Frank Black - Fast Man, Raider Man - Cover
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Frank Black Fast Man, Raider Man


  • Label: Cooking Vinyl/INDIGO
  • Laufzeit: 96 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, dass der mit der stilprägenden Indie-Rock Formation Pixies zu Weltruhm gelangte Frank Black die euphorisch gefeierte Pixies-Reunion mit einem astreinen Country-Album namens „Honeycomb“ für seine Zwecke umkehrte. Weit ab vom krachigen Sound seiner Band begibt sich Frank Black nicht erst seit gestern auf ruhige Pfade, die von Nashville-Größe Jon Tiven (Wilson Pickett, B. B. King, Robert Plant) produktionstechnisch begleitet werden und heimelige Country/Southern Soul-Wohltaten Gehör verschaffen.

Nun lud sich der nicht mehr ganz taufrische, „leicht“ untersetzte Mann mit der Glatze wieder eine illustre Runde (u. a. erneut Spooner Oldham, Steve Cropper und Reggie Young) ins Studio ein, welches durch unzählige Musiker wie beispielsweise Tom Petersson (Cheap Trick) sowie Al Kooper weiter ausgefüllt wurde. Trotz unglaublichem Namedroppings verliert das Doppelalbum „Fast Man, Raider Man“ nichts von seiner Persönlichkeit und der spröden Authentizität eines grandiosen Geschichtenerzählers/Songschreibers wie Frank Black, der sich anscheinend durch die Auszeit seiner Catholics musikalisch immer mehr öffnet und dadurch eine Menge an Größe gewinnt.

Dieses Mammutwerk stellt sich nun also der Herausforderung, auf gesamter Länge die Spannung und den Hörgenuss hoch zu halten. Jede der zwei Scheiben hält echte Ohrwürmer für uns bereit und ist eine im wahrsten Sinne des Wortes runde Sache, die durch die unzähligen Gastmusiker und Einsätze von so ziemlich jedem Instrument der Musikgeschichte harmonisch in die Ohren wandert, den Geist erquickt und einen Hauch von verstaubten, sonnendurchfluteten Bars in die Wohnzimmer der Welt bringt. Auch die schlaflosen Nächte dürfen mit dem Hören von „Fast Man, Raider Man“ demnächst sinnvoll verbracht werden, denn „Fast Man“ als einer von 27 Songs dümpelt im besten Sinne bedächtig vor sich hin, wird von Blacks falsett-artigen Ausflügen flankiert und erzeugt die großen Momente, welche geläuterte Herren immer noch am besten zelebrieren und die so unverfälscht wie brüderlich dir auf die Schultern klopfen.

Diesen Nachdruck auf den Schultern möchte man nicht mehr wissen, wenn das Piano in „You Can´t Crucify Yourself“ vor keinem Engtanz zurückschreckt und gar selbst die ersten Schritte vollführt. Ein Saxophon-Solo, wie es dass eine tragische Geschichte vom Hurricane-Unglück am Mississippi erzählende „Terrible Ways“ hervorbringt, kommt im Kontext dieses wahrhaftig bodenständigen und nicht minder beglückenden Doppelalbums noch atemberaubender rüber, als man es erwarten würde. Um nach all´ den ruhigen, öfters swingenden Songs mal richtig den Rocker in Frank Black wiederzuentdecken, bietet sich „Elijah“ bestens an, welches auch stimmlich den Frust von der Seele rockt.

Es bleibt kein Wunsch offen, daher darf man sich nach dem mehrmaligen Genuss von „Fast Man, Raider Man“, welches man trotz des Umfanges immer wieder in den Player einlegen möchte, wirklich fragen, woher Mr. Black die Kreativität nimmt, die ihn auch schon auf dem letztjährigen Werk „Honeycomb“ in so klassische wie herzerweichende Country-Regionen brachte und jetzt sogar 96 Minuten lang freudig durch die Lautsprecher perlt. Leichte Blues- und Rockanleihen schenken diesem Longplayer eine weitere lockere Note und balancieren ein Werk aus, dass ohne mit der Wimper zu zucken als grandios zu bewerten ist.

Anspieltipps:

  • Johnny Barleycorn
  • Wanderlust
  • I´m Not Dead (I´m In Pittsburgh)
  • In The Time Of My Ruin
  • Highway To Lowdown
  • My Terrible Ways
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