Sonic Youth - Rather Ripped - Cover
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Sonic Youth Rather Ripped


  • Label: Geffen/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Einundzwanzig Alben und mehr als zwei Jahrzehnte Bandgeschichte – so weit haben es im Musikgeschäft nur wenige Künstler gebracht. Vielleicht ist das aber auch ganz gut so. Denn wie die meisten derart etablierten Musiker haben auch Sonic Youth dem Hörer auf ihrem neuen Album „Rather Ripped“ nichts wirklich Anderes zu bieten, als den altbekannten und sehr individuellen Sonic Youth Sound.

Wer Sonic Youth also schon immer mochte, der wird auch mit „Rather Ripped“ glücklich sein. Auch wenn die New Yorker poppiger klingen als je zuvor. Ein gutes Beispiel dafür ist der Opener „Reena“, der im Gegensatz zu vielen anderen Songs sofort ins Ohr geht. Auch „Incinerate“ gehört in diese Kategorie: Macht gleich beim ersten Hören Spaß. Kim Gordons aggressiver Unterton bei „What a waste“ erinnert an alte Zeiten und setzt sich wohltuend von ihren Vocals bei „Reena“ ab, die für ihre Verhältnisse geradezu dahin gehaucht sind.

Bei „Do you believe in Rapture?“ gibt’s das erste Mal ein bisschen guten alten Sonic Youth Krach: Metallische Gitarren treffen auf lärmendes Geschrammel. Die ersten Sekunden von „Sleepin around“ sind dann in Sachen Störgeräusch schon hart an der Grenze. Disharmonisch gehst auch bei „Jams run free“ zu. Aber, hey, so solls sein, wenn man sich ein Sonic Youth Album zulegt, oder?! Der fortgeschrittene Sonic Youth Hörer wird von „Rats“ wohl maßlos begeistert sein. Besonders zu beachten: die schöne Basslinien. Also gut aufpassen und nicht vom restlichen Klanguniversum, das hier in maßvoller Geschwindigkeit durchquert wird, ablenken lassen.

„Pink Steam“ sorgt mit einem fünfminütigen Instrumentalpart für Entspannung beim gespannt-angespannten Hörer, bevor Sonic Youth mit „Helen Lundeberg“ zum ordentlich krachenden Finale von „Rather Ripped“ ansetzten: Der Letzte ist eindeutig der interessanteste Track des ganzen Albums. Helen Lundberg ist übrigens eine Künstlerin des Post-Surrealismus, womit uns Sonic Youth einen kleinen Hinweis auf die eigentliche Größe ihres Schaffens geben. Die Bandmitglieder haben nicht nur Songs geschrieben, sondern auch Gedichte verfasst, Filme produziert und sich eingehend mit Kunst auseinander gesetzt.
Fazit: Der ein oder andere wird trotz Pop-Einflüssen beim experimentellen Sound von „Rather Ripped“ nicht ums selektive Hören herumkommen. Dem wahren Fan hingegen könnte das neue Album zu glatt sein. Zwar wird „Rather Ripped“ keinen so nachhaltigen Einfluss auf die Musikwelt haben, wie „Daydream Nation“ Ende der Achtziger, das Sonic Youth damals den Deal beim Major Label Geffen Records einbrachte. Aber gute Musik bleibt gute Musik. Auch wenn man sich im fünfundzwanzigsten Jahr des Bandbestehens vielleicht ein besser gewünscht hätte.

Anspieltipps:

  • Reena
  • Rats
  • Helen Lundeberg
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