Type 0 Negative - Dead Again - Cover
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Type 0 Negative Dead Again


  • Label: Steamhammer/SPV
  • Laufzeit: 78 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Peter Steele (Gesang, Bass), Kenny Hickey (Gesang, Gitarre), Josh Silver (Keyboard) und Johnny Kelly (Schlagzeug) wollen den „tollen Mönch“ also ein zweites Mal tot sehen. Dieser, auch bekannt unter Grigori Jefimowitsch Rasputin, wurde nach St. Petersburg gerufen um eine offene Wunde des Zarensohnes Alexei, der an schlechter Blutgerinnung litt, zu heilen. Als dies in der Tat passierte wurde er am russischen Königshof mit offenen Armen empfangen und erfreute sich eines exzessiven Lebens, bis ihn Verbündete von Zar Nikolaus II ermordeten. Diese sinistre Gestalt blickt nun vom Cover des siebten Werkes „Dead again“ und eignet sich hervorragend um gleich vornweg einen dunklen Schatten über den neuesten Longplayer der Brooklyner Formation zu werfen.

Dabei rappelt der titelgebende Opener in zügigem Punkrock nach über einer Minute Einleitung vor sich hin, sodass erst „Tripping a blind man“ die schwarzen Abgründe öffnet und sich sogleich zähe Lavariffs über den Hörer ergießen bis der Track in eine wütende Darbietung „Moderne meets Black Sabbath“ ufert. „The profits of doom“ schleppt sich im Anschluss erst einmal etliche Riffwände empor, Steele erklärt „Goodbye cruel world“ und das elfminütige Monster rockt daraufhin gemächlich, schwelgt in bester Doom-Manier oder offenbart ein paar Sitarklänge kurz bevor mehrmals hintereinander „My soul´s on fire“ geraunzt wird, was Ozzy Osbourne Ende der 60er jedoch wesentlich bedrohlicher hinbekommen hätte.

Erst einmal verdutzt hinterlässt einen „Semptember sun“, gibt es schließlich geradezu fröhliche Klavierklänge auf die Ohren und auch nachdem die Instrumente kurz auszucken, scheint die eingängige Melodie nichts anderes zu wollen als dem dezenten Rock nicht mehr als ein Wechselbad aus Pianogeklimper und düsteren Gesang abzuluchsen. Letzten Endes gibt es zumindest ein paar Orgeltöne, Steele beginnt in Lindemannscher Manier sein R zu rollen und tiefer gestimmte Saiteninstrumente beschließen das Szenario mit lärmendem Instrumentarium im Hintergrund nach zehn hakenschlagenden Minuten. Ins Fegefeuer werfen uns Type 0 Negative in „Halloween in heaven“, das wieder einen Zahn zu legt und sogar eine zarte Frauenstimme mit sich bringt. Ob sich „Christmas in hell“ so anhört, muss allerdings jeder für sich selbst entscheiden.

Jedenfalls legen die Jungs mit „These three things“ die epische Latte auf die nächste Stufe und walzen und rocken erst einmal zehn gleichförmige Minuten lang, bevor es erst saftiger ans Werk geht und die Gitarre kurz „Hey Jude“ von den Beatles aufnimmt. Für kleine Scherze waren Steele, Silver, Hickey und Kelly schließlich immer aufgelegt. Abgesehen davon zeugt dieser Song von der zurückgefundenen Spiellust des Quartetts, die mit Outputs wie „World coming down“ (1999) bisweilen flöten gegangen schien. Im Vergleich zum Vorgänger seiner Tracklänge nach etwa auf die Hälfte reduziert (nämlich knapp acht Minuten) schnalzen die Brooklyner mit „She burned me down“ dann das geradlinigste Stück aus den Saiten. Nach fünf geradezu popigen Minuten (im Bezug auf das restliche Schaffen Type 0 Negatives natürlich) trampelt Steele mit donnerndem Instrumentarium auf den Hörer ein bis Hickey ausbricht und alles wieder in geregeltere Bahnen lenkt und der Song wieder an den Anfang zurückkehrt, was den stimmigsten, zugänglichsten und in sich geschlossensten Track von „Dead again“ abschließt.

Danach zeigt der Vierer mit „Some stupid tomorrow“, dass es auch durchaus knalliger zugehen kann und holzt in herrlich sinnentleerter und moshender Manier durchs Unterholz. In den Black-Sabbath-Kosmos reihen sich dann die zwei letzten Stücke „An ode to locksmiths“ und „Hail and farewell to Britain“ ein, obwohl es vor allem in ersterem flotter ans Werk geht. Die letzten 1½ Minuten wird der Notstand ausgerufen, Flugzeuge kreisen über unseren Kopf und eine Bombe bläst den Hörer ins Jenseits, während eine total kranke Stimme irres Gelächter anstimmt. Wahrscheinlich Rasputin, der uns gerade mit in den Tod genommen hat. Welch grausames Ende für eine Platte, die, wäre sie um etwa 5 – 10 Minuten gekürzt worden, ein weiterer Klassiker von Type 0 Negative geworden wäre. Die Jungs scheinen aber wohl keine Scheiben unter 70 Minuten veröffentlichen zu wollen.

Anspieltipps:

  • These Three Things
  • She Burned Me Down
  • Tripping A Blind Man
  • Some Stupid Tomorrow
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