Jan Delay - Mercedes-Dance - Cover
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Jan Delay Mercedes-Dance


  • Label: Buback/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Für sein zweites Album nach „Searching For The Jan Soul Rebels“, das sich dem Reggae verschrieben hatte, wechselte Jan Delay das Fach und huldigt nun den Funk.

Plötzlich sind sie wieder da, diese schlimmen Geräusche, die den Musikgenuss erheblich stören und den Effekt von weißen Mäusen haben. Denn wo so mancher Zeitgenosse ganz exklusiv das kleine weiße Getier sieht, muss in Wirklichkeit gar kein Nager sein Unwesen treiben. So ähnlich halten es die Jungs beim Buback-Label im Kampf gegen Musikpiraten. Sie mischen ihren Promo-CDs einfach lustige Störgeräusche bei, die den Rezensenten schon nach kurzer Zeit vollkommen kirre machen und massiv die Wahrnehmung beeinflussen, so dass man nicht mehr unterscheiden kann, ob bestimmte Geräusche ein Fake sind oder tatsächlich zum Song gehören.

Sicher irgendwo auch eine Art von Kunst, aber auf Dauer sieht bzw. hört man eben weiße Mäuse. So geschehen bei den (Absoluten) Beginnern („Blast Action Heroes“, 09/2003) und jetzt wieder auf Jan Delays zweitem Soloalbum „Mercedes Dance“. Damals machten einem Helium-getränkte Quietschlaute und fiese Grabesstimmen das Leben schwer. Jetzt ist es ein Ausflug auf den Bauernhof, mit grunzenden Schweinen, blökenden Schafen, bellenden Hunden, muhenden Kühen und wiehernden Pferden. Das kann ja heiter werden…

Für sein zweites Album nach „Searching For The Jan Soul Rebels“ (04/2001), das sich dem Reggae verschrieben hatte, wechselte Jan Eißfeldt alias Eizi Eiz alias Jan Delay das Fach und huldigt nun den Funk. Dazu fährt er gleich zwei live spielende Backingbands auf: Disko No. 1 und die Jonny Bläzers. Diese brachten Jan und seine Co-Produzenten Matthias Arfmann und Tropf in achtzehnmonatiger Studioarbeit in Einklang mit den programmierten Beats, so dass am Ende elf freshe Tracks herauskamen, die nicht nur tanzbar, sondern auch eine gelungene Verbindung von modernen Elektroklängen und Old-School-Sounds sind. Grundlage ist natürlich wieder der herrlich nasale Gesang/Rap und die ultra-coolen Lyrics von Jan Delay, der sich diesmal mit „Für dich“ gekonnt an ein Rio-Reiser-Cover herangetraut hat und in „Im Arsch“ den aus der Mode geratenen Udo Lindenberg featuret.

Mit dem Godfather of Soul, der gleichzeitig auch der Erfinder des Funk ist – James Brown also – hat „Mercedes Dance“ freilich nicht viel zu tun. Jan Delay filterte vielmehr seine eigene Auffassung von funkigen Grooves heraus und packte diese in hypnotische Hüftwackler wie „Klar“, die erste Singleauskopplung, oder mittelschnell pumpende Tracks wie „Kirchturmkandidaten“. „Feuer“ treibt dagegen wieder ganz gut voran und kombiniert schneidige Bläserriffs mit Stones-artigen Gitarrenlicks. Sogar der Reggae seines Debütalbums hält noch mal Einzug, denn „Für dich“ kombiniert ganz vorzüglich sanften Funk und Reggae. Dass dabei nicht sämtliche Tracks zünden und mit „Gasthaus zum lachenden Stalin“, „Plastik“ sowie „Raveheart“ auch ein paar leichte Ausfälle zu verzeichnen sind, kann und darf schon mal passieren. Der Spaß an Jan-Delay-Songs ist und bleibt jedenfalls ungebrochen.

Anspieltipps:

  • Klar
  • Feuer
  • Ahn ich gar nicht
  • Kirchturmkandidaten
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