3 - Wake Pig - Cover
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3 Wake Pig


  • Label: Metal Blade/SPV
  • Laufzeit: 58 Minuten
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9.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Sehr geehrte Damen und Herren diverser Majorlabels! Wieso müsst ihr immer den einfachen Weg wählen und unglaublich schwachsinnigen Künstlern, die sich gerade einmal durch ihren extrem hohen Trash-Faktor behaupten können und in spätestens drei Jahren nicht einmal mehr ein müdes Lächeln wert sind, ausnahmslos den Vortritt geben, wenn es um einen Plattenvertrag geht? Ist es wirklich nur das Geld, das es möglichst schnell einzunehmen gilt, um die eine oder andere mit ziemlicher Sicherheit fehlschlagende Nachfolgeproduktion zu kompensieren bzw. den einstürzenden Verkaufszahlen Einhalt zu gebieten? Das allein kann es doch nicht sein, wieso unbegabte Deppen wie Grup Tekkan, dauergrinsende Marionetten der Marke Banaroo oder Chipz oder von vorne bis hinten konstruierte Bands wie Tokio Hotel den Kugelschreiber zur Vertragsunterzeichnung quasi in den Arsch geschoben bekommen?

Sicherlich sind richtige Musiker, die zu dem stehen was sie machen, schwerer zu promoten, als eine Hysterie über die neue Haarpracht eines 17-Jährigen zu entfachen, aber wie wäre es mit der Installation von ein paar Sublabels, die sich wirklich für begnadete Künstler wie (und damit wären wir bei vorliegender CD angekommen) z.B. '3' einsetzen und nicht als Auffanglager für nicht mehr so gefragte Acts dienen? Denn das was die aus Woodstock stammende Truppe bestehend aus Joey Eppard (Gesang, Gitarre), Chris Gartmann (Schlagzeug), Billy Riker (Gitarre), Joe Stote (Perkussion, Keyboard) und Daniel Grimsland (Bass) auf „Wake pig“ zustande bringen, ist schlichtweg grandios und birgt in einem Song allein mehr dramaturgische Fertigkeit, als die oben genannten jemals in ihrer kompletten Diskographie erreichen werden. Die traurige Seite an der eigentlich erfreulichen Nachricht, dass sich Metal Blade Records dazu entschlossen hat 3 unter Vertrag zu nehmen, ist die, dass „Wake pig“ bereits der dritte Output des Fünfers ist und hierzulande eigentlich niemand etwas davon mitbekommen hat, da die Vorgänger nur über Import zu erstehen waren.

Angefangen hat nämlich alles bereits in den 90ern und bis ihr Debüt „Paint by number“ 2000 auf dem New Yorker Label Planet Noise erscheinen konnte, mussten sie sich erste eine treue Fangemeinde erspielen, die nicht lange auf sich warten ließ. Der Nachfolger „Summer camp nightmare“ (2003) verfeinerte das Zusammenspiel untereinander und die praktische und technische Erfahrung stieg durch stetes Touren ebenfalls an, was auf dem bereits 2004 in Amerika veröffentlichten „Wake pig“ eindrucksvoll in Songs eingewoben wurde. Als Auftakt steht „Alien angel“ auf dem Programm, das mit einer düsteren Bassline, scheppernden Drums und dem, entgegen der tiefschwarzen Stimmung, vorsichtig optimistischen Gesang von Eppard aufwartet. „Monster“ und „Dregs“ zeugen von der Detailverliebtheit des Fünfers, wenn etwa ein subtiler Synthiesound zur Orientierung dient oder sich wiederholt der Anfangsgitarrenakkord wie ein roter Faden durch den Song zieht. Spätestens beim Titeltrack wird man sich der großen Stärke von 3 bewusst, die darin besteht, den Hörer absichtlich in die Irre zu führen, um den Aufbau des Stücks möglichst abwechslungsreich zu gestalten, denn nach den ersten paar Takten bzw. der ersten Minute, hätte wohl niemand solch ein furioses Finale erwartet, das nahtlos an das instrumentale, rein durch eine Akustikgitarre getragene „Bramfatura“ anschließt, dass man aufgrund der innewohnenden Dynamik einfach gehört haben muss.

Gleich darauf „Trust“, ein Titel, der selbst nach mehrmaligem Genuss nicht schwer im Magen liegt und die nächsten Tage und Monate für einen deftigen Ohrwurm sorgen wird. „Dogs of war“ sorgt mit dezenter musikalischer Untermalung und schmeichelnder Stimme für Faszination und „Soul to sell“ sorgt danach wieder für mehr Tempo, das in „One way town“ seinen Höhepunkt erreicht. Allein für den Beginn von „Queen“ möchte man jeden einzelnen der Jungs in die Arme schließen und „Circus without clowns“ bietet wieder einen stimmigen Aufbau, obwohl nie so richtig klar ist, in welche Richtung (gemächlich oder flott) der Track während seiner Laufzeit ausschlägt und das Gitarrensolo in der Mitte kommt genauso unerwartet wie es wieder verklingt. Zum Schluss gibt es noch das wahnwitzige und zugleich gewöhnungsbedürftige „Where´s Max“ und den 7-Minuten-Brocken „Amaze disgrace“, der noch einmal ordentlich auf die Pauke haut.

3 steht für einen eigenen und dennoch nicht schwer zugänglichen Sound, selbst wenn sich einige mit der Stimme Eppards anfreunden werden müssen oder manches Klangkonstrukt anfangs zu wirr erscheinen mag. Wer sich mit der Musik der Jungs auseinandersetzt, wird belohnt werden, soviel steht fest. Und wie definiert eigentlich die Presseabteilung die Wirkung von „Wake pig“? „Schnell feuernde Akustikgitarren samt dynamischer Perkussion, lebendiges Drumming und ein donnernder Bass kulminieren in einem Hörerlebnis, das zu erschließen einmalig und einzigartig ist. Polyrhythmische Pulsschläge innerhalb einer Symphonie aus treibenden Metalgitarren und melodischen Vokalkunststücken. 3 liefern Musikalität ohne übertriebene Anmaßung“.

Anspieltipps:

  • Trust
  • Queen
  • Wake Pig
  • Bramfatura
  • One Way Town
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