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LaFee LaFee


  • Label: Capitol/EMI
  • Laufzeit: 47 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Christina Klein ist eine 15jährige Hauptschülerin aus der Kleinstadt Stolberg bei Aachen, die demnächst in die 10. Klasse kommt. Sie geht gerne mit ihrer Cousine Eis essen, shoppt mit Freundinnen, skatet auf Inlinern durch die Gegend oder hilft ihrer Mutter in deren griechischem Imbiss. Sie posiert von Kindesbeinen an vor dem Spiegel und träumt davon, einmal so zu werden wie Britney Spears, auch wenn die großen Vorbilder heute eher Anastacia und Christina Aguilera heißen. Ihre Eltern unterstützen ihre hyperaktive Tochter und fördern ihre Talente.

Zugegeben, diese stinknormale Geschichte ist alles andere als spannend. Sie soll auch kein verfrühter Anflug zum Stopfen des Sommerlochs sein. Es handelt sich lediglich um den Werdegang von LaFee, die seit Monaten von der Bravo zum neuen Teen-Pop-Star gepusht wird. Das funktioniert zwar nicht immer so gut wie bei Tokio Hotel oder den Killerpilzen, aber mit zwei Top-20-Singles („Virus“, „Prinzesschen“) ist das Feld für ihr selbstbetiteltes Debütalbum schon mal gar nicht schlecht bestellt.

Natürlich wird mit dem Album nicht einfach so ein Dutzend Lieder unter die gespannte Teenagermeute geschmissen. Es wurde im Vorfeld akribisch geplant, getüftelt und ein stimmiges Marketingkonzept entwickelt, um das neue Produkt „LaFee“ am Markt zu etablieren. So ist die gute LaFee tagsüber die brave Schülerin Christina, die sich auf der Bühne in ein zickiges Rock-Kätzchen mit aufgemaltem Gesichts-Tattoo verwandelt. Dazu wurde eigens eine LaFee-Band zusammengestellt, die auf dem Album anscheinend keinen einzigen Ton gespielt hat. Das erledigten kurzerhand ein paar Studiomusiker um die Träger des Produkts LaFee: Bob Arnz und Gerd Zimmermann, die für Musik, Texte, Mischung und die Produktion zuständig waren.

Sei’s drum. Die beiden haben ihren Job nämlich richtig gut gemacht. „LaFee“ klingt in der Tat nach authentischem Teen-Pop, der inhaltlich die Sorgen und Nöte eines 15jährigen Mädchens behandelt („Das erste Mal“) und musikalisch mit zum Teil erstaunlich hart rockenden Gitarren („Mitternacht“) und fluffigen Synthie- und Keyboardteppichen („Verboten“, „Halt mich“) auf die Playlists von MTVIVA abzielt. An echten Balladen wurde dabei überraschend gespart. Lediglich „Sterben für dich“ und „Wo bist du (Mama)“ fallen in dieses Raster. Dafür teilt LaFee textlich richtig scharf aus. Sie verurteilt z.B. verzogene Gören aus reichem Haus („Prinzesschen“), geht auf Vater-Töchter-Konflikte ein („Lass mich frei“) und gibt einer Rivalin kräftig einen mit („Virus“).

Dass Fräulein Klein stimmlich gar nicht mal so gut beieinander ist, fällt dabei kaum auf. Sie trifft die Töne nicht immer hundertprozentig und legt auch teilweise ein recht dünnes Organ an den Tag. Aber das geht selbst etablierten Stars wie Nena so, deren Stimme leichte Ähnlichkeiten mit LaFees hat. Doch es soll ja authentisch sein. Und das gelingt der Schülerin und ihren Machern unbestreitbar. Deshalb herzlichen Glückwunsch zu diesem perfekt durchgestylten Kunstprodukt!

Anspieltipps:

  • Virus
  • Was ist das
  • Prinzesschen
  • Das erste Mal
  • Sterben für dich
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