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Diverse SZ Diskothek: 1981


  • Label: Ministry Of Sound
  • Laufzeit: 75 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Angekommen im Jahr 1981 berichtet Diedrich Diederichsen über das Aufbegehren des Untergrunds. Vier Jahre nach Punk gab dieser noch einmal alles: Man mischte Funk und Dub oder Disco und New Wave und fühlte sich ungemein frei. Doch plötzlich begann die Pose des ständigen Grenzüberschreitens zu langweilen. Fast sehnte man sich nach so etwas wie... Pop.

Eine der großen Neuheiten des Jahres war, dass man über weibliche Popmusik nachdachte. Feminismus, ein sattes Jahrzehnt vor Judith Butler, war damals vor allem noch Essenzialismus. Die Theoriegöttin des so genannten Differenzfeminismus war Luce Irigaray. Die These hinter allen kulturellen Emanzipationsforderungen – wie der nach einer weiblichen Rockmusik – lautete: Frauen sind essenziell anders als Männer, sie müssen gegen die männliche Dominanz ihre weibliche Ästhetik entwickeln. Dennoch war die Welt der Popmusik, zumindest ihre Undergroundversion, nie vorher oder nachher so arm an Stereotypen wie 1981. Kühne These, ja, aber überprüfbar wahr. Die evolutionäre Vielfalt, die auf die Abschaffung der Rockkultur durch die Stunde null der Ausdrucksmittel im Punk folgte, war aber nicht nur erfolgreichen ästhetischen Manövern geschuldet, sie hatte viel mit der Selbstorganisation durch unabhängige Label und Vertriebe zu tun, die in Großbritannien schon in den ersten Punkjahren einsetzte, um dann zu explodieren, vor allem in der Singlesproduktion.

Aber immer wenn plötzlich alles möglich ist, sucht man das Unmögliche. Und man hat immer auch einen Grund dafür. Das Paradigma Geräusch, Avantgarde, Extremismus war ziemlich genau gegen Ende des Jahres 1981 richtig langweilig. Die Funkyfizierung aller Geräusche und Extremismen, aller Depressionen und Desaster war vielleicht schon ein Schritt in die einzige unmögliche und daher zwingende Richtung: Pop.

Musikalisch stürzt sich die CD des Diskothek 1981 auf Songs von The Lounge Lizazards („Harlem nocturne“), Stray Cats („Stray cat strut“), Paolo Conte („Via con me“), Grace Jones („I’ve seen that face before“), Heinz Rudolf Kunze („Wir leben alle im Erdgeschoss“), Rick James („Super freak“), Duran Duran („Girls on film“) und Madness („It must be love“).

Anspieltipps:

  • Squeeze – Is that love
  • Iggy Pop – Pumpin’ for Jill
  • The Stranglers – Golden brown
  • Bob Dylan – Every grain of sand
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