Fler - Trendsetter - Cover
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Fler Trendsetter


  • Label: Aggro Berlin
  • Laufzeit: 67 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Deutschlands HipHop/Rap-Szene ist in verschiedene Lager gespalten. Dabei verteilt sich der Kuchen größtenteils auf die Label bzw. Kollaborateure von Aggro Berlin (u.a Sido) und Ersguterjunge (u.a. Bushido). Aus diesem Grund herrscht Ende Juni große Spannung unter Fans, Fachleuten und Musikern. Alle stellen sich die Frage: Wer macht das Rennen – Eko Fresh oder Fler? Denn beide Rapper bringen am selben Tag ihre neuen CDs heraus.

Eko Fresh, der bei Modul/SonyBMG unter Vertrag ist, wobei es die Spatzen längst von den Dächern pfeifen, dass Eko nach Vertragsende zu Ersguterjunge wechseln wird, vertraut voll auf die Unterstützung seines Berliner Kumpels Bushido, einen der wenigen Rapper Deutschlands, der Absatzzahlen im sechsstelligen Bereich vorweisen kann. Er nahm Eko mit auf seine erfolgreiche Tour und nun soll mit seinem Feature auf der Single „Gheddo“ Ekos Album „Hart(z) IV“ in die Top 10 gepuscht werden. So eine Hilfestellung hat der Aggro-Berlin-Star eigentlich nicht nötig, obwohl auch er mit Sido, B-Tight, G-Hot und Sultan Hengzt ein paar große Namen auf „Trendsetter“ präsentiert.

Die kommerzielle Ausgangslage und die Erwartungshaltung der Fans ist bei beiden Rappern total unterschiedlich. Bei Eko fragen sich alle, ob er nach seinem tiefen Absturz die Kurve bekommt. Bei Fler wird dagegen gerätselt, ob der Nachfolger seines viel diskutierten Debütalbums „Neue deutsche Welle“ (2005) ebenso kontrovers ausgefallen ist. Man erinnere sich: Damals steckten einige Medien den 24-Jährigen ins Nazi-Lager. Sie hängten sich an seinem Logo sowie den gewiss etwas doppeldeutigen Texten auf („Nach eigenen Regeln“) und stellten ihn öffentlich als Rechtsradikaler an den Pranger. Das wird dem Rapper nicht gefallen haben. Aber da Fler keinen Hehl daraus macht, dass er einfach nur viele Platten verkaufen will (und dafür schon mal mit Pseudo-Rappern wie DJ Tomekk gemeinsame Sache macht), wird er sich vielleicht sogar über die kostenlose Promo gefreut haben. Denn „Any News are good News!“

„Trendsetter“ ist um einiges persönlicher ausgefallen als Flers Debüt. Er verarbeitet darauf seine schwere Kindheit („Vatermorgana“) und erzählt von seiner ersten großen Liebe, die bis auf einen One Night Stand nichts zu bieten hatte („Böser Engel“, der eindringlichste Track des Album). Er hetzt gegen seine Lieblingsfeinde Eko Fresh („Papa ist zurück“) und Bushido („A.G.G.R.O. Gee“), feiert sich und das Aggro-Label ab („Trendsetter“), lässt seine Freunde hochleben („Meine Homies“) und reflektiert über Gewalt an Schulden und die Perspektivlosigkeit der Kids („Die Schule brennt“). Für die Beats der 19 Tracks sind u.a. Tai Jason, DJ Kenny D, Paul NZA und die Beathoavenz verantwortlich, wobei der Löwenanteil der „Trendsetter“-Tracks von Produzent DJ Desue stammt.

Der Einstieg fällt mit „Papa ist zurück“, der ersten Singleauskopplung, ziemlich furios aus. Fler macht eindrucksvoll deutlich, dass er wieder da und die Nummer eins ist. In dasselbe Horn bläst auch „Der Guteste“, auch wenn die Beats nicht mit dem Opener mithalten können. Ähnlich spannungsfrei geht es erst mal weiter, bis A.G.G.R.O. Gee wieder ordentlich knallt. Damit pendelt sich „Trendsetter“ auf dem erhofften Niveau ein, das „Neue deutsche Welle“ vor einem Jahr vorgegeben hatte. Die Beats sind meistens ziemlich cool, die Texte authentisch und nicht ausschließlich auf dumpfes „Sex und Gewalt“-Proll-Gehabe ausgelegt. Und wenn es doch mal heftig zur Sache geht, ist immer noch ein Rest Humor vorhanden („Backstage Pass“). Im direkten Vergleich mit Eko Fresh und seinem „Hart(z) IV“-Album liegt „Trendsetter“ aber minimal zurück. Köln-Kalk ist diesmal einfach eine spur fresher als West-Berlin. Echt verrückt, Alter...

Anspieltipps:

  • Ich scheine
  • Breakdance
  • Böser Engel
  • Backstage Pass
  • Papa ist zurück
  • A.G.G.R.O. Gee
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