Celtic Frost - Monotheist - Cover
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Celtic Frost Monotheist


  • Label: Century Media/EMI
  • Laufzeit: 68 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

2006 scheint ein besonders guter Jahrgang für Untermalungen schwarzer Messen zu sein. Zuerst bescherte uns Killing Joke mit „Hosannas from the basements of hell“ Ende März einen Höllentrip ins Innere von Luzifers Reich, nun steht Celtic Frosts düsteres und verstörend packendes Reunionwerk „Monotheist“ in den Läden und noch vor Ende des Sommers wird Satans Stammband Deicide höchstpersönlich auf einen Sprung ins Erdenreich vorbeischauen um mit „The stench of redemption“, das voraussichtlich Mitte August veröffentlicht wird, dem göttlichen Abgesandten ein weiteres Mal den Kampf anzusagen. Wo allerdings bei den Londonern rund um Jaz Coleman der Industrial als Bindeglied zwischen Himmel und Hölle verwendet wurde, so ist es bei den Schweizern Thomas Gabriel Fischer (Gesang, Gitarre), Martin Eric Ain (Bass) und Franco Sesa (Schlagzeug) schwerfälliger, zähflüssiger Metal, der mit einem bedrohlichen Klang aus den Boxen zischt.

Bereits beim Opener „Progeny“, der noch recht geradlinig konzipiert wurde, ist besonders gut hörbar, dass die Mitglieder von Celtic Frost Black Sabbaths selbstbetiteltes Debüt nicht nur einmal konsumiert haben und dass die amerikanische Progressiv Metal-Band Tool mit ihren geschwärzten Bassläufen ebenso ihre Finger im Spiel hatte, obwohl unklar ist, wer hier eigentlich wen beeinflusst hat. Wie dem auch sei, nach dem drückenden „Ground“ beginnen sich in „A dying god coming into human flesh“ langsam und bedächtig ohne großes Zutun kranke Szenarien im Kopf des Hörers zu entfalten. Missgestaltete Kreaturen, seltsame Geschöpfe und abscheuliche Folterungen sind nur wenige Dinge, die einem durch den Kopf schießen, während Fischer immer und immer wieder dieselben Phrasen ins Gehör trichtert, bis der lärmende Schluss gleichbedeutend für den Niedergang Luzifers auf die uns bekannte Erde ist.

Gleich in „Drown in ashes“ versucht uns dieser nämlich mit betörender Frauenstimme zu bezirzen und als er merkt, dass es nicht funktioniert, erklärt er während „Os abysmi vel daath“ inmitten einer schleppenden Gitarre-Bass-Konstellation mit bedrohlich erhabener Stimme: „Where I am there is no pain, no god, no me, no in between”, woraufhin das Ziel erreicht und man gebannt vor den Lautsprechern sitzt. „Obscured“ ist im Anschluss daran geradezu versöhnlich, die Krachorgie gegen Ende erschreckend brutal, „Domain of decay“ fungiert als Überleitung zum erbarmungslosen und bislang temporeichsten Stück „Ain elohim“, das wiederum in das dreiteilige Triptychon, bestehend aus „Totengott“, „Synagoga satanae“ und „Winter“, mündet. Der erste Teil donnert noch ziellos vor sich hin, während das beinahe 15 Minuten lange Mittelstück alles Gehörte in einen Topf wirft und kräftig umrührt, bis mit dem finalen Requiem die Instrumente aus der Hand gelegt werden und ein klassisches Ensemble die Platte angenehm und überraschend beseelt ausklingen lässt.

„Monotheist“ erscheint 16 Jahre nach dem letzten regulären Studioalbum „Vanity/Nemesis“ und bläst den Hörer mit einem apokalyptischen Szenario vom Sessel, dass man nach dem ersten Durchgang nicht weiß, ob man Männlein oder Weiblein ist. Der einzige Nachteil an der kompromisslosen Härte der elf Stücke ist die minimalistische Verwendung von Akkorden, die zwar packend umgesetzt, aber auf Dauer ruhig ein wenig abwechslungsreicher gestaltet hätte werden können. An der Produktion von Peter Tätgren (Dimmu Borgir, Hypocrisy, Immortal) gibt es nichts auszusetzen, das geht definitiv auch nicht merklich besser. Celtic Frost haben sich auf ihre Stärken verlassen und werfen endlich wieder dunkle, bedrohliche Schatten. Gut so!

Anspieltipps:

  • Winter
  • Ground
  • Os Abysmi Vel Daath
  • A Dying God Coming Into Human Flesh
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