The Vines - Vision Valley - Cover
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The Vines Vision Valley


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 32 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
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Es war im Mai 2004: Vines-Sänger Craig Nicholls hatte mal wieder einen seiner üblichen Ausraster und prügelte wie wild auf seinen Bassisten Patrick Matthews ein. Solche Ausfälle waren inzwischen nichts Neues mehr, doch damit ging Nicholls eindeutig zu weit. Nicht nur die Presse und sämtliche Konzertveranstalter hatten inzwischen genug von der unberechenbaren Band mit ihrem vermeintlich durchgeknallten Frontmann, auch Patrick Matthews zog seine Konsequenzen. Er zeigte Craig Nicholls wegen Körperverletzung an und verließ die Band.

Ein halbes Jahr später stellte sich heraus, dass Nicholls am Asperger Syndrom (AS) leidet. Jene Krankheit führt dazu, dass diese oft hochintelligenten Menschen sich mit anderen Menschen nicht zurechtfinden, soziale Situationen falsch einschätzen und Veränderungen ihres täglichen Lebens nur schwer umgehen können. Damit schienen die Australier, die mit den Alben „Highly Evolved“ (2002) und „Winning Days“ (2004) als neue Hoffnung des Garagen-Rock gehandelt wurden, als beerdigt. Aber die Band gab nicht auf. Hamish Rosser (Drums) und Ryan Griffith (Gitarre) hielten zu ihrem Sänger und nach zehn Monaten Arbeit in verschiedenen Studios in Sydney, waren 13 neue Tracks fertiggestellt. An den Reglern saß Wayne Connolly (Halfway, Died Pretty, Youth Group), eine lokale Producer-Größe in Australien.

„Vision Valley” heißt das Vehikel, auf dem Craig Nicholls seine Vorliebe für die Beatles (Melodien: „Candy daze“, „Vision valley“) und Garagenrock (Riffs, Härte, Brüllgesang: „Don’t listen to the radio“, „Gross out“) ausleben kann. Dabei sind The Vines immer dann besonders gut, wenn sie ihre Extreme ausleben, also entweder besonders laut und punkig aus den Boxen knallen („Gross out“, „F*k yeh“) oder gar wunderbare Popmusik spielen („Vision valley“). Eher beliebig sind dagegen Country-Pop-Versuche á la „Take me back“ und mittelprächtige nirvanaeske Rocknummern wie „Futuretarded“.

Alles in allem ist das Album zu soft und poppig geraten, um The Vines noch als Garagen-Rockband wahrzunehmen. Dazu kommt, dass alle Songs in ein und demselben Frequenzbereich angesiedelt sind und sich scheinbar durch eine dichte Valium-Wolke kämpfen müssen. Und wenn am Ende die psychedelisch angehauchte Ballade „Spaceship“ aus den Lautsprechern schwebt, muss man unweigerlich an Syd Barrett (Pink Floyd) und Brian Wilson (Beach Boys) denken. Diesen Genies sind leider auch irgendwann die Gäule durchgegangen. Armer Craig Nicholls.

Anspieltipps:

  • F*k yeh
  • Gross out
  • Dope train
  • Vision valley
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