OOMPH! - GlaubeLiebeTod - Cover
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OOMPH! GlaubeLiebeTod


  • Label: Gun/SonyBMG
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Trio watet knietief durch einen klebrigen Klischeemorast aus düsteren Gothic-Anleihen und vielfach eiskalt geklauten Harmonien.

Zwölf Jahre, beziehungsweise sieben Studioalben lang, haben sich die Braunschweiger Gothic/Elektro-Rocker von Oomph! – Sänger Dero, Gitarrist Flux und Keyboarder Crap – den Arsch abgespielt, aber nur wenige Platten verkauft. Dann kam die Single „Augen auf!“ (2004) und plötzlich standen Oomph! wochenlang an der Spitze der Media Control Charts. Das dazugehörige Album „Wahrheit oder Pflicht“ steht inzwischen kurz vor einer Platin-Auszeichnung. Kaum zu glauben, aber Oomph! waren auf einmal hip und verdienten zum ersten Mal richtig Kohle. Diese floss aber nicht in teure Sportwagen und Penthouse Wohnungen, sondern in ein eigenes Studio mit amtlichem Equipment.

Dort entstand das neue Album „GlaubeLiebeTod“, dem die skandalträchtige Single „Gott ist ein Popstar“ vorausgeht. Der Song vertont das „Vater unser“ und bringt das Gebet in einen zynischen Kontext zur Papst-Hysterie des vergangenen Jahres. Das kam weder bei der katholischen Kirche (Protest), dem Radio (Boykott), noch den Veranstaltern des Branchenpreises Echo (Rauswurf) gut an. Oomph! freuten sich dagegen über die Publicity und vorzeigbare Single-Verkaufszahlen (immerhin Platz 12). Provokation gehört eben immer noch zu den besten Tricks, ein Produkt zu bewerben.

Deshalb halten die Herren auch auf „GlaubeLiebeTod“ nicht mit bösen Texten („Dreh dich nicht um“), eingängigen Melodien („Das letzte Streichholz“) und einem vollfetten Breitwandsound aus der Abteilung „HIM trifft Rammstein, trifft The Rasmus“ hinterm Berg („Land in Sicht“). Inspirationen kamen dabei von J.R.R. Tolkiens „Der Herr der Ringe“ („Mein Schatz“ bezieht sich auf Macht und wie sie Menschen beeinflusst), Ennio Morricone („Die Schlinge“ verarbeitet die berühmten Mundharmonikaklänge aus „Spiel mir das Lied vom Tod“) und Erich Kästner („Eine Frau spricht im Schlaf“ zitiert das gleichnamige Gedicht des berühmten deutschen Schriftstellers).

Dennoch watet das Trio knietief durch einen klebrigen Klischeemorast aus düsteren Gothic-Anleihen („Gott ist ein Popstar“) und vielfach eiskalt geklauten Harmonien. Das beste Beispiel dafür ist der Song „Zuviel Liebe kann dich töten“, der wie Ville Valo auf Deutsch klingt, quasi „Join me in death“ im Teutonen-Remix. Dabei haben Oomph! in der Tat ein ziemliches Talent für hitverdächtige Melodien und zupackende Gitarrenriffs – wären da nicht die schrecklichen Texte. Die verderben das streckenweise vorhandene Vergnügen nachhaltig.

Anspieltipps:

  • Mein Schatz
  • Träumst du
  • Das letzte Streichholz
  • Zuviel Liebe kann dich töten
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