My Chemical Romance - Three Cheers For Sweet Revenge - Cover
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My Chemical Romance Three Cheers For Sweet Revenge


  • Label: Reprise/WEA
  • Laufzeit: 40 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Obwohl My Chemical Romance stilistisch eingeschränkt sind, klingt kein Lied wie das andere.

Es gibt so viele Arten, wie man seine Musik gestalten kann. Man kann komplexe musikalische Netze spinnen, um den Hören herauszufordern oder man kann ihm einfach vortragen, was man zu sagen hat. Gerard Arthur Way (Gesang) und Band tun Letzteres. Das Thema ist häufig der Tod, die Liebe oder das verkorkste Leben von Teenagern (welches dann aber immer ganz lustig beschrieben wird). Jetzt ist das an und für sich nichts Besonderes und rechtfertig erst recht keine gute Wertung, aber der Rezensent verteilt hier nicht nach Laune.

Persönlichkeiten machen eine Band aus, ja machen häufig sogar den Klassenunterschied im Vergleich zu anderen Gruppen aus. Bei My Chemical Romance tut dies vor allem der Frontmann. Gerard Arthur Way lädt zu einer emotionsgeladenen Explosion des Leinwandflächenformats ein. Der Junge schreit sich das Herz (und die Lunge) gnadenlos raus und erreicht seine Fans problemlos.

Mit ihrem Erstling „I Brought You My Bullets, You Brought Me Your Love“ waren sie allemal in ihrer Heimat bekannt. Allerdings konnte die Band mit dem einen oder anderen Song punkten, um auch außerhalb Amerikas auf sich aufmerksam zu machen. Die neue LP entledigt sich der rauen Oberfläche, die das Debüt noch hatte und ist technisch perfekt abgemischt. Nimmt diese aalglatte Stimmung nicht Atmosphäre? Der Opener „Helena“ beweist eindrucksvoll, dass es nicht so ist. Die Nummer rockt ordentlich und ist mit Sicherheit einer der ganz starken Songs auf der Platte, da er besonders die zweite große Stärke der Band aufzeigt. Der beinahe triefende, aber viel zu ehrlich emotionale Refrain verhindert hirnloses Kopfnicken und Headbangen. Mit Melodien und großen Gefühlen schafft die Band es immer wieder, den Fan mehr als gut zu verköstigen. Natürlich besteht fast durchgehend der Hang zum Kitsch, doch Way und Co. gehen dieses Risiko immer wieder mit Freude ein.

Die beiden Folgenummern „Give ‘em hell, kid” und „To the end” sind dann auch wieder eingängige Nummern, bei denen gar nicht so rerockt werden muss, wie beim Opener. Mit dem vierten Track, der den wunderbaren Namen „You know what they do to guys like us in prison” trägt, hört man einen absoluten Kracher der Marke MCR. Insgesamt muss man einfach festhalten, dass die Jungs es verstehen, Musik so einzufangen, dass die Songs den Hörer mitreißen. Verglichen zum Vorgänger ist das Album lyrisch noch einen Tick erwachsener geworden, auch wenn das natürlich mit sich zieht, dass der Tod (Arthurs Favorit) immer mehr im Mittelpunkt steht. Eine rockig-traurige Liebesgeschichte wie „Three Cheers For Sweet Revenge“ muss aber letztendlich einfach so aussehen.

Obwohl My Chemical Romance stilistisch eingeschränkt sind, klingt kein Lied wie das andere. Die vierzig Minuten fliegen nur so an einem vorbei. Wer Rockmusik mag und nicht davor zurückschreckt, mit ein paar Klischees bedient zu werden, ist bei MCR genau richtig. Echte Ausrutscher sind selten und fallen kaum ins Gewicht („To the end“ ist so ein Fall). Im Prinzip ist die Platte musikalisch gar nicht so genial, doch die Dramatik und Emotion, die hier stattfindet, ist fast schon filmreif.

Anspieltipps:

  • You Know What They Do To Guys Like Us In Prison
  • The Jetset Life Is Gonna Kill You
  • Thank You For The Venom
  • Helena
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