Calexico - Garden Ruin - Cover
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Calexico Garden Ruin


  • Label: City Slang/Rough Trade
  • Laufzeit: 41 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Freunde des klassischen Calexico-Sounds werden sicherlich ein bisschen am neuen Klang zu beißen haben.

Der Sechser um Joey Burns (Gesang, Gitarre), John Convertino (Schlagzeug, Piano), Paul Niehaus (Gitarre), Jacob Valenzuela (Trompete), Martin Wenk (Trompete, Gitarre) und Volker Zander (Bass) war um eine Weiterentwicklung nie verlegen. Deswegen zeigen sich Calexico auf dem neuesten Werk „Garden ruin“ von einer weiteren Facette im Bordertown-Zyklus, sind aber wesentlich bodenständiger und amerikanischer geworden, was die Instrumentalisierung und die textliche Ebene betrifft. Allein schon die Titel der einzelnen Stücke beziehen sich auf den Entstehungsprozess des neuesten Zöglings, wenn mit Bisbee (Track Nummer 3 „Bisbee blue“) die Stadt in Arizona gemeint in der sich das Café Roka (Track Nummer 6 „Roka“) befindet, wo die Ideen geboren und die Proben für „Garden ruin“ entstanden. Dann die Auseinandersetzung mit ökonomischen Themen z.B. im Opener „Cruel“ oder das Ausbrechen des Zorns über die Wiederwahl George W. Bushs, der sich im lautstarken Rausschmeißer „All systems red“ manifestiert, statt sich beinahe ausschließlich mit den Problemen, Träumen und Sehnsüchten eines Grenzland-Bewohners zu beschäftigen.

Am auffälligsten ist allerdings das Fehlen des bislang recht gern verwendeten Mariachi-Einflusses. Burns meint dazu: „Keine Mariachis diesmal, das war auf jeden Fall eine bewusste Entscheidung. Diese etwas pop-orientiertere Richtung hatten wir aber auf „Feast of wire“ schon in Ansätzen, mit Songs wie „Not even Stevie Nicks...“. Ein Pop-Einfluss, aber eben schon auf eine Art, die uns liegt, uns natürlich erscheint.“ Ein weiteres Novum ist die Zusammenarbeit mit einem Produzenten und zwar mit J.D. Foster und die Beteiligung aller an der Entwicklung der neuen Songs. „Bisher lief das immer so, dass John (Convertino) und ich die Basic Tracks der Songs gebaut und dann nach und nach die Leute für die anderen Parts dazugeholt haben. Diesmal war die Band bei vielen Stücken von Anfang an dabei“, so Burns. Es hat sich also viel getan im Hause Calexico, doch ein gleichsam stimmungsvolles Werk wie der letzte Output „Feast of wire“ oder das grandiose „Hot rail“ ist dabei nicht zustande gekommen, obwohl sich einige Tracks auf „Garden ruin“ durchaus in den Gehörgang eingefressen haben.

Als Ganzes betrachtet wabert der Großteil allerdings vor sich hin und will aus seiner Schale nicht herauskommen, die zeitlose Melodien und selige Arrangements davon abhält aus dem Lautsprecher zu tönen und wenn bei „Yours and mine“ nach Einsatz von Burns sofort an Conor Oberst bzw. Bright Eyes gedacht wird statt an Calexico stellt sich schon die Frage ob der neue Stil der Eigenständigkeit nicht eher schadet. Das rockige Beinkleid das ein paar der Songs übergestreift bekamen gefällt auch nicht ausschließlich, weil das Image der harten Jungs aus Bordertown-City will ihnen nicht so recht abgekauft werden, obwohl der erzürnte Ausklang „All systems red“ durch den bedächtigen Aufbau zu einem der besten Stücke auf dem Album zählt. Ob „Garden ruin“ nun Rückschritt, Weiterentwicklung oder gar Stillstand ist, lässt sich schwer sagen. Freunde des klassischen Calexico-Sounds werden sicherlich ein bisschen am neuen Klang zu beißen haben, für Neueinsteiger ist die Platte möglicherweise „CD des Monats“.

Anspieltipps:

  • Cruel
  • Smash
  • Deep Down
  • All Systems Red
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