Blog27 - LOL - Cover
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Blog27 LOL


  • Label: Kontor/EDEL
  • Laufzeit: 38 Minuten
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1/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Die große Frage, die sich schon beim Erscheinen der Single „Durch den Monsun“ offenbarte: Wer würde Tokio Hotel supporten, wenn diese durch Deutschland und andere deutschsprachige Gebiete touren? Die Antwort folgte auf dem Fuß mit den zwei polnischen Mädels Tola und Alicia, die zeigen: Es kann noch schlimmer kommen! Die Dreadlocks tragenden 13-Jährigen schaffen wahrhaftig, dass das Kopfschütteln unbekümmerter Resignation weicht und die Zielgruppe der 8 - 12-Jährigen, denen die vier Magdeburger möglicherweise noch zu stürmisch sind, jetzt auch eine neue Lieblingsband bekommen hat, von denen alles durch Mami und Papi gekauft werden soll. Das fängt bei der bereits Mitte Februar veröffentlichten Debütsingle „Uh la la la“ an, spinnt sich fort zum nun erschienenen Album „LOL“ und endet in der neuen Maxi-CD „Hey boy“ oder in den natürlich bereits erhältlichen Klingeltönen und Handylogos. Wieso sollte auch viel Zeit mit Promotion verschwendet werden, der Support von Tokio Hotel ist Werbung genug.

Überhaupt wird bei näherer Betrachtung ersichtlich, dass bei Blog27 wieder eine ganze Reihe Profis am Werk waren, die, das Erscheinungsbild und die Musik betreffend, ganze Arbeit geleistet haben. Zum einen die erste Single, die ein Cover eines Charthits aus dem Jahr 1997 (Alexia – „Uh la la la“) ist, an den sich die Hauptkonsumenten wohl nur schwer erinnern werden, da sie zu dieser Zeit höchstwahrscheinlich noch in den Windeln lagen. Dann der Bandname, der auf das zur Zeit grassierende Bloggen eingeht um möglichst „up to date“ zu wirken, der Titel des Albums, der jedoch angesichts des lächerlichen Inhalts der CD zur unfreiwillig komischen Selbstpersiflage verkommt („ROFL“ würde sich dann als Nachfolger anbieten) und erst das Outfit, das das rotzfreche Image der beiden Minderjährigen doppelt und dreifach unterstreichen soll, damit auch ja niemand missversteht, dass Blog27 ganz und gar auf eigenen Beinen stehen und „zweifelsohne ein Riesentalent haben und noch mehr Selbstbewusstsein“.

Musiktechnisch bewegt sich das Ganze auf dem Niveau der Kollegen von Chipz, Banaroo und wie sie alle heißen, was nichts anderes bedeutet, als dass möglichst viel Wert darauf gelegt wurde, besonders eingängige Refrains mit mehr oder weniger kinderfreundlichen Texten zu kreieren, die wie alte Zuckerwatte in den Zähnen kleben bleibt und Karies verursacht. Dass ein beschränktes Arsenal an Sounds und Samples aufgefahren wird, die immer wieder in den 12 Songs auftauchen und gelegentlich eine Modifizierung erfahren, um den Anschein zu erwecken, neu zu sein, bzw. um die Tracks voneinander unterscheiden zu können, ist nebensächlich. Hauptsache es rockt irgendwie („Stay outta my way“, „Wid out ya“), popt nervtötend vor sich hin („Uh la la la“, „Hey boy“, „Destiny“), tänzelt in Disco-Manier aus den Boxen („I want what I want“, „I´m callin´ u“) oder zeigt die Mädels von ihrer „verletzlichen/balladesken Seite“ („Who I am?“).

Blog27 ist Breitwand-Dance-Pop für Kids, die sich „LOL“ mit dem am gleichen Tag erscheinenden Werk von Banaroo namens „Amazing“ kaufen und keine Ahnung von Englisch haben, sodass es nicht stört, dass der polnische Akzent der Zwei eigentlich extrem störend ist und der Gebrauch von umgangsprachlichen Floskeln wie „Ya“, „Outta“, „Wid“ und so weiter keinerlei pädagogische Aspekte hat, sondern eher schlecht für das Erlernen dieser Fremdsprache sein kann. Hoffentlich schaffen es wenigstens ein paar Eltern ihren Kindern vom Kauf der CD abzuraten, ansonsten dürfen wir in ein paar Monaten mit vielen verzogenen deutschen Kindern rechnen, die Probleme haben, ihre Englisch-Klausuren zu schreiben. Na dann Prost!

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