Kid Alex - Restless - Cover
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Kid Alex Restless


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Während sich andere Jungs im Alter von 14 Jahren weitaus oberflächlicheren Themen widmen, forschte Alex Ridha mit seinem älteren Bruder in Plattensammlungen und beschäftigte sich nächtelang mit Turntables und deren technischen Finessen. Schon mit 16 Jahren legte er vor 500 Leuten auf, pendelte zwischen Budapest, Zürich sowie Berlin und veröffentlichte neben ersten Remixen auch eigene Produktionen. Diese eigenen Tracks entstanden zusammen mit Alex´ Freund Andi Meid und stellten den Anfang unter dem Bandnamen Kid Alex dar. Im typischen Sound der Hamburger stechen besonders Dance- und Rockelemente hervor, die sich mit einer Prise Funk zu einer enormen Eingängigkeit verbinden und in „Young Love (Topless)“ sogleich den ersten Hit fanden. Das Debüt „Colorz“ sicherte dem Duo auch auf Albumlänge einen gelungenen Einstand, den sie mit ihrem kumpelhaftem Auftreten und jede Menge Spaß untermauerten. Um nicht Gefahr zu laufen, einen Schnellschuss nachzulegen, nahmen sich Kid Alex von Anfang 2004 bis Mitte 2005 Zeit, die neuen Songs auszuarbeiten und abgesehen von einigen Gästen das aktuelle Werk „Restless“ in Eigenregie einzuspielen, im Hamburger Pilatuspool Studio aufzunehmen und auch die Produktion selbst zu gestalten. So sehen wir einem ausgewogenen Longplayer entgegen, der neben einer permanent vorhandenen Tanzbarkeit feinfühlig arrangiert die Ohren erklimmt.

Im markant betitelten Opener „Ja“ klingen glockenhelle Sounds wie charmante Grüße aus einer anderen, farbenfrohen Welt. Der Beat läutet beschwingt diese Platte ein, auch wenn er längst nicht so dringlich ins Ohr pumpt, wie man es vielleicht von elektronischer Musik dieser Machtart vermuten würde. Und das ist auch gut so, denn der Hörgenuss in den eigenen vier Wänden ist auch dank dieser Tatsache nicht gefährdet. New Wave, der mit lieblich melancholischen Passagen einhergeht, wird in „True To You“ zelebriert, während Alex Ridha zum ersten und weitaus nicht letzten Mal auf diesem Longplayer seine Stimme in bester Slacker-Manier an die Hörer weitergibt. Wavige Elemente kommen vermehrt zum Zuge und stehen den Tracks, die meist im melodiösen House ihren geistigen Mittelpunkt haben, sehr gut. Dass auch Indie-Rock mit Punk-Affinität den Jungs von Kid Alex nicht fern ist, merkt man bei dem wunderbar losgelösten „USA“, dass rotzig und doch so eingängig sofort begeistert. Eine gehörige Portion Ironie serviert die Textzeile „Everybody sucks in the USA“, die natürlich augenzwinkernd intoniert wird, den Spaß des Duos transportiert und von einem pulsierenden Basslauf sowie einer energischen Gitarre unterstützt unverbrauchte Energie aus den Boxen tönen lässt. Handclaps und Rock´n Roll geben „My Conversation“ sowie „Over & Done“ eine besondere Note, denn trotz des erhöhten Gebrauchs von Rock und Wave-Einflüssen auf dem Longplayer sind es vor allem diese beiden Songs, die täuschend nah am Bandsound sind, dass man kaum vermutet, es hier mit einem vorwiegend synthetisch erzeugten Album zu tun zu haben.

Doch ob nun mit dem üblichen Bandgefüge eingespielt oder von Synthesizern geprägt: Auf „Restless“ verwischen die ursprünglichen Schemata, wenn sich Gitarren, Bass, Schlagzeug und Synthies so harmonisch die Hand geben und der Pop hier eine übergeordnete Rolle spielen darf. Es bleibt viel Raum für Rock´n Roll, House Music, Funk und wie man diese verschiedenen Einflüsse noch nennen mag. Einzig und allein ist es MUSIK, die verzaubert, antreibt und immer wieder durch Freude an ideenreichen Arrangements zu neuen Höhenflügen ansetzt.

Anspieltipps:

  • USA
  • True To You
  • Over & Done
  • Young & Beautiful
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