Thursday - A City By The Light Divided - Cover
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Thursday A City By The Light Divided


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Entgegen vieler Meinungen haben sich Thursday nicht an einem Donnerstag kennen gelernt. Niemand der Jungs wurde von seiner Freundin an diesem Tag verlassen und in den Registern der Geschichtsbücher findet sich auch kein historisches Ereignis wie der „Bloody Thursday“ oder der „Ascherdonnerstag“. Was nun wirklich hinter dem Bandnamen steckt weiß niemand genau. Wie die Jungs den Weg bis nach Oben geschafft haben, dafür umso besser. Im Keller des gemeinsamen Hauses in New Jersey trafen sich die Sechs eigentlich nur, um ihre Musik als Ventil für angestaute Aggressionen und Wut zu nutzen. Doch schon sehr früh erkannten sie ihre eigentliche Passion am „Krach machen“ und so wurde der Keller kurzerhand zum Konzertraum ausgebaut und lieferte seinerzeit sogar heutigen Größen wie At The Drive-In oder Hot Water Music ein öffentliches Forum.

Den Probe-Keller gibt es heute leider nicht mehr, dafür genießen Thursday in den Staaten und Kanada einen regelrechten Dozenten-Status. Das liegt wohl daran, das Thursday für viele zu den wahren Taufpaten des Emo, den Wegbereitern einer ganzen Ideologie, den Jedi-Meistern der unwissenden Padawan zählen. Kein Wunder, denn Thursday bedeutet gesangliches Dahinschmachten, Wut und Verzweiflung, jenseits von harmonisch und dennoch mehr als eingängig. Knarrende Gitarren, sphärisch und verschroben, für die man schon fast ein Mathebuch benötigt. Pushende Grooves, welche dieses ganz gewisse Kribbeln um die Magengegend erzeugen und Melodien, wie sie melancholischer nicht sein könnten. Klingt gar nicht nach Emo? Stimmt genau, denn was Thursday machen, lässt sich nicht mit einem Zettelchen versehen und dann in irgendeine Schublade stecken.

Thursday machen ganz einfach Rockmusik, die nicht kleckst, sondern kleckert. Musik mit Köpfchen, für Leute mit Köpfchen. Vertrackte Songkonstrukte, fast schon progressiv und immer mit einem Hauch von Epos. Musikalische Kurzgeschichten, die man öfters lesen muss, um die versteckten Botschaften zu begreifen. Und doch sind Thursday auch irgendwie eine Schubladengeburt der Emo-Kommode. Ihre Musik ist nicht übermäßig hart, sondern angemessen zornig, die ruhigeren Passagen nicht schnulzig, sondern ganz einfach zart und zerbrechlich. Ihre Texte handeln nicht von Fotos der Verflossenen, von Selbstverstümmelung als sehr geistreiche Ablenkung vom Herzeleid oder von Rotwein, Badewanne und Rasierklingen, sondern ganz einfach vom wahren Leben.

Ein Song wie die Schrammelhmyne „Counting 5-4-3-2-1“ spiegelt die Oberflächigkeit dieser ignoranten Gesellschaft wieder und ruft sie in einem letzten Countdown auf, ihr Schicksal selbst in die Hände zu nehmen: „Kommt, lasst es uns niederbrennen, das Fundament des Übels. Die graue Stadt, mit ihren urbanen Grausamkeiten, das Zuhause des Spießbürgers und der Gleichgültigkeit“. Sowieso scheinen alle Thursday-Tracks irgendwie durch eine Art nüchterne Verzweiflung dominiert zu sein, einem Spiegelbild der inneren Ängste. Auf eine sehr intensive Weise sind sie eine Hommage an dieses schwierige Leben in diesen noch viel schwierigeren Zeiten.

Dass soviel Nüchternheit nicht gerade leicht verträglich ist, scheint natürlich vorprogrammiert und dass solch solide Musikbatzen nicht unbedingt nach dem ersten Bissen schmecken, ist auch klar. An Thursday muss man sich eben langsam herantasten, Happen für Happen. Thursday machen Musik mit Nachgeschmack, Musik welche erst richtig zündet, wenn der Player längst wieder verstummt ist und während die Gedanken in eine andere Richtung schweben. Und wer sich jetzt noch fragen sollte, was denn nun „A City By The Light Divided“ zu bieten hat!? Die Platte ist wie beschrieben, eigen- aber auch einzigartig.

Anspieltipps:

  • Counting 5-4-3-2-1
  • Running From The Rain
  • The Other Side Of The Crash/Over And Out Of (Control)
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