Ascii.Disko - Alias - Cover
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Ascii.Disko Alias


  • Label: Ladomat/Intergroove
  • Laufzeit: 74 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Ascii.Disko ist Daniel Holc, ein Hamburger, den es im Sommer 2004 nach Madrid verschlagen hat und ein Jahr vorher mit dem selbstbenannten Debüt auf L´Age D´Or nicht nur in der Techno-Welt punkten konnte. Vor allem der Hit „Strassen“ drehte sich auf so manchem Plattenteller, vom Dancetempel über Indierockschuppen bis zum freigeistigen Gothicpalast. Es folgten Remixe für Robocop Kraus, Tigerbeat und andere, während die Vorabsingles „Black Metal“ und „Bliss“ Lust auf den nun vorliegenden Zweitling machten. Die wärmeren Gefilde hatten offenbar keinen negativen Einfluss auf die vorwiegend dunklen und rauen Strukturen, denn Daniel bezaubert mit Druck und Songs, die von der Stimmungsausrichtung stets im Rock geerdet elektronische Musik in Reinkultur offenbaren und dennoch Punk, Wave sowie die Verspieltheit von Funk in sich vereinen.

Lauernde Basslines und zielgerichtete Beats eröffnen das Album in Form von „Closer“. Doch wer einen brachialen Opener erwartet, wird enttäuscht. Die melancholische Ausrichtung wird vor allem vom zurückgenommenen Gesang gefördert und erweist sich gleich als echter Hinhörer. Großartige Breaks und im Hintergrund agierende Melodien strahlen Charme und Eingängigkeit aus, die gerade wegen des Minimalismus den Einstieg versüßt. Mit dem schon länger in den Clubs erprobten „Black Metal“ zieht das Tempo an und setzt dank Gitarrensamples sowie eindringlichen Sequencersounds zum Höhenflug an. Trotz der beherzt elektronischen Ausrichtung bleiben sterile Klänge außen vor. Es herrscht Techno mit Rock-Attitüde und einem gehörigen Maß Räudigkeit.

Zwischen explosiven Tanzgaranten bilden Songs wie „Alias“ und „Your Art Is Dead And So Are You“ die nötige Abwechslung, um Langeweile erst gar nicht aufkommen zu lassen. Diese atmen Wave ein und spielen sich mit zarter Hingabe in die Herzen des Hörers. So entsteht eine angenehme Wohligkeit, welche als Ort des Rückzugs inmitten der energischen, teilweise von anstrengenden Sounds durchzogenen Uptempo-Tracks dient. Gerade die sich in´s Gehirn grabenden Loops erschweren den durchgängigen Genuss der dadurch etwas langatmig wirkenden Scheibe.

Mit über 70 Minuten gut gefüllt erweist sich der Tonträger somit ab der Mitte als Herausforderung, der sicherlich nur Genrefans die volle Aufmerksamkeit schenken können. Zum Glück retten das verspielte, von Funk beeinflusste „Bliss“ und der in psychedelischem Gewand schwebende Hidden Track das hohe Niveau und sichern Ascii.Disko einen individuellen, mit beeindruckender Präsenz ausgestatteten Zweitling, welcher Daniel Holc erneut zahlreiche Bookings in den weltweiten Dance-Metropolen und eine weiterhin wachsende Popularität bescheren sollte.

Anspieltipps:

  • Bliss
  • Closer
  • Black Metal
  • Your Art Is Dead And So Are You
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