Bela B - Bingo - Cover
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Bela B Bingo


  • Label: BPX 1992/SonyBMG
  • Laufzeit: 55 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach über 20 Jahren im Musikgeschäft und jeder Menge Hits mit den Ärzten, beweist Bela auch auf seinem Solodebüt, dass er scheinbar mühelos in der Lage ist, eingängige Lieder zu schreiben.

Wie demokratisch es in Sachen Songwriting bei Deutschlands „Besser-Punks“ von den Ärzten zugeht, lässt sich als Außenstehender nicht beurteilen. Fakt ist aber, dass bei jeder Session Songs übrigbleiben, die von den anderen abgelehnt werden und es deshalb nicht auf die Ärzte-Alben schaffen. Die perfekte Gelegenheit also für Solo-Ausflüge und die große Chance, eigene Talente stärker zu verwirklichen.

Bei den Ärzten übernimmt Sänger und Gitarrist Farin Urlaub den Posten des Popstars und Sunnyboys, der für die lustigen Texte zuständig ist, während Steh-Drummer Bela B. den zynisch-verschrobenen Rock’n’Roller, Metal-Freak, Polit-Aktivisten, Horror- und Comicfan verkörpert. Doch alle Versuche, die Songschreiber Bela und Farin auseinander zu dividieren, müssen am Ende scheitern. Denn im Großen und Ganzen stehen auf ihren Soloalben wieder Songs, die auch auf den Platten ihrer Hauptband stehen könnten. Die Überraschungen halten sich also in Grenzen. Das war bei Farins der Fall und ist auch bei Belas Solodebüt „Bingo“ nicht anders.

Dennoch geht Dirk Felsenheimer alias Bela B. einen Schritt weiter, wie schon bei den ersten Solo-Ausflügen in den Achtzigern, als er mit Depp Jones derbe auf die Kacke haute, während Farin mit King Kong zahm pop-rockte. Diesmal läuft die Sache ähnlich. Farin Urlaub nutzt für seine Solo-Sachen die eingespielten Vertriebswege von Universal Records. Bela hat sich dagegen mit mehr als zwei Dutzend neuen Songs in der Tasche und eigenem Management dem frisch gegründeten „BPX 1992“-Label (Four Music) angeschlossen. Maximum Rock’n’Roll sozusagen, der mit viel Witz, Ironie und einer Priese Größenwahn vorgetragen wird. Co-Produziert wurden die 17 Tracks auf „Bingo“ im übrigen von Olsen Involtini und Wayne Jackson (Ex-Dostoyevskys).

Nach über 20 Jahren im Musikgeschäft und jeder Menge Hits mit den Ärzten, beweist Bela auch auf seinem Solodebüt, dass er scheinbar mühelos in der Lage ist, eingängige Lieder zu schreiben. Das fängt bei der Singleauskopplung „Tag mit Schutzumschlag“ an, die mit Gesellschaftskritik nicht hinterm Berg hält, geht über Zusammenarbeiten mit Altstar Lee Hazlewood („Lee Hazlewood & das erste Lied des Tages“), TV-Moderatorin Charlotte Roche („1. 2. 3. ...“) und einer Dame namens Lulu („Hab keine Angst“), bis hin zu schrägen Vampirgeschichten („Der Vampir mit dem Colt“) und einer sich auffällig bei Nick Caves „Where the wild roses grow“ bedienenden Mörderballade („Hab keine Angst“). Man merkt, Bela B. ist in seinem Element und lässt seinen kruden Stories freien Lauf. Allerdings verzichtet er dabei auf Ausflüge in den Metal-Bereich. Dafür kommt sein Hang zum Glamrock, 60s Sounds, Punk und Country sehr schön zur Geltung. Dadurch gestaltet sich „Bingo“ als abwechslungsreiches Album mit allerhand Entdeckungspotenzial, ganz nach dem Motto: „Bingo – du willst es doch auch!“

Anspieltipps:

  • Gitarre runter
  • Hab keine Angst
  • Traumfrau again
  • Sie hat was vermisst
  • Tag mit Schutzumschlag
  • Der Vampir mit dem Colt
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