Schrottgrenze - Chateau Schrottgrenze - Cover
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Schrottgrenze Chateau Schrottgrenze


  • Label: Motor/WEA
  • Laufzeit: 34 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Im Januar 1992 war’s. Da trafen sich Timo Sauer und Alex Tsitsigias und beschlossen gemeinsame Sache zu machen. Zwei Jahre später einigen sie sich auf den etwas dämlich anmutenden Bandnamen Schrottgrenze. 12 Jahre, 4 Alben und einige Umbesetzungen später veröffentlichen Alex Tsitsigias (Gesang, Gitarre), Timo Sauer (Gitarre), Herr Pohn (Bass) und Ex-The Wohlstandskinder Drummer Don Cardeneo alias Caddy das fünfte Werk und laden ein ins „Château Schrottgrenze“, das den Punkrock der frühen Werke vollends abgelegt hat und sich zusammen mit Bands wie Tocotronic, Tomte, Kettcar und Kante auf einer Wellenlänge befindet.

Dieser Umstand ist auch dadurch zu erklären, dass, genau wie der Vorgänger „Das Ende unserer Zeit“, der neue Longplayer von Tobias Levin (Tocotronic, Kante, Surrogat) produziert wurde. Bei der Entstehung der Songs versuchten Schrottgrenze möglichst flexibel und spontan zu sein, sodass „Namen und Alben gemeinsamer Lieblingsbands durch den Raum flogen, jeder durfte sich grundsätzlich an jedem Instrument verdingen und irgendwann flossen die Ideen sogar schneller als sie umsetzbar waren. Manche Stücke durchliefen vier oder fünf Arrangements, um schließlich gänzlich verworfen und von mir durch neue ersetzt zu werden“ erklärt Sänger und Frontmann Tsitsigias.

Das diese Herangehensweise besonders leckere und süße Früchte hervorgebracht hat, wird nicht nur beim musikalischen Unterbau ersichtlich, sondern auch bei den Texten, die sich besonders einprägsam gestalten. „Im Prinzip ist „Château Schrottgrenze“ unsere Version eines Self-Titled-Albums. Die Platte beinhaltet selbstredend Einsichten in unser derzeitiges emotionales Innenleben, als auch erstmals um das Vortasten in surreale und traumhafte Settings. Auf vorangegangenen Alben haben wir uns sehr intensiv an rein autobiographischen Umständen und vor allem an unseren eigenen Ängsten abgearbeitet. Meine Recherchen für die neuen Texte bestanden hingegen vielmehr daraus, gerade die Bereiche und Positionen zu erkunden, die uns vormals entweder irrelevant erschienen oder gar verborgen bzw. „ungeheuer“ waren“ berichtet Tsitsigias.

Diese Aussage gekoppelt mit dem Song „Alaska“, in dem die Zeile „Welcome to the last frontier” erklingt, lässt den Kreis schließen, die Reflexion auf den Namen Schrottgrenze zu und jagt daraufhin dem Hörer ein wohliges Gefühl von Wärme durch den Körper. Songtitel wie „Nichts ist einsamer als das“ oder „Zu Staub“ verlieren ihre pessimistische und negative Tendenz und nachdem nach wenigen Worten eine prächtig gedeihende Stimmung aufgebaut wird, die in den nachfolgenden Tracks weiterläuft und ausgebaut wird, bis das Wort „Schrottgrenze“ im gleichnamigen Rausschmeißer mantraartig buchstabiert wird, kommt einem der Gedanke ein Teil der Musik zu sein statt nur einer drehenden Silberscheibe zu lauschen.

„Château Schrottgrenze“ könnte sich zu einer CD entwickeln, die immer wieder gerne aus dem Regal genommen wird um sich den melodischen Songs hinzugeben bzw. um gut gelaunt die harmonisierenden Texte möglichst lautstark zu rezipieren. Dummerweise dauert der Besuch im Schloss des Vierers unter 40 Minuten, was zwar für den Fluss der Songs förderlich ist, aber letztendlich doch ein wenig stört. Da bleibt einem wohl nichts anderes übrig als danach ein weiteres Mal auf „Play“ zu drücken.

Anspieltipps:

  • Zu Staub
  • Wenn du da bist
  • Am gleichen Meer
  • Seit ich alles von dir weiß
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