Bruce Springsteen - We Shall Overcome: The Seeger Sessions - Cover
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Bruce Springsteen We Shall Overcome: The Seeger Sessions


  • Label: Columbia/SonyBMG
  • Laufzeit: 61 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Werk überzeugt wie schon der großartige Vorgänger „Devils And Dust“ durch einen fabelhaften „Ur-Sound“ und eine perfekte altmodische Instrumentierung.

Fluch oder Segen? Seit Bruce Springsteen seinen Vertrag mit Columbia/SonyBMG verlängert hat, aber längst nicht mehr soviel Einheiten pro Album absetzt wie erwartet, wird offenbar versucht, die besorgniserregende Diskrepanz zwischen Anspruch (Vorschusszahlungen) und Wirklichkeit (maue Absatzzahlen) durch Masse wettzumachen. Vier Veröffentlichungen in 12 Monaten stellen nämlich auch für beinharte Fans eine harte Belastungsprobe dar. Denn nach „Devils And Dust” (04/2005), „Born To Run: 30th Anniversary Edition” (11/2005) und „Hammersmith Odeon, London ´75” (03/2006) erscheint mit „We Shall Overcome: The Seeger Sessions” bereits der nächste Longplayer von unser allen Boss.

Weil Springsteen vor neun Jahren den Song „We shall overcome“ für ein Pete-Seeger-Tribute-Album aufnehmen sollte, aber so rein gar nichts über den 1919 geborenen Folkmusiker wusste, stiefelte er in einen Plattenladen und deckte sich mit einem Stapel Seeger-Alben ein. Seitdem hat sich seine Ansicht über Folkmusik total geändert und der kämpferische Pazifist Pete Seeger zählte fortan zu den liebsten Songwritern von Bruce Springsteen. Später hat sich der Boss immer wieder ein paar Songs des Folkies vorgenommen und mit befreundeten Musikern eingespielt. Insgesamt gab es drei Eintagessessions (1997, 2005 und 2006) ohne Proben und doppelten Boden. Deshalb kann man Springsteen schon mal während eines Liedes hören, wie er den Musikern – beteiligt an den Aufnahmen waren Sam Bardfeld (Violine), Art Baron (Tuba), Frank Bruno (Gitarre), Jeremy Chatzy (Bass), Mark Clifford (Banjo), Larry Eagle (Drums und Percussion), Charles Giordano (B3 Orgel, Klavier, Akkordeon), Ed Manion (Saxofon), Mark Pender (Trompete), Richie Rosenberg (Posaune), Soozie Tyrell (Violine), Lisa Lowell und Patti Scialfa (Background Vocals) – Kommandos gibt und den Einsatz der Instrumente vorgibt.

Das sehr plötzlich und unverhofft angekündigte Werk überzeugt wie schon der großartige Vorgänger „Devils And Dust“ durch einen fabelhaften „Ur-Sound“ und eine perfekte altmodische Instrumentierung. Man spürt förmlich den Spaß der Beteiligten an diesen live eingespielten Wohnzimmeraufnahmen. Ging es auf „Devils And Dust“ noch düster und introvertiert zu, lässt es der Boss mit den 13 Seeger-Tracks diesmal richtig krachen und bringt seine Art der Rockmusik in die Folksongs des alten Meisters ein. Mal poltert das Schlagzeug aufgeregt („Pay me my money down“), dann erklingen dumpfe Beats zu einem rumpelnden Bass und herrlich knuffigen Ragtimesounds mit Piano, Trompete und Geige („O Mary don’t you weep“, „Old Dan Tucker“).

Und wenn Springsteen auch noch singt, als hätte er einen Frosch namens Tom Waits verschluckt („Erie Canal“) oder losgelöst blökt wie ein Schaaf auf der Weide („John Henry“), nimmt die Freude kein Ende mehr! Dermaßen bis unter die Haarspitzen unter Strom stehend, hat man den Boss seit „The Rising“ (07/2002) nicht mehr gehört. Dabei gibt es auch einige entspannte Lieder auf „We Shall Overcome“ zu hören. Neben dem Titeltrack sind dies das reduzierte „Eyes on the prize“, das hymnische „My Oklahoma home” und das traurige, an Irish-Folk-Music erinnernde „Shennandoah”.

Auch wenn Bruce Springsteen für jüngere Plattenkäufer nicht mehr relevant zu sein scheint, ist er auf seinem 21. Album besser denn je. Er wiederholt sich nicht, sondern bietet erneut eine erstaunlich starke Songsammlung auf, die für pure Verblüffung sorgt. Natürlich handelt es sich „nur“ um Coverversionen, aber da die Wenigsten das Gesamtwerk Pete Seegers kennen dürften, ist die Songauswahl und die kongeniale Umsetzung als Geschenk an den Hörer zu werten.

Anspieltipps:

  • Erie Canal
  • John Henry
  • Jesse James
  • Jacob’s ladder
  • Eyes on the prize
  • O Mary don’t you weep
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