Slut - Die Kleine Dreigroschenoper - Cover
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Slut Die Kleine Dreigroschenoper


  • Label: Virgin/EMI
  • Laufzeit: 20 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Theater in Ingolstadt konnte in den letzten Monaten große Erfolge durch die Neuauflage der Dreigroschenoper verbuchen. An dem Text von Brecht wurde nichts verändert, Kurt Weills Musik dafür umso mehr. Auch wenn man die Melodik und Harmonik des Originals beibehielt, so griff man nun zu anderen, moderneren Instrumenten. Slut übernahmen die musikalische Gestaltung und spielten vor ausverkauftem Haus die Stücke live auf der Bühne.

Eine solche Überarbeitung zu vertonen, zumal der Erfolg und die durchweg positive Resonanz der Band Recht gaben, lag nah. Ursprünglich waren dreizehn Songs für das Album vorgesehen, lediglich fünf haben es aber letztlich auf die CD geschafft. Nachdem die Vollversion bereits aufgenommen wurde, kam ein Anruf der Kurt Weill Foundation aus New York. Es sei nur die Veröffentlichung einzelner Lieder aus der Dreigroschenoper gestattet, jedoch nicht das gesamte Werk. Schon verwunderlich scheint diese Meldung, wenn man sieht, dass Dominique Horwitz 1999 seine Version der Dreigroschenoper veröffentlicht hat, was laut der Stiftung nur passieren konnte, da man diese Produktion übersehen hätte.

2020 ist das Jahr, auf das Slut nun verweisen, dann laufen nämlich die Rechte an den Songs aus und die Band hofft, dass sich spätestens dann die mühsame Arbeit eines ganzen Jahres für die Überarbeitung ausgezahlt hat und an die Öffentlichkeit gelangen darf. Da es bis dahin noch ein Weilchen dauert, muss man sich vorerst mit den fünf Songs zufrieden geben, die es auf die kleine Dreigroschenoper geschafft haben. Dass der wohl bekannteste Titel des ganzen Werkes mit dabei ist, war abzusehen. „Die Morität von Mäckie Messer“ ist dann auch direkt der Opener und es braucht keine fünf Sekunden, um zu bemerken, dass ein frischer Wind durch die alten Kompositionen geweht ist. Obwohl sich die fünf Ingolstädter an das Original halten, klingt das Ergebnis deutlich nach Slut, lediglich der deutsche Text ist untypisch für die Band.

Chris Neuburger scheut sich nicht die „Seeräuberjenny“ zum Besten zu geben, auch wenn sie üblicherweise aus Sicht eben dieser Figur vorgetragen wird. Es bedarf nur weniger Durchläufe, bis sich dieses Lied im Kopf des Hörers festgesetzt hat. „Lookbook-Stimmung“ kommt bei „Kanonen Song“ auf, in punkto Melancholie treffen Slut fast immer ins Schwarze. Beim „Eifersuchtsduett“ übernimmt Chris gesanglich sowohl den Männer-, als auch den Frauenpart. Auch hier durchzieht ein Hauch von „Lookbook“ die Überarbeitung. Mit „Zweites Dreigroschenfinale“ ist man schon am Schluss der Kleinen Dreigroschenoper angekommen.

Die Zusammenarbeit zwischen Slut und dem Theater Ingolstadt weckte auch das Interesse der Jugend. Die Veröffentlichung einer Vollversion der Dreigroschenoper hätte dem jungen Hörer ein wertvolles Stück Kulturgut näher gebracht. Letztlich sind es leider nur fünf entstaubte Songs, die überzeugen und Spaß machen. Es bleibt abzuwarten, was aus den restlichen Überarbeitungen wird. Bei der vorliegenden Kostprobe sehnt man sich das Jahr 2020 jedenfalls ganz schnell herbei.

Anspieltipps:

  • Seeräuberjenny
  • Kanonen Song
  • Dreigroschenfinale
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