Terence Fixmer - Silence Control - Cover
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Terence Fixmer Silence Control


  • Label: Gigolo Records
  • Laufzeit: 65 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Aus Frankreich kommt mit Terence Fixmer einer der renommiertesten Techno/EBM-Handwerker der letzten zehn Jahre. Stets dem klassischen Electronic Body Music-Sektor zugewandt, kreiert T. Fixmer gnadenlose Mixturen aus Techno und einer Prise Dunkelheit, die dank einfallsreicher Strukturen auch Futter für den Geist darstellen. Obwohl sein erstes Artist-Album „Muscle Machine“ nun schon fünf Jahre zurückliegt, mangelte es nicht an Output. Denn mit dem ehemaligen Nitzer Ebb-Frontmann Douglas McCarthy fand sich ein Gefährte, der den kraftvollen, zielstrebigen Sound Fixmers auf dem gemeinsamen Longplayer „Between The Devil“ und einigen 12Inch-Singles mit seinem markanten Gesang unterstützte und so gar an vergangene Nitzer Ebb-Tage anknüpfen konnte. Auf dem neuen Album „Silence Control“ steuert der Franzose bis auf wenige Ausnahmen selbst die spärlichen Vocals bei, wobei diese nicht das Hauptaugenmerk der Scheibe sind. Dieses ist eher auf gradlinige, instrumentale Elemente der technoiden Raserei gerichtet.

Es regieren also pumpende Basslines und industrielle Soundgefilde die aktuelle Bestandsaufnahme auf DJ Hells Plattenfirma Gigolo Records. Ein bedrohliches, aber sphärisches Intro sorgt für die Ruhe vor dem Sturm, um von einer Sekunde auf die nächste die Brechstange aus der Tasche zu zaubern. Der eigentliche Opener „Resistance“ serviert mit oldschooligen Sounds sowie maskuliner Ausstrahlung gleich die richtige Härte und wird von Bekie Vanvams Sprechgesang eingerahmt. Wahrlich noch nicht die große Offenbarung, aber für einen netten Beginn ist dank psychedelischer Noise-Einwürfe und abwechslungsreichen Rhythmen gesorgt. Als aufdringlicher Clubhit präsentiert sich das von Bruno Quartier intonierte „Running After Time“, welches rasend und kämpferisch Richtung Ekstase schielt. Obwohl die Nerven ob des hektischen Songwritings und quälender Sequencer-Sounds deutlich beansprucht werden, kann man diesem Song gewisse Ohrwurmtendenzen nicht absprechen. Mit jedem weiteren Song tritt allerdings auch das Manko von „Silence Control“ deutlicher in den Vordergrund: Es fehlt als Gegenpart zu den pulsierenden, teils hypnotischen Parts die erlösende Melodie oder, wenn man schon so harmoniearm an die Songs herangehen will, wenigstens der ein oder andere Break. Ohne diese zwischenzeitlichen Auflockerungen verliert das rhythmische Geflecht schnell an Zugkraft und Dramaturgie. So peitscht und pocht es apokalyptisch vor sich hin, während sich das Songwriting nach und nach in einer Sackgasse vorfindet.

Für den geschulten Techno-Jünger, der ein wenig Nachhilfe in Sachen Industrial oder EBM benötigt, stellt „Silence Control“ eine horizonterweiternde Möglichkeit dar. Doch das musikalische Können eines Terence Fixmer bleibt deutlich hinter den Ansprüchen zurück. Verkrampft reihen sich Wirrungen aneinander, die zwar ambitioniert daherkommen und trotzdem so blass im Abendrot verschwinden. Vielleicht wäre weniger in diesem Fall wieder einmal mehr gewesen, denn gerade wenn man verspielte und verwinkelte Soundscapes mit der Energie von Techno verbinden will, bildet das ausgereifte, hier leider nur am Rande zündende Songwriting eine Basis, die nicht ins Hintertreffen geraten sollte. Spätestens ab der Mitte des gut gefüllten Longplayers verliert der temporär vorhandene rote Pfaden immer mehr an Farbe und lässt einen entnervt die Stop-Taste bedienen.

Anspieltipps:

  • Running After Time
  • Are You Electric?
  • Under The Rain
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