Dirty Pretty Things - Waterloo To Anywhere - Cover
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Dirty Pretty Things Waterloo To Anywhere


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 33 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

2002 explodierte mal wieder die Rockmusikszene und nichts war mehr so, wie es einmal war. Eine britische Krawallgruppe namens The Libertines fiel über uns her und verwirrte mit schrägen Songs zwischen Genie, Wahnsinn und nicht zu leugnendem Dilettantismus. Das Kreativduo der Libertines bestand aus Pete Doherty und Carl Barat, die sich liebten und hassten und nur wenig später wie Sternschnuppen verglühten. Die Libertines waren schneller am Ende, als alle dachten. Denn dass diese Band keine Zukunft haben würde, hatte jeder geahnt. Dennoch machten beide mit der Musik weiter. Barat mit dem Dirty Pretty Things und Doherty mit den Babyshambles.

Nach dem Libertines-Split drehte Crackhead Pete Doherty so richtig ab und beherrscht seitdem die Medien mit widerlichen Drogenabstürzen und verhunzten Konzerten. Ach ja, ein Babyshambles-Album gab es auch. „Down In Albion“ hieß es und war gar nicht so schlecht, gemessen am körperlichen und geistigen Zustand Dohertys. Um Carl Barat wurde es dagegen vergleichsweise still. Er verbrachte viel Zeit in seiner Wohnung in Waterloo, komponierte und stellte die Dirty Pretty Things zusammen. Wobei, soviel gab es da gar nicht zu organisieren. Denn mit Schlagzeuger Gary Powell und Gitarrist Anthony Rossomando (Ex The Damn Personals) stehen zwei Ex-Libertines im Line-up der Dirty Pretty Things. Powell ist der Ur-Drummer des Ex-„Next Big Thing“ und Rossomando der Tourgitarrist für den abgetauchten Pete Doherty. Dazu wurde noch Didz Hammond, ehemaliger Bassist von The Cooper Temple Clause, geholt.

„Waterloo To Anywhere“ entstand in zwei Sessions in Los Angeles mit Produzent Dave Sardy (Oasis, Jet) und im schottischen Glasgow mit Tony Doogan (Mogwai, Belle And Sebastian). In bekannter Babyshambles/Libertines-Kürze von gerade mal 33 Minuten, knüpfen Carl Barat und Co. an bekannte 70er Jahre Schrammel-Sounds an. Allerdings wirken die elf Songs auf dem Album eine Spur durchdachter, auskomponierter und nicht so wild aneinandergereiht, wie beim letzten Libertines-Werk. Sie erzählen vom Zustand Englands, den Reisen eines Seefahrers, häuslicher Gewalt, dem Ende der Libertines und der eigenen Selbstverwirklichung. Dabei rumpelt und knirscht es gehörig in den Lautsprechern. Der Bass springt wie ein Gummiball, die Gitarren gniedeln, und das Schlagzeug scheppert. Das alles kennen wir inzwischen. Und deshalb ist es kein Wunder, dass trotz einiger guter bis sehr guter Songs. ein wenig die Luft aus dem Phänomen britischer Post-Garagen-Punkbands raus ist. „Waterloo To Anywhere“ ist ein Album, das man zur Kenntnis nimmt. Begeisterung kann es nicht erzeugen.

Anspieltipps:

  • Gin & milk
  • You fucking love it
  • Blood thirsty bastards
  • Bang bang you’re dead
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