Nightmare Of You - Nightmare Of You - Cover
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Nightmare Of You Nightmare Of You


  • Label: Full Time/ROUGH TRADE
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Verwelkte Blumen auf dem Cover, eine die Augen fordernde Homepage in Baby-Rosa und perfekt gestylte Nerds im Booklet der Debüt-CD von Nightmare Of You. Sieht irgendwie alles nach einer kalkulierbaren Indiegemeinschaft aus, die zwischen Good Charlotte und Yellowcard ihre Lightversion von Punk nach außen trägt. Doch die Historie der Band aus den USA rückt sie in ein anderes Bild: Ehemalige Mitglieder von Hardcore/Punk-Größen wie Rival Schools, The Movielife, Shelter und Glassjaw stellen das Personal von Nightmare Of You. Nach dem Split von The Movielife findet Vokalist Brandon Reilly im Jahr 2003 mit Schulfreund Joseph McCaffrey (Gitarre) einen Mitstreiter, der zusammen mit ihm die Gründung einer neuen Band anpackt und später in Form von Ryn Heil (Bass) sowie Ex-Rival Schools Drummer Sammy Siegler ihre finale Erweiterung findet. Und wieder einmal hat ein Onlineportal seine Finger im Spiel, wenn es um die rasante Popularitätssteigerung geht. In diesem Fall ist es MySpace, wo Nightmare Of You in beachtlicher Geschwindigkeit auf 280.000 Klicks kommen und so durch bestmögliche Eigenwerbung ihr selbstbetiteltes Werk bekanntmachen.

Nun ist die Musik gefragt, welche einen deutlichen britischen Einschlag vorweist und manchmal auch countryeske Felder beackert. Von diesen ist jedoch im Opener „The Days Go By Oh So Slow“ nur wenig zu spüren. Das Schlagzeug windet sich schwungvoll um hoffnungsvolle Melodien und zuckersüße Gemütlichkeit, die durch zarte Gitarrenläufe und ein tröpfelndes Piano begründet wird. Einschmeichelnder Chorgesang ergänzt in „Dear Scene, I Wish I Were Deaf“ den Gesang von Brandon Reilly, welcher hier auch mal aus sich heraus kommt und nicht nur die wärmende Grundstimmung mit sehnsüchtiger Flauschigkeit bedient. Mit der täuschenden Nähe zu behaglicheren Momenten des Green Day-Sänger Billie Joe Armstrong setzt er dem Gesamteindruck eine seltsame Note auf und man ertappt sich quasi durchgehend beim Blick auf das Booklet und die Credits. Doch nach gewisser Zeit kann man sich der verwirrenden Verwunderung entziehen und weiter der Musik lauschen. Die hält mit „My Name Is Trouble“ einen tollen Hit parat, welcher in seinem Spannungsfeld aus Melancholie und Tanzbarkeit sowie leichten elektronischen Ausflügen gar berauschend wirkt. Relativ zügig und mit einem hohen Mitwipp-Faktor gesegnet geht der sanfte Rock im Pop-Universum von Nightmare Of You wohl ausstaffierte Wege, die sich manchmal allzu leicht und unbedarft geben, doch grundsätzlich positiv im Ohr bleiben.

Die angesprochenen Country-Ausflüge entfalten sich ganz besonders in „Marry Me“ und zaubern eine verzückende Performance von Ben Peeler an der Pedal Steel-Guitar hervor, der als Gast sein Instrument mit Leidenschaft bedient und so neben „My Name Is Trouble“ den eindeutige Höhepunkt eines guten Einstandes von Nightmare Of You markiert. Etwas mehr herausstechende Großtaten und Intensivität wären bei derart lieben Songs nötig gewesen, diese fallen allerdings vor allem durch Lücken in der Anwesenheitsliste auf. Trotzdem gehen die Daumen nach oben und die Sonne auf - in den Vereinigten Staaten, die auf dem Longplayer allerdings eher nach Good Old Britain klingen.

Anspieltipps:

  • Marry Me
  • My Name Is Trouble
  • The Days Go By Oh So Slow
  • I Want To Be Buried In Your Backyard
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