Schwebel, Frank Fenstermacher, Michael Kemner, Uwe Bauer und Markus Oehlen fanden sich aus verschiedenen Düsseldorfer Bands (u. a. Der Plan, DAF, Mittagspause) zusammen, um inspiriert von der damals aus England importierten Punkwelle ihr eigenes Süppchen zu kochen. Anfänglich noch von Ska geprägt, nahmen sie kurze Zeit später den Song „Paul Ist Tot“ auf und unterschrieben bei EMI. Dieser Umstand machte sie innerhalb der aufkommenden Szene zu Verrätern. Fehlfarben machten das einzig richtige und gingen ihren Weg erhobenen Hauptes weiter, denn Ende 1980 erschien das Debütalbum „Monarchie Und Alltag“, welches mittlerweile Goldstatus hat und als das Referenzwerk schlechthin gilt.

Gegen das Murren der Band wurde anderthalb Jahre später auf Drängen der EMI „Ein Jahr -Es Geht Voran“ als Single ausgekoppelt und prompt zum einzigen Hit. Es folgten in unregelmäßigen Abständen vier Alben, welche vom Comeback-Longplayer „Knietief Im Dispo“ (2002) eingerahmt wurden und Fehlfarben zurück ins Musikleben holte. Die Konzerte, unter anderem der Gig auf der Popkomm in Köln, waren umjubelt und ließen in ihrer Spielfreude auf ein beständiges Zusammensein der Band hoffen. Bevor es jedoch zu einem neuen Werk kommt, zelebrieren die Düsseldorfer ihr 25-jähriges Jubiläum mit gehöriger Verspätung und illustren Gästen.

Sänger Peter Hein hat für die Aufnahmen größtenteils frei bekommen und lässt befreundete Kollegen ans Mikro, die die Geschichte der Fehlfarben Song für Song abarbeiten und den neu eingespielten Tracks einen poppigen Anstrich verleihen, während die eigene Note nicht unwesentlich beeindruckt. So glänzt Nils Koppruch (Fink) beim Opener „Das Sind Geschichten“ mit dringlicher Vehemenz und einer der besten gesanglichen Performance auf dem Album. Selbst Herbert „Tief Im Westen“ Grönemeyer holt aus „Grauschleier“ eine so nicht für möglich gehaltene Authentizität heraus, die sich wunderbar mit dem rockigen Arrangement verträgt und ohne Zweifel DIE Überraschung auf der Platte darstellt. Dicht gefolgt von Helge Schneider, welcher „Einsam“ intensiv interpretiert und sich ebenso überraschend wie Herbert Grönemeyer ernsthaft und voller Gefühl der Sache widmet.

Das Who-Is-Who der sogenannten Hamburger Schule (Dirk Von Lowtzow, Jochen Distelmeyer, Frank Spilker, ...) fehlt genauso wenig wie alte Weggefährten aus den Achtzigern (Harry Rag, Gudrun Gut). Abgesehen von der wild zusammengeschusterten Songauswahl fällt als Ausgleich zu wahrhaft großen Auftritten besagter Künstler/innen der Tote Hosen-Frontmann Campino bei „Paul Ist Tot“ negativ auf. Dem Klassiker nimmt er jede Atmosphäre, so dass nicht mehr viel davon übrig bleibt und ausdruckslos seine Stimme verhallt. Zum Glück retten die Fehlfarben selbst und mit Peter Hein am Mikro durch den einzigen neuen Song „Chirurgie 2010“ die zwischenzeitliche Bauchlandung.

Sicherlich ist die Aufgabe, Peter Hein als wesentliches Element der Fehlfarben außen vor zu lassen, eine schwierige. Doch viel mehr wiegt der Mut und der leichtfüßige Umgang mit der Fehlfarben-Historie, viele Freunde und Größen des Musikbusiness auf die Klassiker anzusetzen. So entstehen wundersame Augenblicke und außergewöhnliche Interpretationen, die schnell in die Ohren wandern, dort verweilen und als Erfrischung gern einmal öfter aus dem CD-Regal geholt werden. Mit einigen Abstrichen eine mehr als solide Vorstellung, die natürlich nicht als Ersatz für die Fehlfarben-Werke dienen kann und doch die Wartezeit bis zum nächsten Album unterhaltsam verkürzt.

Anspieltipps:

  • Das Sind Geschichten (Mit Nils Koppruch)
  • Einsam (Mit Helge Schneider)
  • Grauschleier (Mit Herbert Grönemeyer)
  • Internationale (Mit Dirk Von Lowtzow)
Dieser Artikel ging am um 10:36 Uhr online.
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  • 2014    
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