Cracker - Greenland - Cover
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Cracker Greenland


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 64 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Cracker, die vor 15 Jahren von Leadsänger und Songwriter David Lowery sowie Drummer/Songwriter Frank Funaro gegründet wurden, zählen zu den eher ironischen Bands und gerade daher ist es überraschend, dass Album Nummer Sieben namens „Greenland“ sehr viele echte Gefühle und gereiften Pathos enthält, welcher den Hörer umhüllt und ihm jede Menge Nähe schenkt. Zusammen mit David Immergluck (Counting Crows) und Mark Linkous (Sparklehorse) schufen Lowery und seine Kumpanen ein Album, welches zu dem schwierigsten und direktesten der Karriere auserkoren wurde.

Aber wer kann es trefflicher und glaubhafter umschreiben, als der Meister selbst: „Ich stand vor der Frage, ob ich weiter Musiker sein und weiter Songs schreiben wollte. Das habe ich mir mit dieser Platte beantwortet.“ Wir sind dankbar und vernehmen mit „Greenland“ einen Longplayer, der immer wieder seine Größe entfaltet und trotz einer Überzahl an ruhigen Arrangements Spannung pur ausstrahlt.

Sonnenbehangen tröpfelt der Opener „Something You Ain't Got“ durch seelenvolle mit Akustikgitarren und Piano benetzte Pfade, die einem gelungenen Einstand nicht im Wege stehen und dennoch nicht die ganze Offenbarung sind, welche aber mit zunehmender Spielzeit und wiederholtem Hören langsam aber sicher eintritt. Das Solo der Steel-Gitarre macht sich wunderbar, kommt allerdings nicht an die Versiertheit des Pianospiels heran, die Leichtigkeit für den kommenden Sommer über das Land verstreut. Die Räudigkeit des Rock´n Rolls schaut bei „Where Have Those Days Gone“ vorbei und trifft auf Folk, der dank des zweistimmigen Gesangs das Herz erobert und gleichermaßen nicht mit Melancholie geizt, auch wenn die eingängigen, spritzigen Melodien einem Tänzeln der Wohligkeit gleichen.

David Lowerys Stimme pendelt sich zwischen Gleichgültigkeit und dunkler Geste ein, um im trauernden „Fluffy Lucy“ eingebettet zu ganzer Größe aufzulaufen und gleichsam all´ dem angestauten Frust die Freiheit zurückzugeben. Verlassene Wüsten entstehen beim psychedelisch nachwirkenden „Sidi Ifni“ im Geiste und lassen den herausragenden Song dank musikalischer Weite und disharmonischen Ausflügen mit emotionaler Tiefe im Nachthimmel würdevoll erstrahlen.

Das folgende „I Need Better Friends“ ist dagegen recht unbeschwert und beehrt den Hörer textlich mit der humoristischen Seite von Cracker. Während „Night Falls“ von Streichern und dem allgegenwärtig verzierenden Piano lebt und in „Everybody Gets One For Free“ guter Sixties-Rock inkl. kräftiger Orgel für Schwung sorgt, ist die Gesamtheit des Albums interessant und bodenständig zugleich. Mindestens ein Ohr sollte man folglich diesem Werk schenken, wobei daraus auch schnell zwei Ohren werden können und akustisch die Seele geradezu übermannt wird.

Anspieltipps:

  • Sidi Ifni
  • Night Falls
  • Darling We're Out Of Time
  • Where Have Those Days Gone
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