Christina Aguilera - Back To Basics - Cover
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Christina Aguilera Back To Basics


  • Label: RCA/SonyBMG
  • Laufzeit: 79 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Sprung zwischen Christina Aguileras 1999er Debütalbum und ihrem letzten Werk „Stripped“ (2002) war sowohl künstlerisch ganz gewaltig als auch marketingtechnisch ziemlich gewagt. Aus dem braven Teen-Star, der vom „Genie in a bottle“ sang, wurde die verruchte X-Tina, der es in ihren Videoclips und bei Fotostrecken in Magazinen nicht „Dirrty“ genug sein konnte. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und Christina Aguilera hat eindeutig gewonnen und scheinbar alles richtig gemacht. Insbesondere mit einem vielschichtigen Album, das eine Hitsingle nach der anderen abwarf und damit für konstant hohe Verkaufszahlen sorgte.

Zwar ist Frau Aguilera noch nicht in die kommerziellen Regionen einer Britney Spears vorgestoßen, aber die schärfste Konkurrentin von X-Tina ist schwangerschaftsbedingt schon seit längerer Zeit nicht in der Lage, mit neuer Musik zu reagieren. Christina Aguilera nutzte die Zeit dagegen, um an ihrer Karriere zu feilen. In 18 Monaten (also „zwei imaginäre Schwangerschaften“) entstand in den Chalice Studios in Los Angeles ein Doppelalbum (!) mit 22 Songs, die eine Art moderne Aufbereitung alter Jazz-, Pop-, Soul-, Blues- und R&B-Stücke sein sollen. Die Entscheidung für ein Doppelalbum fiel dabei relativ spät, denn in der Popmusik ist so was alles andere als alltäglich. Aber die Plattenfirma nickte den Plan ab („... wer nicht wagt...“) und verzichtet damit auf zusätzliche Erträge. Schließlich hätte man das Album auch in zwei Etappen auf den Markt bringen und damit doppelte Kasse machen können – siehe Shakira. Andererseits hätten 79 Minuten Musik auch problemlos auf eine CD gepasst...

Zusammen mit Produzentin Linda Perry versucht Christina Aguilera auf „Back To Basics“ den Sound und das Lebensgefühl der 20er, 30er und 40er Jahre wiederzugeben. Das riecht stark nach Konzeptalbum, was in der Popmusik ebenfalls eher ungewöhnlich ist. Doch wenn das Konzept daraus besteht, das Kratzen einer alten Schallplatte in die Aufnahmen zu mischen, muss man sich schon an den Kopf fassen. Das in „Makes me wanna pray“ verwendete Sample des Traffic-Songs „Glad” hätte es jedenfalls auch ohne hamsterkäferartiges Rascheln gegeben. Im übrigen kommen mindestens die Hälfte der 22 Tracks nicht ohne Samples aus. Aber das soll keine Wertung darstellen. Denn bei Songs wie „Here to stay“ und „Ain’t no other man”, der ersten Single, funktioniert das Konzept richtig gut. Die Kombination aus alten Motown Bläserriffs und tanzbaren Grooves ist sehr gelungen, würde es Frau Aguilera nicht immer mit ihrer Stimme übertreiben. Natürlich kann die 25-Jährige hervorragend singen, aber das übermütige Rauf- und Runterklettern der Tonleiter, das dann in Schreien und Quieken mündet, muss einfach nicht sein.

So richtig Feuer hat die erste CD von „Back To Basics“ dennoch nicht. X-Tina liefert ein paar hübsche R&B-Songs („Slow down baby“, „F.U.S.S.“) und soulige Balladen ab („Oh mother“, „Without you“), die zwar allesamt ganz nett sind, aber sicher nicht die nachhaltige Spannung erzeugen, um eine ganze CD/Albumseite tragen zu können. Das Blatt wendet sich erst – aber zum Glück – auf dem zweiten Silberling, der viel authentischer, dem Konzept entsprechend, rüberkommt. Da wäre der groovende Swing von „Candyman“, das erotisch prickelnde „Nasty naughty boy“ oder der Dixie-Blues „I got trouble“. Hier zeigt sich Christina Aguilera von einer anderen, ganz neuen Seite, die es am Ende doch noch einigermaßen lohnenswert macht, sich „Back To Basics“ anzuschaffen. Na ja, und dann wäre da ja noch das vollfette, ähem, „abwaschbare“ Booklet mit ganz vielen bunten Bildern in Hochglanzoptik...

Anspieltipps:

  • Welcome
  • Candyman
  • Here to stay
  • Nasty naughty boy
  • Ain’t no other man
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