TempEau - Kein Weg Zurück - Cover
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TempEau Kein Weg Zurück


  • Label: BPX 1992/SonyBMG
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Band der beiden Freunde aus Kindheitstagen, Schauspieler mit Musikherz Marek Harloff und Ex-Selig-Vollblutmusiker sowie –texter Jan Plewka kennt ein Gros der Medieninteressierten wohl vor allem durch den mit Stil überstandenen Auftritt bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“. Doch ihr neues Album „Kein Weg Zurück“ mit den beiden Singles „Schöner Tag“ sowie „Vorbei“ ist nicht ihr Debüt, wie man vermuten könnte. Dieses erschien bereits ein Jahr zuvor, hieß schlicht und einfach „TempEau“ und war ein belebender Ohrenschmaus, der seine Würze aus griffigem Punk, viel Rock´n Roll und Wave-Essenz nahm. Während sich Jan und Marek die Gesangseinlagen teilen, entstehen die Songs gemeinsam mit dem Dritten im Bunde, Ex-Selig-Drummer Stephan „Stoppel“ Eggert, der TempEau als Trio komplettiert und keineswegs im Schatten der zwei in den Medien wesentlich öfter auftauchenden Musiker sein Dasein fristet.

Dass die Platte Spaß macht und mit ihrem beherzten Krach aus Rock plus sanfter Seele zum Tanzen in überfüllten Clubs einlädt, wird nach kurzer Zeit klar. Jedoch sind es vor allem die wohl dosiert politischen und persönlichen Texte, deren Klasse von Marek Harloff und Jan Plewka mit ihren unterschiedlichen Stimmlagen und Interpretationen höchst bewegend unterstrichen wird. Egal ob Abschiedsschmerz in „Vorbei“, bissige Ironie, die sich trotzdem frühlingshaft beschwingt als Ohrwurm enttarnt in „Schöner Tag“ und ernsthafte, deutliche Statements in Richtung sensationsgeiler, Lebensraum einschränkender Städteplanung bei „Elbtreppe“. Wenn dann noch deutlich die neue Qualität von Nazi-Rekrutierungsszenarien und blinde Liebelei mit rechtsextremem Gedankengut thematisiert wird, wie im Fall von „Mädchen Aus Greifswald“ ist man sich sicher: TempEau halten das Textzepter mit bodenständiger Klarheit nach oben. Musikalisch gibt es nichts sensationelles zu vermelden, doch das muss es bei derart eingängigem Rock´n Roll und funkelnden Balladen auch gar nicht.

Drumparts, die akzentuierter kaum sein könnten, schrammelige Gitarren und das harmonische Zusammenspiel der drei Akteure, welches den Spaß bei den Aufnahmen erahnen lässt und sich dem Hörer in jeder Sekunde deutlich erschließt, sind die Eckpunkte des Longplayers. Und obwohl bei „Caroline Peters“ die lyrische Großartigkeit stark nachlässt, bleiben TempEau auf „Kein Weg Zurück“ dem hohen Niveau treu und verteilen Kurzweiligkeit, so dass der Genussfaktor selbst nach dem x-ten Hördurchgang die Bestmarke anvisiert. Musik mit jeder Menge Herzblut von Leuten, denen man die Authentizität in jedem Atemhauch anmerkt für Leute, denen musikalische Standfestigkeit genauso wichtig ist wie Texte voller Fernweh und Klarheit, die auch wehtun darf.

Anspieltipps:

  • Unten Am Hafen
  • Nichts Und Niemand
  • Vorbei
  • Elbtreppe
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